Aufregung um Auflagen für Mottowochen der Dortmunder Abiturienten

Ihre letzten Schultage wollen die Abiturienten in Dortmund gebührend feiern.
Ihre letzten Schultage wollen die Abiturienten in Dortmund gebührend feiern.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Bei den Mottowochen der Abiturienten in Dortmund geht's oft wild zu - zum Verdruss der Lehrer. Es gilt: Alkohol, Verwüstungen, Belästigung und laute Musik sind verboten.

Dortmund.. In der Woche vor den Osterferien feiern die Abiturienten an Gymnasien und Gesamtschulen wieder ihre letzten Schultage mit einer so genannten Mottowoche. Jeden Tag präsentieren sie sich in Verkleidung zu einem festgelegten Thema - Helden, Hippies, Hollywood. An normalen Unterricht ist kaum zu denken.

Was sind die Mottowochen?

In ihrer letzten Unterrichtswoche nach 12 bzw. 13 Schuljahren kommen die Schüler kostümiert in die Schule, jeden Tag zu einem besonderen Thema. Begleitet wird das an manchen Schulen durch Spiele, Musik und diverse Überraschungen für Lehrer und andere Stufen.

Welche Mottos sind beliebt?

Zu den Klassikern gehören "Mein erster Schultag", "Bad taste" und "Helden der Kindheit".Ebenfalls beliebt: Hippies, Hawaii,Hollywood, Nerd, Nutten und Neon, Mario Cart, Schwarz-weiß, 1001 Nacht, Märchen, Pyjama, Knast, Piraten. Ausgefallenere Mottos sind beispielsweise Cindy von Marzahn, Unter Wasser oder "Frisch aus dem Bett" und: Lehrer.

Was ist erlaubt, was nicht?

Die meisten Regeln ergeben sich aus dem Schulgesetz, für die Mottowoche gilt: Alkohol, Verwüstungen, Belästigung und laute Musik sind verboten, ebenso sexistische ("Transen", "Nutten und Zuhälter") oder gewaltverherrlichende Verkleidung ("Mafia") oder Vermummung ("Anonymous"). "Die Regeln sind nicht ganz einheitlich", sagt Detlev von Elsenau, Sprecher der Dortmunder Gymnasien und Leiter der Heinrich-Heine-Gymnasiums in Nette. Normalerweise hätten es die Innenstadt-Schulen etwas schwerer, wegen der Nähe zu Kneipen und zur Öffentlichkeit. "Dem versuchen die Schulleitungen mit möglichst hohen Auflagen zu begegnen." Dabei geht es neben der Sicherheit auch um die Außenwirkung der Schulen.

Am Käthe-Kollwitz-Gymnasium in der Innenstadt beispielsweise müssen die Schüler eine Selbstverpflichtungs-Erklärung unterschreiben: kein Alkohol, kein Vermummen, keine "Nutten und Zuhälter", keine Verkleidung, die jüngeren Schülern Angst macht. "Das hat etwas überhand genommen in den letzten Jahren", sagt Schulleiterin Heide Hollerbach-Punge.

Gab es in der Vergangenheit Ärger?

Es hat immer wieder Probleme gegeben, häufig wegen Alkoholkonsums. Vereinzelt mussten Schüler wegen Alkoholvergiftung ins Krankenhaus eingeliefert werden. Auch manche Schülerstreiche schießen über das Ziel hinaus. Kreide an Wänden lässt sich beispielsweise schwer entfernen, Pyrotechnik auf dem Schulhof ist gefährlich, Sekundenkleber in Schlössern sind Sachbeschädigung. An einem Gymnasium wurde im vergangenen Jahr eine Lehrerin verletzt, weil sie auf zerschlagenen Eiern ausgerutscht ist.

Wie sehen Schüler das Prozedere?

Für die meisten Schüler gehört die Partywoche zum Schulabschied dazu. Auch wenn sie das Abitur noch lange nicht in der Tasche haben, wollen sie die letzten Tage, die sie gemeinsam an der Schule verbringen, zu etwas Besonderem machen. In der Regel machten die Vereinbarungen keine Probleme, erzählt Gymnasiums-Sprecher Detlev von Elsenau.Am Helene-Lange-Gymnasiums (HLG) in Hombruch beschwerten sich jetzt allerdings einige Abiturienten bitterlich in einem anonymen Brief. "Die Schüler dürfen nach anstrengenden zwölf Schuljahren nicht die übliche, letzte Partywoche wie gewohnt zelebrieren", heißt es darin. So bleibe beim Abschied vom Schulleben ein "bitterer Nachgeschmack"

Was sagen Lehrer und Schulleiter zum Vorwurf, "Spaßbremsen" zu sein?

Ulrich Möllencamp, SchulleiterdesHelene-Lange-Gymnasiums,bezeichnet die Auflagen für die Mottotage als "Selbstverständlichkeit" und nicht neu. Grundsätzlich dürfen die anderen Schüler nicht gestört werden. Verboten sind auch an seiner Schule Alkohol, laute Musik außerhalb der Pausen und Verwüstungen. "Wir haben Verständnis für den Wunsch zu feiern", erklärt Möllencamp. "Das sollte aber so laufen, dass andere Schüler nicht beeinträchtigt werden."

Gibt es einen Kompromiss an den Schulen?

An den meisten Schulen werden die Regeln und auch die Mottos mit dem Planungskomitee des Abiturjahrgangs abgesprochen. Wenn sich alles im Rahmen bewegt, sind die Schulleitungen in der Regel bereit, die Mottotage wohlwollend zu begleiten. So will Schulleiter Möllencamp vom Helene-Lange-Gymnasium beispielsweise an einem der Partytage ein Auge zudrücken, dann dürften auch andere Klassen mit einbezogen werden.

Ähnliche Absprachen gibt es auch an den anderen Schulen. "Wir versuchen ein Einvernehmen herzustellen, dass anderer Unterricht nicht gestört wird", sagt Michael Mimberg, Sprecher der Gesamtschulen. An seiner Schule, der Gustav-Heinemann-Gesamtschule, sei das relativ einfach, weil die Oberstufe einen eigenen Trakt nutzt. Auch Heide Hollerbach-Punge am Käthe-Kollwitz-Gymnasium will die Regeln an einem der Tage in der 5. und 6. Stunde etwas aufweichen, damit die Zwölfer jahrgangsübergreifend etwas Stimmung verbreiten können.