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Barfußläufer sind keine Fußfetischisten

01.02.2013 | 05:00 Uhr
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Foto: WR/Franz Luthe

Dortmund.  Laufen ist pure Natur. Und für den Freizeitsportler gerät die Bewegung an der manchmal allzu frischen Luft oft zur Materialschlacht. Nicht für Max Manroth. Denn der Dortmunder läuft unten ohne, also barfuß. Auf jedem Untergrund, bei fast jedem Wetter.

Funktionsjacke, atmungsaktives Shirt und drunter noch ein Hightech-Hemdchen – wer läuft, investiert oft auch viel Geld in die richtige Laufbekleidung. Und dann die Schuhe! Für gute Laufschuhe wird in der Regel ein dreistelliger Betrag fällig. Zumindest das Problem haben Barfußläufer nicht. Denn sie laufen so, wie es die Natur vorgesehen hat durch Felder, Wälder und Wiesen, aber auch über Schotter, Tartan und Asphalt.

Einer dieser Puristen unter den Läufern ist Max Manroth aus Dortmund. Der 55-Jährige ist passionierter Barfußläufer und seit Neuestem auch Präsident des deutschen Ablegers der Barefoot Runners Society, eines sozialen Netzwerks speziell von Barfußläufern für Gleichgesinnte. Die Sportler tauschen dort Erfahrungen aus, bieten auch beispielsweise Übernachtungsmöglichkeiten an – „eine verschworene Gemeinschaft“, erklärt Manroth und stellt klar: „Wir sind keine Fußfetischisten. Ich kann die ganzen Anfragen à la ‚Ich möchte an deinen Zehen lutschen’ nicht mehr sehen.“ Darum tritt Manroth auch eher zurückhaltend bei Facebook auf.

Durch Unfall zum Barfußläufer geworden

Dabei kam Manroth eher durch einen Zufall, oder besser: einen Unfall, zum unbeschuhten Sport. Bei einem Haushaltsunfall zog er sich einen Anriss derAchillessehne zu. „Beim Laufen in Schuhen hatte ich danach ständig Schmerzen“, erinnert sich Manroth. Doch der passionierte Läufer hatte ein Ziel: Er wollte am 24-Stunden-Lauf der Westfälischen Rundschau im Stadion Rote Erde teilnehmen.

Laufen in Dortmund

Im April 2011 startete Manroth den ersten barfüßigen Gehversuch. „Am Anfang tat es so weh, dass die Tränen geflossen sind“, erinnert er sich, „Die Prinzessin auf der Erbse war eine Hardcoretante im Vergleich zu mir“. Doch es wurde besser und beim 24-Stunden-Lauf schaffte er 100 Kilometer . Seitdem ist Manroth fast immer ohne Schuhe unterwegs. „Ich kann mit geschlossenen Augen jede Art von Asphalt erkennen“, sagt er. Bei Wind und Wetter und Temperaturen bis minus fünf Grad Bodentemperatur ist er unterwegs. Bei Kälte allerdings nicht allzu lang: „Auf Schnee sollte man nicht länger als 15 bis 20 Minuten laufen“, erklärt er. Spätestens, wenn die Zehen anfangen zu frieren, solle man aufhören, Schuhe anziehen und weiterlaufen, so Manroths Tipp. Vor Unebenheiten schützt ihn eine etwa fünf Millimeter dicke Speckschicht unter den Füßen, dort, wo andere Menschen Hornhaut haben. Um die Fußsohlen zu trainieren, steigt der Ultra-Läufer zu Hause auf eine Drahtmatte – „schlimmer ist kein Straßenbelag“, sagt Manroth.

Fuß gleitet von allein um Steine und Scherben

Fragt sich, wie ein Barfußläufer mit all den Dingen umgeht, denen ein Läufer üblicherweise nicht auf dem Weg begegnen möchte: Hundehaufen, Glasscherben, spitze Steine. „Dafür entwickelt man einen Radar“, erklärt Manroth. Und selbst wenn der unbeschuhte Fuß doch mal in ein Häufchen tritt, „ist der Fuß schneller wieder sauber als ein Laufschuh mit Profil“. Spitze Steine und Glasscherben, so der Läufer, könne der Fuß nach etwa einem Jahr Übung quasi selbstständig umlaufen, ohne dass der Sportler bewusst handeln müsse. So wird Laufen zum echten Naturerlebnis, während normale Freiluftsportler in der Regel alles unternehmen, um von der Natur möglichst unbehelligt zu bleiben.

Laufen
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Auch wenn Manroth aus der Not heraus zum Barfußläufer geworden ist, mag er nicht mehr anders unterwegs sein. Missionarisch ist er dennoch nicht. Auch dann nicht, wenn er die Vorzüge des Laufens ohne Schuhe aufzählt. Denn wenn die Schmerzen unter den Füßen erst einmal nachlassen, hat Barfußlaufen einen großen gesundheitlichen Wert. Sobald der Mensch aufrecht gehen kann, werden seine Füße in Schuhe gesteckt. Dabei verkümmert die Fußmuskulatur. Und seit Nike in den 70er-Jahren den gestützten Laufschuh erfand, rollen Hobbysportler über die Ferse ab, statt über den Fußballen zu laufen. So knallen mit jedem Schritt 1,5 G, also das anderthalbfache Gewicht des Körpers, direkt in die gestreckten Knie und in die Wirbelsäule. Der Barfußläufer hingegen bewegt sich mit leicht angewinkelten Knien und gebeugter Hüfte. „So wird der Körper zu einer Feder, die Stöße absorbieren kann“, weiß Manroth.

So wie die 800-Meter-Läuferin Jana Hartmann , die im Übrigen so wie auch Katharina Grompe und weitere Dortmunder Spitzen-Leichtathleten von Massagetherapeut Manroth betreut wird, schätzt auch der Barfußläufer Dortmund als Laufrevier . Für Fortgeschrittene und Anfänger gebe es genügend Strecken, um erste barfüßige Schritte zu unternehmen.

Max Manroths Barfuß-Strecken

  • Phoenixsee-Runde (wahlweise Asphalt oder Sandsplit)
  • Rombergparkrunde (Asphalt und Naturboden)
  • Finnenbahn Berghofen (Sandsplit, Holzspäne und Mulch)
  • Parkgelände Hohensyburg (Asphalt, Rasen, Schotter und Naturböden)
  • Westfalenpark (sehr familienfreundlich; Asphalt, Sand, Rasen)
  • Fredenbaumpark (Asphalt und Sandsplit)
  • Hengsteysee-Runde (Asphalt und Sandsplit)

Für Fortgeschrittene und Hardcore-Fans:

  • Schwerter Wald (Naturboden, Schotter, Sandsplitt, historischer Asphalt)
  • Bittermark (Asphalt, Schotter, Sandsplit, Naturboden)
  • Aplerbecker Wald (Asphalt, Schotter, Naturboden)

 

Stefan Reinke

Kommentare
13.02.2013
10:55
Barfußläufer sind keine Fußfetischisten
von mehlbox | #1

komma, sondern haben einen an der marmel

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