Bauunternehmen in Gefahr
Auch Dachdeckern droht der Absturz
19.02.2010 | 18:37 Uhr 2010-02-19T18:37:00+0100
Dortmund. „Wir haben die ersten Betriebe, bei denen eine Insolvenz im Raum steht”, ist Herman Schulte-Hiltrop, Hauptgeschäftsführer der Bauverbände Westfalen, alarmiert.
Der harte Winter sprenge die dünne Eigenkapitaldecke vieler Mittelständler weg. In Krisengesprächen mit Banken versucht der Verband flankierende Hilfen zu leisten.
Zwei Monate Stillstand auf den Baustellen, das übersteige die Finanzkraft vieler, so Schulte-Hiltrop. Jürgen Czech, Regionalleiter Westfalen der Gewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (BAU), stimmt dem zu: „Das wird ganz eng für einige Betriebe.” Dachdecker können wegen der Tiefsttemperaturen und der Absturzgefahr durch Schnee und Eis nicht auf ihrem häufigsten Arbeitsplatz unter freiem Himmel stehen. Jetzt droht einigen auch der finanzielle Absturz. Ähnlich dramatisch ist die Lage für viele Tiefbauer. Wenn Frost im Boden ist, läuft nichts mehr. Die vielen Straßenschäden zu beheben, macht erst Sinn, wenn keine Frostgefahr mehr besteht.
Es geht vor allem um rund 70 kleine Baubetriebe in Dortmund, die mit maximal 20 bis 30 Mitarbeitern arbeiten. Schulte-Hiltrop: „Mit drei Wochen Frost kommen die Betriebe klar, das haben sie in der Regel einkalkuliert. Aber der jetzige Winter sprengt den Rahmen.” Die dreijährige Besserung der Baukonjunktur von 2006 bis 2008 - nach einer langen Durststrecke und vielen Insolvenzen von 1995 bis 2005 - habe nicht gereicht, um eine ausreichende Eigenkapitalbasis für eine Situation zu schaffen, wie sie jetzt bestehe.
Weiteres Problem: Wenn es im März wieder losgeht, dann wird vielleicht Ende März die Rechnung geschrieben. Falls es optimal läuft, ist das Geld dann zwei Wochen später auf dem Konto. Doch nicht alle Auftraggeber zahlen sofort. Die Firmen müssen vorstrecken. Sie müssen Kredite für die Zwischenfinanzierung nutzen, denn ihre Mitarbeiter erwarten pünktlich ihren Lohn.
„Die Banken sind vorsichtig geworden”, so Schulte-Hiltrop. Sie seien zu zurückhaltend, denn die Auftragslage sei eigentlich nicht schlecht”, unter anderem wegen der Konjunkturpakete. Aber schon jetzt stehe fest: 2010 werden die 10 500 Unternehmen des NRW-Bauhauptgewerbes mit 117 000 Beschäftigten weniger als die 13 Mrd. Euro Umsatz 2009 machen: „Das ist sicher. Die zwei Monate Frost sind nicht aufzuholen.”
Zum Glück, so der Hauptgeschäftsführer der Bauverbände, gebe es in Dortmund aktuell eine besonders gute Baukonjunktur. Stefan Rundholz, der in dritter Generation die Bauunternehmung Rundholz (120 Mitarbeiter) leitet: „Wir haben noch keinen einzigen Tag Kurzarbeit gemacht. Zwar stehen seit dem 15. Dezember 16 Kräne auf unseren Baustellen still,” aber noch gebe es genug zu tun für das auf „Innenausbau im laufenden Betrieb” spezialisierte Unternehmen.
Seit Mittwoch dieser Woche wird auf der größten Dortmunder Baustelle, die auch die größte Privatinvestition in Europa derzeit darstellt (300 Mio Euro) wieder betoniert. Thomas Dietzsch, Projektleiter der ECE-Baustelle auf dem Thier-Gelände: „Richtig still stand der Bau gar nicht. Aber bei einigen Betonarbeiten sind wir vier Wochen hinterm Plan.” Doch ECE sei im Zeitplan, da der Baustellenfortschritt vor Weihnachten 2009 sehr zügig voran kam. Und die Rechnungen der Bauunternehmen, so Dietzsch, die zahle ECE - mit Skonto - umgehend.
01:19
Ab zur BA / ARGE und Kurzarbeitergeld beantragen.
Übrigens - im Bau-Nebengewerbe hat doch die IG BAU auch für diese Fälle ihren gewerkschaftlichen Schutzschirm in den Tarifverträgen eingebaut.
Funktioniert das nicht mehr oder will das keiner in Anspruch nehmen?
22:54
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14:39
Richtig schlimm dran sind übrigens Handwerksbetriebe die für die Stadtverwaltung arbeiten. Nach meinem Kenntnisstand müssen die ausführenden Firmen von vornherein 60 Tage Zahlungsziel gewähren und man hört, dass in Dortmund dieses Ziel sehr häufig noch überschritten wird...