Autonome nach Schlägen gegen Neonazi verurteilt
10.09.2010 | 16:37 Uhr 2010-09-10T16:37:00+0200
Dortmund. Der 5. September 2009, 18.40 Uhr vor dem Hauptbahnhof. Die Hundertschaften der Polizei machten sich zur Abreise bereit. Hinter ihnen lag ein Tag, an dem tausende von Bürgern ebenso friedlich wie eindrucksvoll gezeigt hatten, dass Rechtsradikale in ihrer Stadt nichts zu suchen hatten. Doch plötzlich bekamen die Beamten doch noch Arbeit: Im Eingangsbereich zum Hauptbahnhof schlugen und traten zwei Autonome aus der linken Szene einen Neonazi zu Boden.
Wegen gefährlicher Körperverletzung und Widerstand verurteilte Amtsrichterin Christine Weber gestern zwei 22 und 25 Jahre alte Männer zu Freiheitsstrafen von sechs und sieben Monaten mit Bewährung. Außerdem müssen die beiden je 100 Stunden Sozialarbeit ableisten. Sowohl zur Demo als auch jetzt zum Gerichtstermin kamen sie aus Görlitz angereist. Der eine kassierte einen Monat mehr, weil er bei der Feststellung seiner Personalien um sich schlug und flüchten wollte.
„Das ging alles rasend schnell“
„Ich sah, wie etwa vier bis fünf schwarz gekleidete Personen auf den Geschädigten zustürzten“, erinnerte sich ein Polizist. Zwei aus der Gruppe seien dann gewalttätig geworden. „Das ging alles rasend schnell. Der eine boxte, kickte, dann ging der Geschädigte zu Boden. Der zweite Täter hat dann auf das am Boden liegende Opfer eingetreten.“ Die Polizei schritt ein, nahm die Personalien der Täter auf – und so landeten die beiden Freunde aus Görlitz ein Jahr später auf der Anklagebank. Vor Gericht schwiegen sie zu den Vorwürfen.
Rechtsradikaler wurde leicht verletzt
Der damals leicht verletzte Neonazi hatte das Duo im Prozess nicht wiedererkannt. Der Vertreter der Staatsanwaltschaft meinte am Ende des Prozesses: „Politische Diskussionen mit Gewalt zu lösen, da ist die eine Seite nicht besser als die andere.“