Arbeiter punkten
21.01.2010 | 17:10 Uhr 2010-01-21T17:10:00+0100
Dortmund: Als klarer Punktsieger gingen die mehr als 200 städtischen Brummi-Fahrer und die Gewerkschaft Verdi aus dem ersten Kräftemessen mit der Verwaltungsspitze im Tauziehen um die Streichung ihrer bezahlten Überstunden hervor.
Nachdem Stadtkämmerer Jörg Stüdemann (SPD) am Dienstag zum Demo-Aufruf von Verdi noch klare Kante zeigte und die angepeilte Einsparung von 150 000 Euro im Jahr verteidigte, legte Stadtdirektor Siegfried Pogadl (SPD) am Mittwoch noch 'ne Schüppe drauf - mit einer Rundverfügung, die den Niedrigverdienern drohte. Die Arbeiter büßen im Mittel 140 Euro brutto im Monat ein.
Eindrucksvoll führten die Fahrer gestern vor, was sie von der Art und Weise halten, wie Stadtspitze und Rat mit ihnen umspringen: Punkt acht Uhr war der Friedensplatz voll.
Mit über 200 Betroffenen - vor allem aber mit mehr als 50 Lastern des Arbeitgebers, die sie sich „unrechtmäßig” angeeignet hatten. Immerhin stellte sich diesmal einer der Stabsoffiziere der meuternden Mannschaft. Stadtkämmerer Jörg Stüdemann, von Ex-OB Ullrich Sierau (SPD) offenbar als etatmäßiger Hiob und Prügelknabe ausgeguckt, sprach angesichts des augenfälligen Rechtsverstoßes von einem „imposanten Bild”.
Das ganz große Knallbonbon packte Stüdemann gleich anschließend aus. Indem er mitteilte, er könne die ganze Aufregung gar nicht nachvollziehen - wo man sich doch am 12. Januar mit dem Personalrat auf einen Kompromiss verständigt habe.
Dann las Stüdemann ab, was ihm das Personalamt am Abend vorher schriftlich gegeben hatte: Die Überstunden für die Fahrzeugchecks werden weiter produziert - nach Möglichkeit aber nicht bezahlt, sondern durch Freizeit ausgeglichen. Die Zuschläge zahlt die Stadt weiterhin aus.
Was Stüdemann nicht sagte: Mit dem Personalrat welcher Stadt man sich verständigt hatte. Jedenfalls nicht mit dem der Stadtverwaltung Dortmund, was deren Vorsitzender sich denn auch klarzustellen beeilte. Pitt Meyer zeigte sich „vollkommen überrascht”, seinen eigenen Vorschlag vorgelegt zu bekommen. Den hatte das Personalamt bisher als nicht verhandelbar abgelehnt.
Verdi-Sekretär Martin Steinmetz erkannte Stüdemanns Kompromissvorschlag als „erstes Entgegenkommen” an. „Das rechnen wir jetzt durch und gehen dann über die Betriebshöfe, um zu hören, was die betroffenen Kollegen davon halten. „Wenn es nicht reicht, kommen wir wieder. Und wenn auch nur einer der Fahrer abgemahnt wird, kommen wir ebenfalls wieder.”
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