Das aktuelle Wetter Dortmund 2°C
TU-Studie: Jeder vierte Dreijährige übergewichtig

Arme Kinder haben es schwer

11.08.2009 | 18:28 Uhr
Arme Kinder haben es schwer

Soziale Herkunft, ein Migrationshintergrund und Übergewicht der Eltern fördern die Dickleibigkeit von Kindern.

Zu diesen Erkenntnissen kommt eine Langzeitstudie der TU Dortmund, des Gesundheitsamtes und der BKK Hoesch. Erstmals ergab eine Studie die Gewissheit, dass kein Kind dick zur Welt kommt, sondern das Verhängnis nach dem ersten Lebensjahr durch falsche Essgewohnheiten und zu wenig Bewegung seinen Lauf nimmt.

Fast Food und Cola statt Obst und Gemüse: Die Folgen „moderner Ernährungsweisen“ sind bereits bei Kindern deutlich zu sehen – mehr und mehr von ihnen leiden unter Übergewicht und Adipositas.

»Fitte Eltern haben fitte Kinder, dicke Eltern haben dicke Kinder«

Doch wo liegen die Ursachen? Wie hängen Sie beispielsweise mit dem sozialen Status und dem Körpergewicht der Eltern zusammen? Der Entwicklung von Übergewicht auf der Spur hat der Gesundheitswissenschaftler Prof. Dr. Günter Eissing Kinder im Alter von drei Jahren unter die Lupe genommen.

Bereits nach den ersten drei Lebensjahren sind 25 Prozent der Jungen und 12 Prozent der Mädchen übergewichtig bzw. adipös. In drei Jahren werden die Testpersonen im Rahmen der Schuleignungsuntersuchung noch einmal begutachtet. Eine Beobachtung des Body-Mass-Index von Testpersonen über einen Zeitraum von sechs Jahren ist bisher einmalig.

Bereits die ersten Ergebnisse zeigen: Je älter die Kinder, desto dicker. Der BMI bei der Geburt ist mit den Werten vor 15 Jahren vergleichbar. Prof. Dr. Günter Eissing kann für die Altersspanne vom ersten zum dritten Lebensjahr eine deutliche Zunahme der Kinder mit Übergewicht feststellen.

Die Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt Dortmund, der BKK Hoesch und vor allem dem Fachbereich Statistik der Stadt Dortmund ermöglichte Prof. Eissing die genaue Abbildung der sozialräumlichen Verteilung in der Stichprobe der Kinder.

Prof. Eissing: „In benachteiligten Verhältnissen ist der Body-Mass-Index um einen ganzen Punkt schlechter.” Ein ganzer Punkt Malus auch bei dicken Eltern als Vorbild. Dr. Hildegard Kratz vom Gesundheitsamt: „Fitte Eltern haben fitte Kinder, dicke Eltern haben dicke Kinder.” Ihre Erkenntnis aus der aktuellen Studie: „Wir müssen also schon vor dem Kindergartenalter anfangen, um etwas zu erreichen.”

Einen Hoffnungsschimmer gibt es allerdings: Die aktuellen Dreijährigen sind nicht mehr ganz so schwer wie die aus dem Vorjahr. Sollten die ganzen Anstrengungen - auch der Krankenkassen - dazu beitragen, dass ein Umdenken stattfindet? Dass sich das Übergewicht innerhalb eines Jahres verringert hat, ist für Dr. Hildegard Kratz, Gesundheitsamt Dortmund und Gesamtprojektleiterin von „Dortmunder Kinder. Besser essen. Mehr bewegen” ein Erfolg.

Dennoch sind die Zahlen aber viel zu hoch und Präventionsprogramme sind weiterhin notwendig. Uwe Gehrig, Vorstand der BKK Hoesch, sieht gute Möglichkeiten, mit verbesserter Vorsorge die Zunahme von Übergewicht weiter einzuschränken.

Kommentar

Gerald Nill



Kommentare
12.08.2009
13:07
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #1

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

Aus dem Ressort
Gefährlicher Tabak - Großrazzia in Dortmunder Shisha-Bars
Kontrolle
Sieben Shisha-Bars in der Nordstadt und Eving haben Zoll, Ordnungsamt, Feuerwehr und Polizei am Montag unter die Lupe genommen. In jedem überprüften Lokal, in dem Besucher Wasserpfeifen-Tabak rauchen können, wurden die Kontrolleure fündig. Einige Bars waren gefährlich für die Gesundheit der Gäste.
Neonazis wegen "Stadtschutz"-Aktion in Dortmund angeklagt
Friedhofs-Patrouillen
Sie spielten sich als "Stadtschutz" auf, patrouillierten auf Friedhöfen zur angeblichen Abschreckung von Räubern - jetzt müssen sich sechs Neonazis selbst vor Gericht verantworten. Sie könnten bis zu zwei Jahre ins Gefängnis kommen. Der Grund sind ihre auffälligen T-Shirts.
Toter Säugling aus Dortmund ist beigesetzt
Totschlag
Es war eine Trauerfeier im engsten Familienkreis: Knapp vier Wochen, nachdem in Kirchlinde die Leiche eines Neugeborenen im Keller eines Mehrfamilienhauses gefunden worden war, ist der Säugling am Dienstag auf dem Hauptfriedhof in Dortmund beigesetzt worden.
Rechter Polizist in Dortmund wird vom Dienst suspendiert
Rechtsextreme
Die Polizei Dortmund geht gegen einen ihrer eigenen Beamten vor: Der 34 Jahre alte Dortmunder soll einer rechten Gruppe angehören, die das Grundgesetz und die Bundesrepublik an sich in Frage stellt und die in der Nähe von Neonazis steht. Der Polizist wurde vorläufig suspendiert.
Vorgesetzte des Tiefbauamts in Schrott-Skandal verwickelt
Unterschlagung
Der Schrott-Skandal im Dortmunder Tiefbauamt zieht abermals größere Kreise. Die Zahl der Beschuldigten ist von 14 im Oktober 2013 auf jetzt 38 angestiegen. Erstmals sind nun auch Vorgesetzte im Visier. Wir zeigen den chronologischen Verlauf der Entwicklungen.
Fotos und Videos
Nachwuchs bei den Ameisenbären
Bildgalerie
Fotostrecke
Kunsthandwerksmarkt in Brackel
Bildgalerie
Fotostrecke
Rundgang durch die Phoenix-Halle
Bildgalerie
Fotostrecke