Anwalt klagt gegen Envio nach acht Kündigungen
04.08.2010 | 09:08 Uhr 2010-08-04T09:08:00+0200
Dortmund.Acht betriebsbedingte Kündigungen hat die Giftfirma Envio am Dienstag bestätigt – sieben in der PCB-Entsorgung, eine in der Verwaltung. „Wegen der Stilllegung der Produktion“ trenne man sich von den Mitarbeitern, heißt es in einer Pressemitteilung. Man bedauere das, sehe „aber keine andere Möglichkeit“. Auch die „negative Berichterstattung“ im Zuge des PCB-Skandals habe geschadet, so Envio.
Die Dortmunder Giftfirma Envio sieht sich als Opfer. „Äußerungen hiesiger Meinungsbildner“ hätten nicht nur „für Zurückhaltung bei den Kunden“ gesorgt, sondern auch für einen Geschäftseinbruch in Korea. Für die gekündigten Dortmunder Mitarbeiter habe man „intensiv“ nach Möglichkeiten der Weiterbeschäftigung gesucht – „bisher leider erfolglos“. Die Kündigungen zum 31. August seien „widerruflich ausgesprochen“, da man versuche, „den Standort (zumindest in Teilen) kurzfristig wieder in Betrieb zu nehmen“, heißt es. „Entsprechende Vorschläge eines von der Bezirksregierung Arnsberg empfohlenen Gutachters“ lägen bereits vor.
Arnsberg weist diese Darstellung auf Anfrage zurück. „Nein, wir haben keinen Gutachter empfohlen“, betont Sprecher Christoph Söbbeler. Die Bezirksregierung habe lediglich die Möglichkeit skizziert, einen zu engagieren.
Komplettes Produktionsteam gefeuert
Die Envio-Kündigungen – das gesamte noch verbliebene siebenköpfige Produktionsteam und eine Verwaltungskraft in der Probezeit hat es erwischt.
Rechtsanwalt Rolf Quittmann hält die Entlassungen für unrechtmäßig und hat Klage beim Arbeitsgericht eingereicht. Die Argumentation der Firma sei „zu dünn“. Der vom Land als Krisenmoderator eingesetzte Eberhard Weber kritisiert „den Envio-Versuch, die Verantwortung für den desolaten Zustand des Unternehmens wegzuschieben“. Den Gekündigten sagt er Hilfe zu.
Entlassung mit den angeführten Gründen „reicht nicht aus“
Laut Arbeitsrechtler Quittmann tragen die von Envio angeführten Gründe keine Entlassung. „Das reicht nicht aus, um betriebsbedingte Kündigungen zu rechtfertigen“, sagt der Anwalt, der einen Betroffenen vertritt und dagegen klagt.
In der Envio-Erklärung sieht Quittmann „einige Punkte, an denen es hakt“, möchte aber mit Rücksicht auf das eingeleitete Verfahren nicht ins Detail gehen. Nur soviel: „So groß kann die Dringlichkeit einer Weiterbeschäftigung nicht gewesen sein. Sonst hätte man die Leute bei Aufräumarbeiten, Sanierungsmaßnahmen oder für Transportaufträge eingesetzt.“ Eine Kündigung sei „das allerletzte Mittel“ für einen Arbeitgeber. Quittmann hält es für „sehr fraglich“, ob es hier schon greifen musste.
Krisenmoderator Weber empfiehlt schnellen Gang zum Arbeitsamt
Krisenmoderator Eberhard Weber empfiehlt den Gekündigten den schnellen Gang zur Arbeitsagentur. „Sie sollten sich unverzüglich arbeitsuchend melden – mit dem Hinweis darauf, dass sie Envio-Beschäftigte sind.“ Mit der Leitung der Behörde sei abgesprochen, „dass man sie in besonderer Weise auf ihrem weiteren Weg in eine gute Arbeit begleitet“, so Weber. Der Ex-DGB-Chef will „das bewährte Netz von Akteuren nutzen“ – neben Arbeitsagentur und Gewerkschaften auch IHK, Wirtschaftsförderung und das NRW-Arbeitsministerium.
23:17
Die Ex-Envio Mitarbeiter sind genau die richtigen für unsere moderne Sklavenhaltung Leiharbeit : Da werden sie weiterhin ausgenommen wie eine Weihnachtsgans, und ihr angeschlagener Gesundheitszustand verschlechtert sich weiterhin wegen den miserablen Arbeitsbedingungen in der Sklavenhaltung. Trauriges Deutschland, aber wir sind ja auf dem Weg in eine bessere Zukunft, bähhh was für ein Hohn....
Du bist Deutschland sag ich da nur noch...
14:16
Über die Weiterexistenz von Envio sollte eine Volksabstimmung entscheiden, denn diese Liste habe ich mit der Zweitstimme bei der letzten Bundestagswahl gewählt. Im übrigen gehört Neupert auf unbestimmte Zeit ins Gefängnis.
12:52
Muhaha wie reagiert das Arbeitsamt? Leiharbeit am besten an eine PCB-Firma weitervermitteln, weil da haben sie ja Berufserfahrung. Und wie mit Leiharbeitern in dem Gewerbe umgegangen wird, konnte man bei Envio ja schön beobachten..
11:54
Nääää, wie gütig:
Krisenmoderator Eberhard Weber empfiehlt den Gekündigten den schnellen Gang zur Arbeitsagentur. „Sie sollten sich unverzüglich arbeitsuchend melden – mit dem Hinweis darauf, dass sie Envio-Beschäftigte sind.“ Mit der Leitung der Behörde sei abgesprochen, „dass man sie in besonderer Weise auf ihrem weiteren Weg in eine gute Arbeit begleitet“, so Weber.
Das weiss heute doch jeder, dass man SOFORT nach Kenntnisnahme seiner Kündigung sich beim Arbeitsamt arbeitssuchend zu melden hat, sonst droht eine Leistungssperre.
Und bei diesem Satz:
Mit der Leitung der Behörde sei abgesprochen, „dass man sie in besonderer Weise auf ihrem weiteren Weg in eine gute Arbeit begleitet., sollten bei allen anderen Arbeitsuchenden die Alarmsirenen schrillen!!!
Da wird also abgesprochen, in besonderer Weise in eine gute Arbeit.
Das bedeutet doch, dass die Arbeitsagentur bei den Arbeitslosen mit unterschiedlichen Maßstäben daran geht, sie wieder in den Arbeitsmarkt zu bringen. Bei der Arbeitsagentur Dortmund wird also mit unterschiedlichem Maß gearbeitet. Andere Arbeitslsoe werden also bei der Arbeitssuche benachteiligt!
Das Verhalten der Agenturleitung ist skandalös und muß strafrechtlich und beamtenrechtlich verfolgt und geahndet werden!
11:45
Tja, liebe Ex-Envio-Mitarbeiter,
so schnell kan es passieren, dass man demnächst auch ein Hartz IV Fall wird.
Hättet Ihr das jemals bei Euch für möglich gehalten?!
Habt geglaubt, auch Euch beträfe Hartz IV nie.
Und nun?!
Eure Chefs bauen S.c.h.e.i.ß.e und Ihr (!) müßt dafür büßen.
Aber wählt mal alle weiterhin schön die SPD, CDU, FDP und Die Grünen! Nur sind das genau die parteien, die dafür verantwortlich sind, dass Ihr schon in wenigen Monaten bei Hartz IV gestrandet seid.