Aufnahmestopp für Flüchtlinge beendet, aber keine Entwarnung

Für viele Flüchtlinge in Dortmund heißt es vorerst: Bitte weiterreisen.
Für viele Flüchtlinge in Dortmund heißt es vorerst: Bitte weiterreisen.
Foto: Peter Bandermann
Was wir bereits wissen
Die Dortmunder Anlaufstelle für Flüchtlinge ist zum Bersten gefüllt. Die Behörde macht die Türen dicht. Bis Mittwoch wurde niemand mehr aufgenommen.

Dortmund.. Die Erstaufnahmestelle für Asylbewerber in Dortmund platzt seit Tagen aus allen Nähten - jetzt hat die Stadt erneut die Notbremse gezogen und einen Aufnahmestopp. Bis Mittwochmittag nahm die nordrhein-westfälische Anlaufstelle für Flüchtlinge keine Neuankömmlinge mehr auf.

In den vergangenen Tagen war die Zahl der Menschen auf dem Gelände der Stelle teilweise doppelt oder sogar dreifach so hoch wie eigentlich erlaubt. Nachdem auch für Montag mit einer deutlichen Überbelegung gerechnet wurde, setzte die Behörde erstmals einen neuen Notfallplan um.

Seit Tagen massive Überbelegung

Seit Mitternacht könne die Einrichtung wieder Neuankömmlinge empfangen, wie die Stadt und der Leiter der Erstaufnahmestelle am Dienstag übereinstimmend mitteilten. Entwarnung kann die Stadt Dortmund aber nicht geben. Ein Sprecher schloss weitere Aufnahmestopps nicht aus.

Interview Die Anlage in Dortmund kämpft seit Tagen mit massiver Überbelegung. Zuletzt hatten sich an manchen Tagen bis zu 900 Menschen in oder rund um die Erstaufnahme aufgehalten - dabei hat diese eigentlich nur bis zu 350 Plätze. Für Montag wurde bis Mitternacht mit insgesamt 746 Menschen gerechnet. "Somit greift der Notfallplan", kündigte die Stadt an. Wer nach Dortmund komme, werde gebeten in andere Aufnahmeeinrichtungen weiterzureisen.

CDU sieht Schuld bei Landesregierung

Nach den neuen Vorgaben tritt der Aufnahmestopp in Kraft, sobald um Mitternacht mehr als 400 Menschen in der Einrichtung gezählt werden oder absehbar ist, dass das Land nicht ausreichend Unterbringungsplätze bereitstellen kann.

Flüchtlinge in Dortmund Die CDU macht die Landesregierung für die angespannte Lage in der Erstaufnahmestelle für Asylbewerber in Dortmund verantwortlich. "Die Flüchtlingsunterbringung in Nordrhein-Westfalen gleicht immer mehr einer Bankrotterklärung der gesamten Landesregierung", sagte der stellvertretende CDU-Landtagsfraktionschef André Kuper am Dienstag in Düsseldorf. Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) schaue zu, wie Menschen, die vor Krieg und Terror geflohen seien, unhaltbaren Zuständen ausgesetzt würden. Die Oppositionspartei forderte die Regierungschefin auf, "auch unbequeme Entscheidungen" zu fällen.

Hamm greift Dortmund unter die Arme

Am späten Montag erklärte sich die Stadt Hamm bereit, im Laufe des Abends bis zu 300 Menschen aufzunehmen, die im Erstaufnahmelager in Dortmund nicht mehr versorgt werden konnten. Sie sollen in einer umgebauten früheren Maschinenhalle, der Alfred-Fischer-Halle, untergebracht werden, bis die Einrichtung auf dem Gelände der ehemaligen Cromwell-Baracks fertig ist. "Die Planungen gehen davon aus, dass die Zentrale Unterbringung des Landes für rund 850 Flüchtlinge Mitte August in Betrieb gehen kann", teilte die Stadt mit.

"In Situationen wie diesen gibt es eine humanitäre Verpflichtung zur Hilfe: Wir können nicht zulassen, dass Menschen auf der Straße schlafen", sagte Oberbürgermeister Thomas Hunsteger-Petermann. "Deshalb haben wir uns nicht weggeduckt, als es die ersten Signale in Richtung Hamm gab." Angesichts der derzeit hohen Zugangszahlen sei die Zwischenlösung in Hamm eine wichtige kurzfristige Entlastung für Nordrhein-Westfalen. (dpa)