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Auch gewaltbereite Fans sind Fußballfans - ein Kommentar

07.03.2013 | 16:40 Uhr
Auch die meisten derjenigen, die sich in und vor den Stadien prügeln und dort randalieren, sind Fußballfans. Diese Feststellung schließt keineswegs die Rechtfertigung von Gewalttaten ein.

Dortmund/Gelsenkirchen.  Krawalle und Gewalt unter Fußballfans lösen bei vielen Fans, Journalisten und Funktionären denselben Reflex aus: Sie alle verpassen den Tätern Anführungszeichen („sogenannte Fans“) oder sprechen ihnen das Fansein ganz ab. Das ist schlicht falsch: Die meisten Randalierer und Hooligans sind Fußballfans. Irregeleitete Fußballfans. Ein Kommentar.

„Außerdem sind das alles, egal mit welchen Farben, keine ‚Fans’, sondern Chaoten oder Kriminelle.“ Mit Einwänden wie diesem von Nutzer „mr.dudeson“ reagieren viele Fußballfans, -Funktionäre und Politiker, wenn Medien über Fußballfans berichten, die randaliert haben oder aufeinander losgegangen sind. Die Kritiker verpassen den Tätern dann Anführungszeichen, nennen sie „sogenannte Fans“. Noch ein aktuelles Beispiel für diesen Reflex: „Liebe WAZ, hört endlich auf, diese Chaoten ‚Fußballfans’ zu nennen. Das sind auch keine ‚Schalker’ oder ‚BVBler’, das sind Vollpfosten, die weggesperrt gehören. Also bitte, stellt hier nicht willkürlich einen Zusammenhang mit echten Fußballfans her“, schreibt der User „SpongeBob59“ unter unserem ersten Bericht über die Ausschreitungen zwischen Gelsenkirchener Ultras und Dortmunder Fans .

Im Umkehrschluss soll das wohl heißen: Randalierer und Gewalttäter – Stadionbesucher, die gegen Gesetze verstoßen oder sich daneben benehmen – könnten keine Fußballfans sein. Wer den Fußball, wer einen Fußballverein liebt, der wäre nach diesem Grundgedanken zu idiotischem Benehmen oder gar Gewalttaten nicht in der Lage.

Das ist schlicht falsch. Auch die meisten derjenigen, die sich in und vor den Stadien prügeln, sind Fußballfans! Sogar viele der in der Datei „Gewalttäter Sport“ gespeicherten Hooligans, die den Fußball für verabredete Massenschlägereien – meist abseits der Arenen – missbrauchen, sind: Fußballfans. Sie interessieren sich für den Sport, verehren ihren Klub und opfern ihm mehr Zeit und Geld als viele andere Fans.

Video
Dortmund, 07.03.2013: Beim Verlassen des Flughafengebäudes gab es Auseinandersetzungen vermutlich rivalisierende Fangruppierung bei der beidseitig Steine geworfen und Tränengas eingesetzt wurde.

Diese Feststellung schließt keineswegs die Rechtfertigung von Gewalttaten ein. Diese sind durch nichts zu entschuldigen und gehören wie andere Kriminalität verhindert, verfolgt und bestraft. Zweitens darf die Beobachtung, dass – zum Beispiel – auch BVB-, Schalke-, MSV-, Bochum-, Fortuna-, Köln-, Gladbach-, Bayern-, Real- und Arsenal-Fans Randalierer und Gewalttäter sein können, nicht mit der dummen Verallgemeinerung verwechselt werden, vor allem Fußballfans neigten zu Gewalt. Die allermeisten sind friedlich, auch wenn die hysterisch geführte Sicherheitsdebatte hierzulande manchem Politiker Gelegenheit gab, anderes zu suggerieren. Aber das Gegenteil ist der Fall: Nur eine winzige Minderheit irregeleiteter Fußballfans ist schuld daran, dass der Staat Hundertschaften zu Fußballspielen schickt.

Romantisierung und Verleugnung sozialer Realität

Wenn Krawallmachern und Hooligans abgesprochen wird, Anhänger eines Vereins zu sein, kann das verschiedene Gründe haben: Solchen Aussagen liegt oft ein falsches Verständnis des Begriffs „Fan“ zu Grunde (– nach einer dieser Logiken wären Verkehrssünder „sogenannte Autofahrer“). Noch häufiger romantisieren die Sprecher das Fußballfandasein oder aber sie verleugnen gar die Realität in den Fanszenen – verleugnen soziale Realität. „Fan“ leitet sich aus dem englischen „fanatic“ ab. Fußballfans sind fanatisch. Häufig führt dieser Fanatismus zur Schmähung anderer Fans und zu verbalen Ausfällen – auch auf den Haupttribünen und in den VIP-Logen. In seltenen Fällen führt dieses Fansein auch zu Hass und Gewalt – in Deutschland war das in den 80er und 90er Jahren übrigens viel häufiger der Fall als heute. (Staat, Medien und Vereine interessierten sich nur damals noch nicht so sehr für die Massenschlägereien und den Fremdenhass in und vor den Stadien.)

Hooligans
Hooligans – Gewalt suchende Fußballfans der Kategorie C

Hooligans sind Gewalt suchende Fußballfans. Sie gehören oft organisierten Gruppen an. In diesen verabreden sie sich mit Hooligans gegnerischer Fußballclubs zu Schlägereien. Anders als bei den meist jüngeren Ultras steht bei ihnen nicht die Unterstützung des eigenen Teams im Vordergrund.

Nein: Man darf all jenen, die den Fußball missbrauchen, kein falsches Verständnis entgegenbringen. Darum geht es an dieser Stelle auch nicht. Wer jedoch behauptet, diese Fans seien keine Fans, blendet nur die hässliche Seite des Fußballs aus, etwa aus Angst davor oder Wut darüber. Oder aus Hilflosigkeit. Wenn DFL- oder DFB-Funktionäre gewaltbereite und gewaltsuchende Fans als „sogenannte Fans“ ausgrenzen, stehlen sie sich aus der Verantwortung. Einige mögen auch um die Vermarktung des Hochglanzproduktes „Bundesliga“ fürchten. „Da wird für die braven Fußball-Anhänger ein schönes Gefühl erzeugt: Diese bösen Schläger gehören nicht zu uns, zur großen friedlichen Fußball-Familie“, hat Sportreporter Manfred Breuckmann dazu einmal geschrieben.

Fußball wird nie gewaltfrei sein

Die Bundesliga aber wird wie der Fußball und unsere Gesellschaft leider nie gewaltfrei sein. Auch deshalb müssen Fanprojekte mit Sozialarbeitern und die mehrheitlich von friedlichen Ultras geprägten Fanszenen von Vereinen und Politik unterstützt werden. Und ja: Gewalttätige Fußballfans müssen selbstverständlich wie alle anderen Gewalttäter bestraft werden. Viele der mit Stadionverboten bestraften Täter berichten übrigens, wie sehr sie diese Form der Verbannung schmerzt: Ihnen wurde das genommen, was sie lieben. Nur fehlt vielen gewalttätigen Fans leider die Einsicht, dass sie nicht nur anderen Menschen, sondern auch ihrem geliebten Verein schaden.

Philipp Wahl



Kommentare
09.03.2013
10:26
Auch gewaltbereite Fans sind Fußballfans - ein Kommentar
von zeidulin | #31

gewaltbereit Autofahrer, die andere mit Waffen oder mit ihren Autos bedrohen sind Verbrecher, keine Autofahrer. Wenn jemand ein Geschäft überfällt, ist er Verbrecher und kein Kunde. Nazis, die verschiedene Organisationen für ihre Ziele nutzen sind Verbrecher und nicht Teil dieser Organisation. Aber wenn verbrecherische Elemente das Deckmäntelchen Fußball für ihre Ziele nutzen, dann sind es Fußballfans? MITNICHTEN. Es sind Verbrecher und ich habe überhaupt kein Verständnis dafür, dass diese Leute dann mit "drakonischen Strafen" wie Stadionverboten belegt werden. AB IN DEN KNAST. KEINE GNADE FÜR KLATSCHER. Nur diese nachlässige derzeitige Haltung führt doch dazu, dass solche Elemente sich berufen fühlen, Fanbusse anzugreifen, in Ubahnen Unbeteiligten halbtot oder tot zu prügeln, weil die Reaktion nicht 1:1 wieder bei ihnen landet. Wenn ich meinen Nachbar schlage oder ihn bedrohe, lande ich vor Gericht, wenn ich es im Stadion mache, drücken alle die Augen zu. Was für eine Welt. Denkt mal

08.03.2013
14:20
Auch gewaltbereite Fans sind Fußballfans - ein Kommentar
von LePope | #30

Ganz falsch ist das nicht, dass auch Hools Fußballfans sein können, deshalb muss man da nicht so dämlich polemisieren, Kollegen. Aber: Wenn ein Mann sagt, dass er seine Frau liebt und sie dann regelmäßig verprügelt, ist das auch keine Entschuldigung. Ein gewalttätiger Ehemann gehört auch aus der eigenen Wohnung rausgeschmissen. Zu Recht! Dasselbe gilt für Gewalttäter: Wenn es euch wichtiger als der Fußball selbst ist, euch im Stadion oder davor zu prügeln, dann habt ihr dort einfach nichts mehr verloren. Dann liebt eben aus der Distanz. Und fettich!

08.03.2013
10:19
Auch gewaltbereite Fans sind Fußballfans - ein Kommentar
von spiridon | #29

In der Schule würde unter diesem Aufsatz ("sogenannter Kommentar") stehen: Thema verfehlt, sechs. Natürlich sind Hooligans und Randalierer Fans ihres Vereins. Mit der Bezeichnung "sogenannte Fans" distanzieren sich Vereine, Verbände und Normalfans allesrdings eindeutig von diesen, versuchen sie auszugrenzen und ihnen die Fan- Berechtigung abzusprechen. Und nur darum geht es, dass man diesen Idioten klarmacht, dass man sie im Umfeld des Vereines nicht will.

BTW: Es soll auch "sogenannte Journalisten" geben.

08.03.2013
09:50
Auch gewaltbereite Fans sind Fußballfans - ein Kommentar
von DerKewle | #28

So siehts aus. Guter Kommentar.

08.03.2013
07:11
Auch gewaltbereite Fans sind Fußballfans - ein Kommentar
von meritus | #27

OK, die "Fans" wollen sich prügeln? Es gibt doch irgendwo eine abgesperrte Industriebrache oder ein altes Stadion in dem sich die "Fans" begegnen können. Vor dem Zurtritt zu dieser "Begnugsstätte" werden die "Fans" auf Waffen und Gegenständen durchsucht. Des Weiteren sind Schuhe verboten. In dieser "Begnugsstätte" können sich die "Fans" dann nach Herzenslust austoben.
Ich denke, mit dieser Methode wäre innerhalb eines Jahres die Bereitschaft sich zu prügeln erledigt.
Anfallende Kosten zur Wiederherstellung der Gesundheit, oder Folgeschäden, gehen natürlich auf das eigene Konto.

08.03.2013
01:13
Auch gewaltbereite Fans sind Fußballfans - ein Kommentar
von Hanky | #26

Ist dem Autor eigentlich mal in den Sinn gekommen, dass sich die friedlichen Fans und Fußballfreunde durch die Verwendung von Anführungszeichen ganz klar von den Gewalttätern distanzieren, indem sie ihnen hiermit sagen "Ihr gehört nicht zu uns"? Eine andere Möglichkeit, die Abneigung gegen Idioten zum Ausdruck zu bringen, hat der normale Stadionbesucher auch nicht. Muss er auch nicht haben, denn 99% der Stadionbesucher wollen einfach nur Fußball sehen. Mal abgesehen von der Tatsache, dass diese 99% auch überhaupt nicht mit der vermeintlichen Gewalt im Stadion konfrontiert werden. Das Bild, das in den Medien dank Kommentaren wie diesen kreiert wird, ist schlicht und einfach falsch. Ich selbst bin seit rund 20 Jahren Dauerkartenbesitzer in Dortmund und fühle mich im Stadion absolut sicher. Vielleicht sollten sich die Medien einfach mal zurücknehmen und den Idioten dadurch ihre Bühne nehmen. Diese brüsten sich nämlich auf ihren Websiten mit den Headlines wie der obigen.

08.03.2013
00:10
Auch gewaltbereite Fans sind Fußballfans - ein Kommentar
von DerPrivilegierte | #25

Auch die gelbe Erbse gehört zur Familie der Hülsenfrüchte, oder hat da vielleicht Kim Jong Un zu laut gefurzt.

07.03.2013
23:48
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #24

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

07.03.2013
22:19
Fussball gehört zum gesellschaftlichen Leben mit allen seinen Facetten.
von RiN77 | #23

Das bedeutet, dass auch hier am Rande vereinzelt Emotionen aufkommen können, die sich ggf. unter Einfluss von Gruppendynamik oder Alkohol auch mal in Frust verwandeln und durch den Austausch von Beleidigungen oder einer kleinen ( ! ) Auseinandersetzung Luft machen.

Was aber wirklich nicht geht, und da liegt Herr Wahl falsch, ist die Tatsache, dass viele dieser NICHT-Fans den Fussball nur als Deckmäntelchen sehen, um sich, in einer gewissen Art und Weise durch Vereinsoutfit uniformiert, mit anderen gezielt zu schlagen oder andere Straftaten zu begehen!
Was hat das bitte mit Fußball zu tun?

Das sind keine Fussballfans, sondern erlebnisorientierte Personen, die ihr tristes Alltagsleben einmal hinter sich lassen wollen und aus der vermeintlichen Anonymität der Masse heraus Straftaten begehen, um ihr eigenes Selbstbewußtsein zu steigern.

Hätte diese Masse den Fussball nicht als Bühne, wäre es etwas Anderes!

Der Artikel ist eine ziemliche Frechheit für die wirklichen, friedlichen Fans!!!

07.03.2013
21:23
Auch gewaltbereite Fans sind Fußballfans - ein Kommentar
von fitzcarraldo | #22

Selten so einen Mumpitz wie diesen Kommentar gelesen...

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