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Arme Kinder haben's schwer

11.08.2009 | 17:10 Uhr
Arme Kinder haben's schwer

Soziale Herkunft, ein Migrationshintergrund und Übergewicht der Eltern fördern die Dickleibigkeit von Kindern.

Zu diesen Erkenntnissen kommt eine Langzeitstudie der TU Dortmund, des Gesundheitsamtes und der BKK Hoesch. Erstmals ergab eine Studie die Gewissheit, dass kein Kind dick zur Welt kommt, sondern das Verhängnis nach dem ersten Lebensjahr durch falsche Essgewohnheiten und zu wenig Bewegung seinen Lauf nimmt.

Fast Food und Cola statt Obst und Gemüse: Die Folgen „moderner Ernährungsweisen“ sind bereits bei Kindern deutlich zu sehen – mehr und mehr von ihnen leiden unter Übergewicht und Adipositas.

»Fitte Eltern haben fitte Kinder, dicke Eltern haben dicke Kinder«

Doch wo liegen die Ursachen? Wie hängen Sie beispielsweise mit dem sozialen Status und dem Körpergewicht der Eltern zusammen? Der Entwicklung von Übergewicht auf der Spur hat der Gesundheitswissenschaftler Prof. Dr. Günter Eissing Kinder im Alter von drei Jahren unter die Lupe genommen. Genauer gesagt, hat er sie vermessen.

Bereits nach den ersten drei Lebensjahren sind 25 Prozent der Jungen und 12 Prozent der Mädchen übergewichtig bzw. adipös. In drei Jahren werden die Testpersonen im Rahmen der Schuleignungsuntersuchung noch einmal begutachtet. Eine Beobachtung des Body-Mass-Index von Testpersonen über einen Zeitraum von sechs Jahren ist bisher einmalig.

Bereits die ersten Ergebnisse zeigen: Je älter die Kinder, desto dicker. Der BMI bei der Geburt ist mit den Werten vor 15 Jahren vergleichbar. Prof. Dr. Günter Eissing kann für die Altersspanne vom ersten zum dritten Lebensjahr eine deutliche Zunahme der Kinder mit Übergewicht feststellen.

Die Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt Dortmund, der BKK Hoesch und vor allem dem Fachbereich Statistik der Stadt Dortmund ermöglichte Prof. Eissing die genaue Abbildung der sozialräumlichen Verteilung in der Stichprobe der Kinder.

Prof. Eissing: „In benachteiligten Verhältnissen ist der Body-Mass-Index um einen ganzen Punkt schlechter.” Ein ganzer Punkt Malus auch bei dicken Eltern als Vorbild. Dr. Hildegard Kratz vom Gesundheitsamt: „Fitte Eltern haben fitte Kinder, dicke Eltern haben dicke Kinder.” Ihre Erkenntnis aus der aktuellen Studie: „Wir müssen also schon vor dem Kindergartenalter anfangen, um etwas zu erreichen.”

Einen Hoffnungsschimmer gibt es allerdings: Die aktuellen Dreijährigen sind nicht mehr ganz so schwer wie die aus dem Vorjahr. Sollten die ganzen Anstrengungen - auch der Krankenkassen - dazu beitragen, dass ein Umdenken stattfindet? Dass sich das Übergewicht innerhalb eines Jahres verringert hat, ist für Dr. Hildegard Kratz, Gesundheitsamt Dortmund und Gesamtprojektleiterin von „Dortmunder Kinder. Besser essen. Mehr bewegen” ein Erfolg.

Dennoch sind die Zahlen aber nach wie vor viel zu hoch und Präventionsprogramme sind weiterhin notwendig. Uwe Gehrig, Vorstand der BKK Hoesch, sieht durchaus gute Möglichkeiten, mit gezielten Präventionsprogrammen und einer Verbesserung der Vorsorge die Zunahme von Übergewicht weiter einzuschränken.

Gerald Nill

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Kommentare
12.08.2009
12:10
Arme Kinder habens schwer
von liberté toujours | #1

Was ist denn jetzt die Grundaussage dieses Beitrags? Ich meine da zwischen den Zeilen den verborgenen Vorwurf herauszulesen, dass wieder die Gesellschaft an allem schuld ist. Ist sie aber nicht, sondern vielmehr die Eltern:

Jeder, der am Wochenende durch den Westfalenpark oder die Innenstadt spaziert, kann ohne weiteres wahrnehmen, dass sich in einer bestimmten Gesellschaftsschicht auffallend häufig eine bestimmte körperliche Ausformung bei den Erwachsenen ausprägt:

Neben fast ausgezehrt wirkenden Männern laufen (besser: watscheln) dickleibige Matronen, die offenbar den lieben langen Tag nichts anderes machen, als sich den Frust auf die Hüften zu mampfen.

Es ist doch wahrlich kein Wunder, dass sich ein solches Ernährungsprogramm negativ auf die Kinder auswirkt. Dafür braucht man keine wissenschaftliche studie, sondern nur Augen im Kopf und etwas gesunden Menschenverstand.

Den Aussagen der Wissenschaftler und des Gesundheitsamtes ist daher insoweit zu widersprechen, dass nicht - nur - vor dem Kindergartenalter die wesentliche Aufklärungsarbeit zu leisten ist, sondern bei den Erwachsenen bzw. selbst. Die Kinder müssen einem nicht leid tun, dass sie in unserer gesellschaft aufwachsen (die sich ja offensichtlich Gedanken um sie macht), sondern dass sie solche Eltern haben (damit meine ich nicht die Einkommensverhältnisse, sondern die Ernährungsangewohnheiten).

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