Auch Dortmunder Kliniken setzen Sicherheitsdienste ein

Das Klinikum Dortmund.
Das Klinikum Dortmund.
Foto: Dieter Menne
Was wir bereits wissen
Auch in Dortmund setzen Krankenhäuser Sicherheitspersonal ein. Manche setzten schon seit Jahren auf die Zusammenarbeit mit Security-Firmen.

Dortmund.. Nach Attacken auf das Klinikpersonal werden die Mitarbeiter der Notfallaufnahme im Klinikum Lünen bald durch einen Sicherheitsdienst geschützt. Auch in Dortmund setzen Krankenhäuser bereits Sicherheitspersonal ein. Viele Krankenhäuser sind schon seit vielen Jahren mit externen Sicherheitsunternehmen verbunden, können über eine Notruftaste Hilfe anfordern. Kam diese Hilfe früher noch von den Standorten der Sicherheitsfirmen, so sind sie heute oft im Krankenhaus stationiert.

Zum Beispiel im St. Johannes-Hospital in der Dortmunder Innenstadt. Zwischen 20.30 Uhr und 6.30 Uhr gibt es dort einen Sicherheitsdienst-Mitarbeiter, der zwar für das gesamte Gelände zuständig ist, aber speziell in der Notfallaufnahme Präsenz zeigen soll und auch jederzeit gerufen werden kann. Seit einem Jahr ist der Mann dort, seitdem gab es keine körperliche Attacken. 2013 gab es drei.

Drei Attacken in einem Jahr

Durch die Zentrale Notfallambulanz des Johannes-Hospitals gehen pro Jahr rund 25.000 Menschen. Numerisch gesehen sind drei Attacken nicht wirklich viel - aber wir reden hier von Attacken auf medizinisches Personal, auf Menschen also, die von Berufs wegen helfen sollen und wollen. Grundsätzlich ist jede Attacke eine zu viel. Und außerdem beginnt Gewalt nicht erst mit einer körperlichen Attacke. Laut dem Johannes-Hospital hätten Bedrohungsszenarien insgesamt zugenommen, zotige Witze und anzügliche Bemerkungen etwa seien an der Tagesordnung.

Notaufnahme Warum sich die Situation so zuspitzt, ist unklar, es gibt mehrere Erklärungsansätze. Ihnen allen gemein sind die gestiegenen Fallzahlen in der Notfallaufnahme. Lothar Kratz zum Beispiel, Sprecher der Krankenhausgesellschaft NRW, sieht gerade in ländlichen Gebieten einen Zusammenhang zwischen einer Mehrbelastung in den Notfallaufnahmen und einem "erheblichen Mangel an Fachärzten". Dann würden die Patienten eben eher in die Notfallaufnahmen kommen.

Gestiegener Druck auf dem Arbeitsmarkt

Einerseits ist da ein gestiegener Druck auf dem Arbeitsmarkt, Menschen versuchen, nicht während der Arbeitszeit zum Arzt zu gehen, sondern in der Freizeit. Also abends oder an Wochenenden. Da haben die meisten Hausärzte allerdings auch Freizeit. Ein weiterer Faktor für eine Patientenzunahme ist der demographische Wandel. Die Gesellschaft wird älter, daher nehmen auch die Patienten mit mehreren Erkrankungen zu, denen im Notfall eben nur eine Notfallaufnahme helfen kann.

Oft kommen auch Menschen in die Notfallaufnahmen, ohne tatsächlich ein Notfall zu sein. Erfahrene Kliniker schätzen diesen Anteil auf rund ein Drittel der Patienten. Hierfür sind Bequemlichkeit, schlichtes Unwissen oder auch eine Vollkasko-Mentalität als Gründe zu nennen. In einem Vortrag der Deutschen Gesellschaft für Interdisziplinäre Notfall- und Akutmedizin wird die Zahl der bundesweiten Notfälle 2014 auf 22,8 Mio. Fälle/Patienten angegeben. Umgerechnet auf NRW ergäbe das eine Zahl zwischen 5,1 und 5,7 Millionen. Grundsätzlich steigen die Zahlen der Behandlungen in den Notfallaufnahmen um sechs Prozent - pro Jahr.

Notaufnahme Sicherlich besteht ein Zusammenhang zwischen den potenziell längeren Wartezeiten und einer Zunahme an Stress. Wenn zum Beispiel ein potenziell nicht wirklicher Notfall mit besorgten Angehörigen in eine Notfallaufnahme kommt und das routinierte Personal tatsächliche Notfälle vorzieht, dann machen sich die Angehörigen Sorgen und irgendwann Druck. Das ist die wohlmeinende Variante. Die weniger wohlmeinende und gesellschaftskritische besagt, dass das Anspruchsdenken gestiegen, die Hemmschwelle gegenüber Autoritäten aber gesunken ist. Eine ungute Mischung, deren Folgen in den Notfallaufnahmen ankommen.

Körperliche Attacken kommen immer wieder vor

Große Notfallaufnahmen gibt es noch im Klinikum Mitte und im Klinikum Nord, hier werden pro Jahr jeweils rund 36.000 Patienten behandelt. Körperliche Attacken kämen "immer mal wieder vor", so Sprecher Jörg Raschke. Für ihn liegt das aber auch am Alkohol- oder Drogeneinfluss von Patienten. In beiden Häusern gebe es einen Sicherheitsdienst, der in die Notfallaufnahmen gerufen werden kann. Verändern wolle man dieses System nicht, so Raschke.

Sowohl das Jo-Ho als auch das Klinikum bieten ihrem Personal Schulungen zu den Themen Deeskalation und Gewaltprävention an. Über einen "Panikraum", in den sich das Personal zurückziehen kann und wie er in Lünen geplant wird, denken die beiden Häuser in Dortmund aktuell nicht nach.