Auch jahrzehntelanger Knast hat Ganoven nicht gebessert
02.06.2008 | 19:47 Uhr 2008-06-02T19:47:19+0200Ein Treffen zweier Alt-Ganoven. Hans (62) als Angeklagter und Peter (64) als Zeuge vor dem Dortmunder Landgericht.
Nein, gebessert haben Zeit und Alter die beiden Herren nicht. Auch nicht eine jahrzehntelange Knasterfahrung. Sie haben nur die Branche gewechselt. Rauben und klauen ist schon ein bisschen anstrengend, wenn man erst einmal die 60 überschritten hat. Da tut man sich als Rauschgifthändler doch wesentlich leichter. Vor allem, wenn man, wie der 64-jähriger Gastwirt vom Borsigplatz eine Frau als Kurierin ins Feuer schicken kann. Er soll übrigens schon einmal einen Menschen getötet haben, aber das ist eine ganz andere Geschichte.
Sein Freund und Altersgenosse, der Hans, hat schon dreimal hintereinander jeweils acht Jahre Freiheitsstrafe wegen Drogenhandels kassiert und abgesessen. Nun erwartet er vor der 36. Strafkammer den nächsten Schub, denn die Staatsanwaltschaft beschuldigt ihn des teilweise bewaffneten Handels mit rund acht Kilogramm Kokain und elf Kilogramm Heroin.
Und wer wie er, Drogen für rund 750 000 Euro umsetzt, kann sich auch schon 'mal großzügig zeigen und dem Kumpel Peter mit der Kneipe nebenan aus der Patsche helfen, wenn dem der Stoff aus eigener Lieferung ausgegangen ist. Aber darüber schweigt des Sängers Höflichkeit.
Apropos Sänger. Gesungen hat bisher nur einer - genauer gesagt eine. Nämlich die Kurierfahrerin des Gastwirts. Darum kam sie auch mit einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und drei Monaten davon und tourt nun als "Kronzeugin" gegen ihre Auftraggeber durch die Verhandlungen. Ein kluges Mädchen, denn auch vor Gericht zählt: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Ein Geständnis ist nicht mehr viel wert, wenn es nur noch bestätigt, was andere bereits vorher offenbart haben.
Aber noch hat Hans Zeit, auszupacken. Die 36. Strafkammer hat sechs Verhandlungstage vorgesehen. An deren Ende wird dann erst stehen, ob der Hans seinen Lebensabend hinter Gittern verbringen muss oder noch eine kleine Chance hat.
Viel davon hat ihm sein bisheriges Leben allerdings nicht beschert. Er wuchs in Heimen auf und wechselte 1960 in den Jugendknast. Und dann ging es Schlag auf Schlag weiter. Seine Familie hat ihn abgeschrieben.
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