Asylbewerber dürfen zur Alters-Feststellung geröntgt werden

Zur Bestimmung des Alters bei Asylbewerbern kann unter bestimmten Voraussetzungen auch eine Röntgenuntersuchung zulässig sein. Das hat das Oberlandesgericht Hamm entschieden und damit einen Beschluss des Dortmunder Amtsgerichts bestätigt. Wir erklären die Hintergründe.

Dortmund.. Eine junge Frau aus Guinea hatte sich vor zwei Jahren mit einer Untersuchung zur Bestimmung ihres wahren Alters einverstanden erklärt. Gegen die dazu durchgeführten Röntgenaufnahmen hatte sie nicht widersprochen. Erst im Nachhinein, als der Gutachter nämlich zu einem für sie ungünstigen Ergebnis gekommen war, hatte sie Beschwerde eingelegt.

Nicht mehr anfechten

Ihr Argument: Röntgenuntersuchungen dürften laut Gesetz lediglich zur Heilkunde oder zur medizinischen Forschung durchgeführt werden. Die Bestimmung des Alters als Untersuchungsgrund sehe das Gesetz dagegen nicht vor. Die Richter überzeugte sie damit jedoch nicht. Sowohl das Amts- als auch jetzt das Oberlandesgericht stellten fest: Wer in eine Untersuchung einwillige und gegen beabsichtigte Röntgenaufnahmen nicht sofort widerspreche, könne das Gutachten nachträglich nicht mehr anfechten.

Zum Hintergrund: Die junge Frau war im Februar 2012 nach Dortmund gekommen. Weil sie gegenüber dem Jugendamt angab, erst 14 Jahre alt zu sein, ordnete das Amtsgericht die Vormundschaft an und bestellte das Jugendamt zum Vormund. Wenige Monate später stellte sich jedoch heraus, dass die Frau bei ihrem Alter offensichtlich gelogen hatte. Vor ihrer Einreise nach Deutschland hatte sie nämlich bereits in Belgien einen Pass vorgelegt.

Vormundschaft aufgehoben

Danach war sie nicht im Jahr 1997, sondern bereits 1989 in Guinea zur Welt gekommen und inzwischen sogar schon verheiratet. Um das wahre Alter zu bestimmen, wurde deshalb das besagte Gutachten in Auftrag gegeben. Ergebnis: Die Asylbewerberin war zum Zeitpunkt ihrer Ankunft in Dortmund jedenfalls nicht mehr minderjährig, weshalb die Vormundschaft aufgehoben wurde.