Annington und LEG sollen in Dortmund beim Mietspiegel tricksen
08.06.2011 | 20:22 Uhr 2011-06-08T20:22:00+0200
Dortmund. Der Mieterverein warnt: Dortmunder sollen Mieterhöhungen prüfen. Nach Erkenntnissen der Mieterschützer tricksen LEG und Deutsche Annington mit dem neuen Mietspiegel. Die Deutsche Annington gibt einen Fehler zu und entschuldigt sich.
Der Mieterverein warnt vor angeblichen Tricksereien der Deutschen Annington und der LEG bei der Vermietung von Wohnungen. Die Gesellschaften würden die Wohnungen als Apartments auszeichen, die nicht an den Mietspiegel gebunden seien.
Wie drückt sich die „Trickserei“ aus?
Die Deutsche Annington hat in zahlreichen Fällen auf die Miete einen Zuschlag von 86 Cent/Quadratmeter aufgeschlagen, weil es sich bei der Wohnung um ein Apartment handele. „Dies ist jedoch in keinem Fall gegeben“, so Rechtsanwalt Holger Gautzsch. Es handele sich um ganz schlichte kleine Zwei-Zimmer-Wohnungen.
Also eine Täuschung?
Ja. Ein Apartment ist im Mietspiegel definiert, so Gautzsch. Es handelt sich hierbei um Einzimmerwohnungen mit Kochnische und Bad. Zudem: „In den uns bekannten Fällen zahlen die Mieter schon mehr, als der Mietspiegel überhaupt vorsieht. Besonders ärgerlich ist dieses auch deswegen, weil wir davon ausgehen müssen, dass die Deutsche Annington überhaupt keine Apartments im Bestand hat. Es geht daher nicht um einen Bewertungsfehler“, sagt Gautzsch.
Was sagt die Deutsche Annington dazu?
Sie gibt im Fall der sogenannten Apartments einen Fehler zu. Da diese Wohnungen eine separate Küche haben, treffe die Bezeichnung Apartment nicht auf sie zu.
Werden die Erhöhungen zurückgenommen?
Ja, so die Auskunft von Sprecherin Katja Weisker. Auch in jenen Fällen, in denen die Mieter der Anpassung bereits zugestimmt haben. „Wir entschuldigen uns“, sagt Weisker. „Weisen aber den Vorwurf zurück, die Mietanpassungen seien absichtlich falsch erstellt worden.“
Wie lautet der Vorwurf an die LEG?
„Wir müssen feststellen, dass neben Annington auch die LEG versucht, durchweg den Oberwert des Mietspiegels zu erzielen“, sagt Gautzsch. „Das ist ohne fundierte Begründung schlichtweg rechtswidrig.“ So setze sich die LEG bewusst über das geltende Mietrecht hinweg.
Wird dieser Vorwurf gekontert?
Man nehme Abweichungen vom Medianwert nur vor, so Weisker für die Annington, wenn es dafür die im Mietspiegel beschriebenen Gründe gebe. Das sei in Dortmund zum Beispiel bei Wohnungen in der Innenstadt oder im Süden der Fall, „weil hier wesentliche Lagevorteile vorliegen“.
Nennt der Mieterverein Beispiele für das Verhalten, fälschlicherweise den Oberwert anzusetzen?
Der Mieterverein verweist auf die Immobilie „Am Grenzgraben 14“. Mieter erhielten dort eine Erhöhung auf 7,36 Euro/ Quadratmeter. Für vergleichbare wie das 2001 erbaute Objekt weist der Mietspiegel eine Spanne von 5,83 Euro/Quadratmeter bis 7,42 Euro/Quadratmeter aus. Der Medianwert (Mittelwert) des Mietspiegels beläuft sich auf 6,40 Euro/Quadratmeter. Diesen Betrag zahlen die Mieter bisher. Die LEG verlange ohne Begründung eine Erhöhung von satten 96 Cent/Quadratmeter.
Wie häufig wird derart verfahren?
Nach Auskunft von Gautzsch beobachtet der Mieterverein dieses Muster bei fast allen ihm bekannten Erhöhungen der LEG. Gautzsch: „Es werden in den meisten Fällen Mieten erhöht, die rechtlich nicht zu erhöhen sind.“ Erfahrungen des Vereins zeigten, dass die LEG Druck ausübe, wenn ein Mieter die Unterschrift verweigere.
Was rät der Mieterverein?
Mieterhöhungen sollten anhand des Mietspiegels geprüft werden. Ein kostenloser Sonderdruck ist an der Kampstraße 4 erhältlich oder unter www.mvdo.de/mietspiegel. Dort gibt es auch einen kostenfreien Ratgeber zum Thema Mieterhöhungen. Mieter sollten sich zudem gegen eine Erhöhung wehren, wenn diese über dem Mittelwert liegt und der Vermieter keine andere Begründung angebe als „Wir dürfen die Spanne ausnutzen“.
08:57
Man sollte sich aber auch mal in Wohnungsangeboten der Annington die Nebenkosten anschauen....diese liegen meist mit der Grundmiete gleich auf, da regt sich keiner drüber auf
11:34
Desweiteren finde ich es auch einfach nicht tragbar, für die ganzen Bürger, das jedes Jahr in Dortmund und anderen Städten der Mietspiegel angehoben wird?
Mit welchen begründungen ?
Ist doch klar das fast alle Wohnungsgesellschaften dann mehr Geld wollen und der Bürger darf jedes Jahr mehr bezahlen!!!
Wer ist nochmal für den Mietspiegel und deren bemessung zuständig ?
Da sollte man erstmal anfangen und was LEG und Annigton ist sowieso anzocke.
Es gibt noch einige mehr zu beachten, Wohnungsumgebung, Lärmbeslästigung durch Bahn etc.
09:27
Ein wichtiger Artikel. Danke hierfür.
Allerdings sollte man, genauer Frank Bußmann, gerade bei einem derartigen Artikel auf Genauigkeit bedacht sein.
Der Median ist mitnichten der Mittelwert, sondern der Zentralwert.
Ein Beispiel, um deutlich zu machen wie der Unterschied sich ausdrückt:
9 Mieter zahlen 500 Euro Miete
1 Mieter zahlt 5000 Euro Miete
Der Mittelwert (Durchschnitt) beträgt 950 Euro
Der Median (Zentralwert) beträgt 500 Euro
22:08
Das liegt dran, dass die ehemaligen Wohnungsgenossenschaften jetzt in der Hand von Fonds liegen, die nur ein Interesse haben - maximalen Gewinn zu erwirtschaften!