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Auf Täter-Jagd in der Cyberwelt - Polizei Dortmund kämpft gegen Internet-Kriminalität

10.02.2012 | 13:37 Uhr
Auf Täter-Jagd in der Cyberwelt - Polizei Dortmund kämpft gegen Internet-Kriminalität
Techniker Peter Stenzel nimmt auch Handys genau unter die Lupe. Foto: Knut Vahlensieck

Dortmund.   Hackerangriffe, Pishing-Attacken, Finanzagenten: Dortmunds Polizei macht Jagd auf Täter in der Cyberwelt. Der Grund ist ganz einfach: Die Deliktzahlen steigen. Wie die Experten des KK 25 gegen die Kriminalität im Internet kämpfen, erfuhren wir in ihrem Büro, das einem Hochsicherheitstrakt gleicht.

Sie jagen reale Verbrecher in virtuellen Welten, die Experten des KK 25. Ob Phishing-Attacken im Netz, Hackerangriffe auf Netzwerke oder Angriffe auf Telefonanlagen – die Kripobeamten und Techniker sind ständig mit modernster Technik im Internet unterwegs, um Täter zu ermitteln und zu überführen.

Und sie sind sich in der rasant schnell verändernden Cyberwelt sicher: „Es wird nie eine Sicherheitstechnik im Netz geben, die uns irgendwann arbeitslos macht“, blickt Kriminalhauptkommissar Dirk Schröter in die Zukunft.

Die Deliktzahlen steigen ständig an. Allein vom Jahr 2009 auf 2010 betrug die Zuwachsrate bei Internetkriminalität zwanzig Prozent. Und die Tendenz? Weiter steigend. Immer mehr Täter – und das weltweit – versprechen sich durch Betrügereien im Internet, die schnelle Mark zu machen. Die hochqualifizierten Experten sehen sich ständig professionell arbeitenden und bestens ausgebildeten Täterbanden gegenüber, „die in erster Linie von Osteuropa aus operieren“, erklärt Kommissariatsleiter Herbert Krusel, Chef des KK 25. Um sicher vor Angriffen zu sein, sitzen die Beamten selbst in einer Art Hochsicherheitstrakt im Präsidium. Hier herrscht Sicherheitsstufe 1.

Onlinebanking schwer in Mode

Vor allem die Kriminalität rund ums Thema Onlinebanking steige ständig an – daher ist sie auch ein Schwerpunkt der Crew im KK 25. „Da werden die Nutzer mit fiktiven Mails bombardiert oder mit Trojanern werden ihre Passworte ausspioniert“, berichtet Schröter.

Dirk Schröter und Herbert Krusel vom KK 25 sorgen für mehr Sicherheit im Netz. Foto: Knut Vahlensieck

Aufgrund der von den Betrügern eingesetzten modernsten Technik und der trotz vieler Warnungen unvorsichtigen Internetnutzer hätten die Täter sehr häufig leichtes Spiel. Es fehlten oft einfache Virenprogramme oder eine Firewall, um sich zu schützen. „Und man sollte das Betriebssystem ständig aktualisieren, was auch für das Virenprogramm gilt“, rät Schröter. Der Schaden gehe in die Millionen.

Bankbetrug im Internet

„Die Bankkunden geben leichtfertig ihre PIN-Nummer oder Transaktionsnummer (TAN) in Datenmasken auf betrügerischen Internetseiten ein, die von den Betrügern verschickt worden sind, und das häufig gleich an Tausende Internetuser“, so Hauptkommissar Dirk Schröter. Schnell räumen die Betrüger die Konten leer, überweisen das Geld auf Konten von sogenannten Finanzagenten, die sie vorher mit lukrativen Angeboten – ebenfalls im Internet – angeworben haben.

Diese Finanzagenten, denen man 2000 Euro oder mehr bietet, „erhalten dann den Auftrag, das Geld abzuheben und es bar bei der Western Union auf irgendein Konto einzuzahlen“, weiß Schröter. „Das Geld ist dann weg.“ Oftmals blieben die Finanzagenten zurück, denen man dann „leichtfertige Geldwäsche“ vorwirft. In der Regel müssen diese Agenten für den entstandenen Schaden sogar aufkommen.

Forensische Datensicherung

Das Problem in der heutigen Zeit: Fast alles laufe übers Internet – von der Verbreitung von Daten, der Datenbeschaffung, von der Haustechnik bis zur Überwachungskamera. Und das bedeutet für die Experten vom KK 25, dass sie heute Daten von etlichen Terabyte durchforsten müssen. Oft eine zeitintensive Arbeit. Allein im vergangenen Jahr sicherten sie 120 Terabyte an Daten.

Ein Raum voller Technik. Foto: Knut Vahlensieck

Dabei beschränken sie sich nicht allein auf die Verfolgung der Täter im Internet. Auch das Sichern von bei Durchsuchungen sichergestellten Festplatten, das Wiederherstellen von gelöschten Daten oder das Knacken von Passwörtern gehört zu den Aufgaben der Spezialisten, also sich mit allem zu beschäftigen, was „mit der forensischen Datensicherung“ zu tun hat. (Anm.: Die IT-Forensik behandelt die Untersuchung von verdächtigen Vorfällen im Zusammenhang mit IT-Systemen und der Feststellung des Tatbestandes und der Täter durch Erfassung, Analyse und Auswertung digitaler Spuren in Computersystemen.)

„Und das nicht nur in Dortmund, sondern für den gesamten Kriminalhauptstellenbereich, also bis Siegen, Unna oder auch Kamen“, so Krusel.

Telekommunikations-Überwachung

Der dritte große Aufgabenbereich sei die Telekommunikations-Überwachung. „Jede Telefonüberwachung im Hauptstellenbereich wird von hier aus betreut“, sagt der Kommissariatsleiter.

Dass die Experten im KK 25 nicht arbeitslos werden, zeigt ein weiteres Problem. „Die so genannten Clouds, eine Speicherung der Daten auf irgendwelchen Servern in der Welt, wird uns demnächst verstärkt zu schaffen machen“, ist sich Schröter sicher. Denn man wisse nicht, wie sicher die Daten gespeichert werden“. Aber sicher ist: Es gibt bestimmt Täter, die an die Daten herankommen wollen.

Andreas Winkelsträter

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