Auch erhöhte PCB-Werte bei Envio-Nachbarn
06.07.2010 | 14:01 Uhr 2010-07-06T14:01:00+0200
Dortmund.Kaum eine gute Nachricht im Dortmunder Giftskandal, der nicht eine schlechte folgt. Oder zumindest eine Einschränkung. „Längst nicht so hoch wie bei den Envio-Mitarbeitern“ seien die PCB-Blutwerte bei Beschäftigten der Anliegerfirmen, atmete Gesundheitsamtsleiterin Dr. Annette Düsterhaus gestern kurz durch. Um sogleich nüchtern festzustellen: „Eine Entwarnung ist aber noch nicht in Sicht.“
Die Aussicht, dass unter den ersten 105 Blutbefunden von fast 350 untersuchten Mitarbeitern der Envio-Nachbarfirmen offenbar nur wenige die PCB-Richtwerte sprengen – schon dieser Umstand reichte gestern für eine kleine Entspannung im großen PCB-Skandal. Vor zwei Wochen hätten bei der gleichen Durchsage noch die Alarmglocken geläutet. Doch nach den fatalen Blutwerten der verseuchten Envio-Mitarbeiter ist nichts mehr wie vor zwei Wochen. Eine Annahme aber gilt noch: die Radien-Theorie. Sie besagt, dass die Belastungen für Menschen mit der Entfernung zur Giftquelle Envio abnehmen. Wo die Giftgrenze verläuft, wo die Null-Linie beginnt und ob sie ein paar Meter weiter noch verlässlich ist – darüber sagt derzeit kein Offizieller etwas. Weil es schlicht niemand weiß.
Nicht aufatmen
„Das ist noch kein Grund, wirklich erleichtert aufzuatmen“, kommentiert Düsterhaus die Rohdaten. Die Fachbewertung folgt heute – im Kreise ausgewiesener Experten. Dazu zählt nicht nur Prof. Dr. Michael Wilhelm, Leiter der Kommission Bio-Monitoring beim Umweltbundesamt, sondern auch der eigens hinzugezogene Prof. Dr. Thomas Kraus, Leiter des Instituts für Arbeits- und Sozialmedizin am Universitätsklinikum Aachen. Düsterhaus geht mit dieser Vorstellung in die Expertenrunde: „Wir schlagen unverändert vor, gezielt dort weiter zu untersuchen, wo wir nach Analyse der Blutuntersuchungen besondere Risiken sehen.“
Mit Blick auf weitere potenzielle Gefährdungskreise – Kleingärten, Fredenbaum und hafennahe Wohnviertel – geht die Amtsleiterin „weiter davon aus, dass die Anwohner in der Nordstadt keine über das normale statistische Maß hinausgehende gesundheitliche Belastung durch PCB haben“.
Die Mitarbeiter jener Envio-Nachbarfirmen, deren Blutergebnisse vorliegen, erhalten ihre Befunde „voraussichtlich am Freitag“, so Düsterhaus – im Rahmen einer Teilbetriebsversammlung, an die sich sogleich erste Beratungen der für die Betroffenen anschließen sollen. Im Anschluss daran soll die Öffentlichkeit informiert werden.
08:11
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20:49
Liebe WR, bitte weist doch daraufhin, wenn ein Artikel unter dem gleichen Namen und Link editiert erscheint.
20:33
Hier noch die ursprüngliche Überschrift des Artikels:
Blutwerte
Mitarbeiter der Envio-Nachbarn kaum PCB-belastet
20:29
@ #11
Der Artikel ist jetzt komplett anders als die erste Version mit dem Titel Mitarbeiter der Envio-Nachbarn kaum PCB-belastet. Auch die RuhrNachrichten haben den Trend von kaum zu weniger stark belastet mitgemacht. Ebenso der WDR.
Vielleicht ein Zeichen dafür, dass die Medien mittlerweile gründlicher über die Statements der Parteien nachdenken.
20:24
Richtig. Der Artikel wurde verändert. Gegen 15:30 Uhr stand folgender Text an dieser Stelle:
Dortmund. Nach dem Giftskandal rund um die Entsorgerfirma Envio veröffentlichte die Stadt Dortmund weitere PCB-Blutanalysen: Mitarbeiter von Nachbarfirmen sind nur in wenigen Fällen und deutlich niedriger als Envio-Angestellte belastet.
Dem Gesundheitsamt der Stadt Dortmund liegen inzwischen die Rohdaten zu den Blutuntersuchungen von 105 Mitarbeitern vor, die bei Firmen auf dem Envio-Gelände beschäftigt sind. Ein erster Überblick zeigt bei wenigen Personen erhöhte PCB-Werte im Blut, die allerdings deutlich unter der Belastung der Mitarbeiter der Firma Envio liegen. „Bei den allermeisten Mitarbeitern wurden erfreulicherweise Werte im Bereich der durchschnittlichen Belastung der Bevölkerung festgestellt“, heißt es in einer Mitteilung der Stadt.
Aber: „Das ist noch kein Grund, wirklich erleichtert aufzuatmen, es belegt aber doch unsere These, dass die Belastungen mit der Entfernung zur Belastungsquelle abnehmen. Deshalb schlagen wir unverändert vor, gezielt dort weiter zu untersuchen, wo wir nach Analyse der Blutuntersuchungen besondere Risiken sehen,“ skizziert Dr. Annette Düsterhaus, Leiterin des Dortmunder Gesundheitsamtes, ihre erste Bewertung der Ergebnisse. Sie geht angesichts der neuen Befunde weiter davon aus, dass die Anwohner in der Nordstadt keine über das normale statistische Maß hinausgehende gesundheitliche Belastung durch PCB haben werden.
Weitere Ergebnisse schon am 7. und 9. Juli
Wenn der Stadt Dortmund auch die Einzelergebnisse zu den 105 Mitarbeitern vorliegen, wird eine Expertengruppe aus Medizinern der beteiligten Behörden eine gesundheitliche Bewertung vornehmen und das weitere Verfahren erörtern. Dieses Gespräch wird vermutlich bereits am Mittwoch, 7. Juli, stattfinden. Die Mitarbeiter erhalten ihre Ergebnisse verbunden mit einer ersten Beratung dann voraussichtlich am Freitag, 9. Juli, im Rahmen einer Teilbetriebsversammlung. Im Anschluss daran wird die Öffentlichkeit informiert.
19:56
Der Artikel wurde verändert?
19:52
Zu #7:
Das kommt noch dazu: daß davon ausgegangen werden muß, daß in keinster Weise bekannt ist, ob und wo verseuchtes Material sich befindet oder wie lange befunden hat, welchen Weg es genommen hat, usw..
Es läßt sich also zusammenfassen, daß die Radien-Theorie entweder ein weiterer schlechter Witz oder aber eine Überflüssigkeit ist, die eigentlich hier nicht so sorglos zitiert werden sollte.
19:37
... es belegt aber doch unsere These, dass die Belastungen mit der Entfernung zur Belastungsquelle abnehmen. Dr.D.
Hut ab, das ist nun wirklich eine bemerkenswerte These!
Es dürfte kaum ein Szenario vorstellbar sein, bei dem Belastungen mit der Entfernung zunehmen (es sei denn, jemand hat einen hohen Schornstein, dann liegt das erste Verschmutzungsmaximum natürlich nicht an der Basis des Kamins).
In jedem beliebigen abstrakten Emissionsmodell gibt es eine (punktförmige) Quelle (Verursacher) und eine (flächen- oder volumenartige) Senke (Umgebung), die i.d.R. radialsymmetrisch abfallend von der Quelle beeinflußt wird, reziprok zum Radius; die Senke heißt allein aus diesem, verm. seit der Antike bekannten Umstand, Senke und nicht Quelle.
Liebe (mit Doktor-Titeln geschmückte) Experten, das habt Ihr fein herausgefunden.
?! Soll das jetzt etwa heißen: Wir haben offenbar richtig gehandelt? Das Warten hat sich gelohnt?
Und: wird die einzusetzende Expertengruppe ähnlich brillieren?
17:27
pcb oh jemine
17:07
deutlich niedriger als Envio-Angestellte belastet kann bei den bislang gefundenen extremen Werten genauso gut heißen: deutlich höher als die tolerierbare Belastung durch Nahrungsaufnahme, die die Grundlage für die Referenzwerte der Weltgesundheitsorganisation bildet.
Die Verbreitungs-These des Gesundheitsamtes ist, sagen wir mal, etwas mutig, denn schließlich ist mittlerweile ja auch bekannt, dass sowohl kontaminierter Staub als auch belasteter Schrott bei den benachbarten Envio-Kunden RRD, Hittmeyer und Ahle gefunden wurden.