ARGE bietet "JobPerspektive"
04.12.2007 | 21:46 Uhr 2007-12-04T21:46:53+0100Bisher waren es 21 Dortmunder Langzeitarbeitslose, die durch das im Oktober gestartete Bundesprogramm "JobPerspektive" Arbeit bekommen haben. Geht es nach der ARGE, werden es im nächsten Jahr rund 500.
Es war eine große Runde gestern in der "Werkstatt Passgenau" in der Nähe des Nordmarkts. Geschäftsführer und Bereichsleiter saßen da, Ursula Engelen-Kefer, Sachverständige von der Bundesagentur für Arbeit, war eigens aus Berlin gekommen und alle hatten etwas zu sagen.
Recht wenige Worte verlor die eigentliche Hauptperson des Tages: Christian Lars Heine, 31 Jahre alt, zwei abgebrochene Ausbildungen 1996 und 2000. Seitdem meist arbeitslos. Und jetzt vielleicht doch wieder mit einer Perspektive.
"Wer schackert, muss davon leben können"
Denn er hat eine feste Stelle in der Werkstatt Passgenau der Diakonie, sitzt am Steuer eines Transporters. Heine fährt Kollegen zu ihren Einsatzorten, geht einkaufen, bringt den Wagen zur Wartung. Das besondere an seinem und anderen JobPerspektive-Arbeisplätzen: Sie werden vom Bund mit bis zu 75 Prozent Lohnzuschuss gefördert. Zunächst für zwei Jahre, danach, je nach Bedarf, auch unbefristet.
Mit Heine freute sich Anne Rabenschlag, die Geschäftsführerin des Werkstatt-Betreibers Diakonisches Werk Dortmund und Lünen. Sie betonte die Wichtigkeit von festen Stellen mit angemessener Bezahlung: "Wer schackert, muss von seinem Schackern auch leben können!"
21 Dortmunder Langzeitarbeitlose konnte die ARGE mit der "JobPerspektive" in diesem Jahr bereits vermitteln. ARGE-Geschäftsführer Frank Neukirchen-Füsers will 2008 noch einmal 500 bis 600 zusätzliche Stellen schaffen.
Einer der Arbeitgeber für die Dortmunder Langzeitarbeitslosen ist die GrünBau GmbH. Geschäftsführer Andreas Koch lobte das neue Projekt und die mögliche unbefristete Laufzeit: "Bestimmte Gesichter tauchen in den Maßnahmen immer wieder auf. Die dürfen wir nicht immer wieder wegschicken."
Engelen-Kefer lobte die ARGE Dortmund, die mit der JobPerspektive mehr für Langzeitarbeitslose getan habe, "als den einfachsten Weg der Ein-Euro-Jobs zu gehen." Mit diesen könne man die Abhängigkeit der Menschen vom Arbeitslosengeld II nicht beseitigen - "wir packen nur etwas oben drauf".
13:54
Sehe ich ähnlich wie tinkabell.
Aus eigener Erfahrung weiß einerseits, wie wichtig auch so eine Billiganstellung sein kann. Andererseits dürfte bei 90 % der Stellen von echter Fort- oder Ausbildung keine Rede sein. Mit Chancen für den ersten Arbeitsmarkt sieht es ebenso schlecht aus. Dazu kommt noch der Betrag, den sich Träger, bzw. Pseudo-Arbeitgeber einstecken. Bei einem 1-Euro-Job sind es 300 € pro Monat, die die ARGE an Träger überweist (habe ich gehört). Also mehr, als der Arbeitslose für seine 30 Stunden Arbeit bekommt. Wenn das stimmt, lässt das diese Maßnahme in einem ganz anderen Licht erscheinen.
Es bleibt also schwierig zu entscheiden, ob der Nutzen oder die Kosten höher zu bewerten sind. Allerdings wäre ein offener Umgang mit Zahlen und Statistiken dabei hilfreich und ehrlich. Vieles wird aber eher verschleiert, was ja wiederum für sich spricht.