Das aktuelle Wetter Dortmund 10°C
Theater Dortmund

Ballett schlägt Brücke nach China

12.10.2012 | 07:00 Uhr
Ballett schlägt Brücke nach China
Strenger Blick von Ballettdirektor Xin Peng Wang auf die Choreographie, die hier erarbeitet wird.Foto: Ralf Rottmann

Eine Großmeisterin des traditionellen chinesischen Tanzes hat Xin Peng Wang für seine Inszenierung „Der Traum der roten Kammer“ engagiert. Überhaupt ist sein Team zur Hälfte europäisch, zur Hälfte chinesisch besetzt.

Während draußen die Herbstblätter durch die Luft wirbeln, springen zehn junge Männer durch den sonnigen Trainingsraum im Ballettzentrum im Westfalenpark. Ballettdirektor Xin Peng Wang zählt an: „One, two, three, four...“ Dann kommt die Stelle, auf die es ihm ankommt: „Arms!“ Zwanzig Arme gehen parallel in die Luft, seitlich ausgestreckt, die Haltung ist geduckt.

Der Schmerz lässt ihm keine Ruhe

Die Kreationsproben für das Stück „Der Traum der roten Kammer“ sind in vollem Gange. Immer wieder wird die Musik des britischen Komponisten Michael Nyman eingespielt. Xin Peng Wang und seine Mannschaft probieren, stoppen, setzen wieder an. Mit langen Ruten stoßen die Tänzer auf einen am Boden Liegenden ein. „Pao Yü ist ein junger Mann von zwölf Jahren“, erklärt Chefdramaturg Christian Baier. „Es zerreißt ihn, als er erfährt, dass seine wahre Liebe in den Tod geht, weil sie sagt: Solange ich lebe, wird er in seiner Ehe niemals glücklich werden.“ Die Ruten peitschen den Mann in seinem Liebesschmerz durch Tag und Nacht. „Die Männer lassen ihn wie eine Marionette an unsichtbaren Fäden tanzen“, so Baier.

Das dramatische Stück ist eine europäisch-chinesische Koproduktion. „Das einzige uns bekannte europäische Stück, das asiatischen Stoff aufgreif“, betont Ballettmanager Tobias Ehinger. Nach zehn Jahren am Dortmunder Ballett präsentiert Xin Peng Wang damit nun ein Stück seiner Heimat – im doppelten Sinn.

Zum einen inhaltlich, denn „Der Traum der roten Kammer“ gehört zum traditionellen Volksgut der chinesischen Literatur. „Jedes Kind kennt den Stoff, er gehört zum Schulrepertoire“, erklärt Ehinger. Zum anderen konzeptionell, denn das Team, das die Ballett-Adaption umsetzt, ist zur Hälfte europäisch, zur anderen Hälfte chinesisch.

So hat Wang etwa die Großmeisterin des traditionellen chinesischen Tanzes an der Hochschule in Peking, Shao Weiqiu , für seine Produktion engagiert. „Chinesische Tänzerinnen verlängern beispielsweise ihre Arme beim Tanz um zwei Meter mit langen Stoffen, die sie in der Hand halten und hervorschnellen lassen, wenn sie den Arm strecken. Das ist sehr kompliziert, aber so etwas beherrschen unsere Tänzerinnen nun.“

Dabei geht es nicht darum die chinesische Kultur vorzuführen, sondern darum, was sie mit der europäischen Kultur verbindet: „Es geht um das Leid Pao Yüs, um seine individuelle Entscheidung. Der Mensch wird in den Vordergrund gerückt“, so Christian Baier. „Entscheide ich mich für meinen individuellen Weg oder folge ich den Ansprüchen, die von außen an mich herangetragen werden?“, so Ehinger. „Das ist Wangs Plädoyer für die Wahrhaftigkeit in der Kunst“, findet Baier.

Insgesamt 70 Darsteller

Neben dem Dortmunder Ensemble hat Wang weitere 50 Darsteller für das opulente Märchen engagiert – allein 35 Laien für einen Bewegungschor. Sie bevölkern Bühne und erste Hinterbühne. Hinzu kommt die Drehbühne, auf der sich die Tänzer bewegen werden. Für diese choreographische Präzisionsarbeit haben das Team und die Tänzer nun noch knapp zwei Wochen Zeit.

Maike Rellecke



Kommentare
Aus dem Ressort
Das verrät Ihre Visitenkarte über Sie und Ihre Firma
Big-Data-Kongress in...
Visitenkarten sind beliebte Tauschobjekte bei Geschäftstreffen - doch neben Namen und Kontaktdaten verraten sie mehr über einen selbst und das eigene Unternehmen, als man denkt. Meinert Jacobsen zeigt, was. Der Daten-Experte, einer der Teilnehmer eines großen Big-Data-Kongresses in der...
Dortmund gibt Kaninchen in Parks zum Abschuss frei
Myxomatose
Mit der Flinte gegen die Kaninchenseuche: Dortmunds Jäger haben jetzt den Auftrag erhalten, in Parks und an Sportplätzen Kaninchen zu schießen. Der Grund: Die Seuche Myxomatose wütet schlimmer als je zuvor in Dortmund.
Stadt gibt Kaninchen in Parks zum Abschuss frei
Myxomatose-Epidemie
Mit der Flinte gegen die Kaninchenseuche: Dortmunds Jäger haben jetzt den Auftrag erhalten, in Parks und an Sportplätzen Kaninchen zu schießen. Der Grund: Die Seuche Myxomatose wütet schlimmer als je zuvor in Dortmund.
In der BVB-Krise nicht draufhauen, sondern aufbauen
Fankolumne
Zum ersten Mal seit vielen Jahren steckt der BVB in einer sportlichen Krise. Es ist eine schwere Zeit für Club und Fans, aber es hat schon weit schwerere gegeben. Die Fans müssen weiter vorleben, was in der Vereinshymne steht: "Wir halten fest und treu zusammen!", meint Fankolumnist Rutger Koch.
Alte Hörder Polizeiwache wird zur Wohngemeinschaft
14 Hauswächter
Früher wurden hier Verbrecher verhört. Jetzt wohnen hier junge Menschen. Die ehemalige Polizeiwache Hörde ist seit wenigen Monaten ein Wohnhaus. In dem leer gezogenen Gebäude leben 14 sogenannte Hauswächter. Sie wohnen günstig, haben dafür aber eine spezielle Aufgabe.
Fotos und Videos
Foto-Projekt "Wir: echt Nordstadt"
Bildgalerie
Fotostrecke
1. Holzener Teich- und Fischfest
Bildgalerie
Fotostrecke
Sehfest Hörde
Bildgalerie
Fotostrecke
Die WG in der alten Polizeiwache
Bildgalerie
Fotostrecke