Bäckerei Feldkamp kann erst im Herbst wieder Löhne zahlen

Der Dortmunder Bäcker Feldkamp schuldet einigen seiner Mitarbeiter Lohn.
Der Dortmunder Bäcker Feldkamp schuldet einigen seiner Mitarbeiter Lohn.
Foto: Ingo Otto / WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Seit Juni haben einige Mitarbeiter der Dortmunder Bäckerei-Kette Feldkamp keinen vollen Lohn mehr bekommen. Firmen-Chef Frank Feldkamp fühlt sich missverstanden — er verweist auf sinkende Umsätze und hofft, "im September wieder im normalen Takt zu sein".

Dortmund.. Bäcker Frank Feldkamp sieht sich missverstanden. Und Zayde Torun von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) widerspricht dem Missverstandenen, der vielen seinen Mitarbeitern weiterhin den Lohn ihre Arbeit schuldet.

Im Gespräch mit der WAZ räumte Frank Feldkamp - 16 Filialen in und um Dortmund - ein, dass er „einem Teil der Mitarbeiter den Juni-Lohn noch nicht voll ausgezahlt“ habe. Speziell sinkende Umsätze in den Ferien und auch der Verlust von vier „Vorkassenzonen“ in Rewe-Supermärkten, die nun vom marktführerenden Großbäcker bestückt würden, seien verantwortlich für die vorübergehend schwierige Ertragslage.

Feldkamp hofft, „im September wieder im normalen Takt mit den Lohnzahlungen zu sein.“ Das bedeutet im Umkehrschluss, dass er auch mit den Juli- und August-Löhnen in Verzug geraten könnte.

"Auszubildenden zahle ich den Lohn pünktlich aus"

„Auszubildenden zahle ich den Lohn pünktlich aus“, so Feldkamp. Pünktlich ist für ihn der 15. Tag des Folgemonats. Das sei nicht pünktlich, so NGG-Sekretärin Zayde Torun. Das Bürgerliche Gesetzbuch (§ 614) schreibe Lohnzahlungen spätestens bis zum 1. des Folgemonats vor: „Andere Bäcker bekommen dies gebacken, Frank Feldkamp nicht.“

Torun: „Für Beschäftigte entstehen Kosten, die durch verspätete Entgeltzahlungen verursacht werden, wie Mahngebühren, Rückläufergebühren bei der Bank. Kostenverursacher Frank Feldkamp übernimmt diese Kosten wegen verspäteter Zahlungen nicht, obwohl er es rechtlich müsste.“

Feldkamp will von gestörter Kommunikation nichts wissen

Es könne keine Argument sein, so Torun, dass man aufwändige (Stunden-)Abrechnungen für Mitarbeiter erstellen müsse. Das bekämen andere Betriebe seit vielen Jahren problemlos in den Griff.

Von einer gestörten Kommunikation mit der Gewerkschaft will Frank Feldkamp übrigens nichts wissen: „Hier hat noch keiner von denen angerufen.“ Und seine Sekretärin habe auch schon mal einen NGG-Brief beantwortet.

Die Bäckerinnung macht Mut

„Der Umbruch ist längst gelaufen im Bäckerhandwerk“, so Jürgen Böhm, Geschäftsführer der Bäcker-Innung Dortmund und Lünen. Seit 1970 schrumpfte die Zahl der backenden Betriebe von 222 auf noch gut 30. Als „Sargnagel“ für viele Betriebe wertet Böhm den Wegfalls des Nachtbackverbots. Das habe der gr0ßindustriellen Fertigung den Weg geebnet.

Sorge mache aktuell, dass nun auch Discounter wie Lidl und Aldi „Backwaren in Automaten zu unschlagbaren Preisen“ anböten.

Beispiele für gute Qualitäts-Backwaren

Die Rettung für die kleineren Betriebe könnten Qualitäts-Backwaren sein. Dafür gebe es auch vor Ort gute Beispiele. Etwa ein Drittel aller Konsumenten kaufe Backwaren nur nach dem Preis ein. Ein anderes Drittel achte in erster Linie auf Qualität - da ist es fast egal, zu welchem Preis die Ware angeboten wird. Fast alle Betriebe - 90 Prozent, schätzt Böhm - böten mittlerweile preiswerte Ware an, um Käufer vor die Theke zu locken.

Böhm macht den Betrieben Mut: Mit pfiffigen Ideen könnten Bäcker auch der großindustriellen Konkurrenz in Zukunft Paroli bieten.