Bäckerei Feldkamp bleibt Lohn schuldig

Foto: Pia Mester
Was wir bereits wissen
Die Beschäftigten der Bäckerei-Kette Willi Feldkamp sollen nach Auskunft der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten nur unregelmäßig Lohn erhalten. Zudem berichtet die Arbeitnehmer-Organisation von kuriosen Szenen: Ein Beschäftigter sei mit 50 Euro für wichtige Medikamente abgespeist worden sein.

Dortmund.. Seit einiger Zeit erhalten die Beschäftigten der Bäckerei-Kette Willi Feldkamp nur unregelmäßig ihren Lohn. Diese Erkenntnisse liegen der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten vor. Die Arbeitnehmer-Organisation fürchtet, dass die Bäckerei Feldkamp in finanziellen Schwierigkeiten steckt.

Diese Einschätzung weist Feldkamp-Geschäftsführer Frank Feldkamp im Gespräch mit der Westfälischen Rundschau nicht gänzlich von der Hand. Er spricht von den Folgen des Sommerlochs, das zu Mindereinnahmen führe.

Die NGG erklärt: Bei einer Mitarbeiterversammlung soll Geschäftsführer Frank Feldkamp, Enkel des Firmengründers Paul Feldkamp, behauptet haben, dass er „Pleite“ gehen würde, wenn die Beschäftigten zur Gewerkschaft rennen und ihre Forderungen einklagen. Diese Darstellung wird von Feldkamp allerding dementiert. Er pflege ein gutes Verhältnis zu allen 110 Mitarbeitern, auch zu den gewerkschaftlich organisierten.

Mehrere Monatsgehälter nicht ausgezahlt

Die Forderungen, das sind nach Erkenntnissen der NGG gleich mehrere Monatsgehälter. Von den ausstehenden Bezügen für Mai, Juni und Juli seien auf Aufforderung erst die Mai-Abrechnungen erfolgt. Und das wohl erst nach Schwierigkeiten mit der ausführenden Bank. Zayde Torun, Gewerkschaftssekretärin: „Bei Überweisungsversuchen war das Konto offenbar nicht gedeckt.“ Mit rechtlichen Schritten halten sich die Beschäftigten sehr zurück - wohl aus Sorge, dass sie ihren Arbeitsplatz verlieren.

Nach Darstellung von Frank Feldkamp steht nur das Juni-Gehalt zum Teil noch aus. Der Juli sei noch nicht abgerechnet. Den Monatslohn gebe es aufgrund der aufwendigen Addierung von Stundenlöhnen immer erst in der Mitte des Folgemonats.

Es stehe also - laut Feldkamp - nur ein Monatslohn aus. Und das sei neben dem Sommerloch auch durch Mindereinnahmen wegen der Schließung von „ein, zwei Filialen“ geschehen.

Positives Klima im Haus

Kündigungen solle es nicht geben, versichert Frank Feldkamp. Er beteuert, dass das Klima im Hause grundsätzlich positiv sei und er immer ein offenes Ohr für seine Mitarbeiter habe.

Die Gewerkschaft spricht dagegen von kuriosen Szenen, die absolut indiskutabel seien. So sei einem Beschäftigten, der 2800 Euro von Feldkamp zu bekommen habe, auf dessen Forderung erlaubt worden: „Greifen Sie in die Kasse.“ Mit 50 Euro sei der Beschäftigte für den Kauf dringend benötigter Medikamente abgespeist worden.

Die konkrete Situation will Feldkamp so nicht kennen. Grundsätzlich sei es aber richtig, dass „es Abschläge auf ausstehenden Lohn gibt“.

Die Mehrarbeitsstunden, Mehrarbeitszuschläge, Urlaubsgeld 2012 , die Tariferhöhung seit 1. Juni und Spätöffnungszuschläge seien auch noch offen, moniert die NGG.

„Das Urlaubsgeld wird seit längerer Zeit als Einkaufsgutscheine im eigenen Laden ausbezahlt“, so die NGG-Sekretärin. „Dies ist selbstverständlich nicht rechtens.“ Und überhaupt: Wer wolle schon so viel Brot kaufen. Dass er tatsächlich so verfährt und Sonderleistungen in Naturalien vergütet, dementiert der Chef der Kette von 17 Filialen in Dortmund und Umgebung nicht.

Bank soll Auszahlung untersagt haben

Laut Aussage eines Beschäftigten hätte die betreuende Bank Feldkamp die Auszahlung der letzten Tariferhöhung untersagt. Dieser stellt in Aussicht, auch diese Aufschläge an die Mitarbeiter zu zahlen, wenn die Geschäfte „in zwei, drei Wochen“ wieder besser laufen. Die NGG vertritt sieben der Feldkamp-Beschäftigten.

Im Gespräch mit unserer Zeitung gibt Feldkamp zu bedenken, dass die Konkurrenz durch Back-Discounter immer mehr zunehme. Er setze auf Qualität, habe zum Beispiel den Lehrlingsbesten und gerate jetzt unter Druck.