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Angeklagter will Opfer tot aufgefunden haben

31.10.2012 | 18:30 Uhr
Angeklagter will Opfer tot aufgefunden haben
Der wegen Mordes angeklagte Dr. Martin B. zu Prozessbeginn vor dem Dortmunder Landgericht.Foto: Ralf Rottmann

Dortmund.   Im Mordprozess um den gewaltsamen Tod der Musikkritikerin Dr. Sonja Müller-Eisold beteuerte der Angeklagte erneut seine Unschuld. Er habe die 80-Jährige tot auf dem Boden liegend aufgefunden, so seine Aussage.

Seine Aussage wurde mit Spannung erwartet. Und Dr. Martin B., angeklagt des Mordes an der Musikkritikerin Dr. Sonja Müller-Eisold (80), machte es gestern im Schwurgericht wahrlich spannend. Immer wieder schweift er ab, als er über seinen Besuch bei der Seniorin in deren Bungalow in Löttringhausen berichtet.

Es war der 25. Oktober letzen Jahres, als er bei der 80-Jährigen anklingelt. Angeblich, so sagt er, um einen Schlüssel für das benachbarte Büro der Kulturbühne zu bekommen. Mit dessen Vorsitzenden, einem guten Freund und direkten Nachbarn der Wagner-Expertin, hatte er sich zuvor heftig zerstritten. Aus diesem Grund sei auch die ansonsten „so freundliche“ Dr. Müller-Eisold zu Anfang reserviert gewesen, ereiferte sich der Angeklagte. Sie habe ihm schwere Vorwürfe gemacht, was er der Kultubühne alles angetan habe. Und den Schlüssel, den habe sie auch nicht herausgerückt.

Es wird still im Schwurgericht

Es folgen Sätze wie: „Wir standen uns ziemlich aufgebracht gegenüber, ich habe versucht, dagegen zu halten.“ Oder: „Es ging da schon relativ heiß her.“ Es wird ganz still im Schwurgericht, als diese Sätze fallen. Kommt jetzt ein Geständnis?

Nein. Der promovierte Philosoph und Unternehmensberater Dr. Martin B. beteuert vielmehr weiterhin vehement seine Unschuld. Denn nach der kleinen Auseinandersetzung, da habe er die Musikkritikerin wieder beruhigen können. Und am Ende habe er sogar den Schlüssel für das Büro nebenan bekommen. Etwa 20 Minuten will er sich dort aufgehalten haben.

In Panik davongelaufen

„Ich bin dann zurück in ihr Haus, habe gerufen: Hallo, ich bin wieder da, bekam aber keine Antwort“, erzählt er weiter. Und nach einer kleinen, wirkungsvollen Pause: „Da lag sie auf dem Boden, im Schlafzimmer. Ich war enorm erschrocken.“ Sofort habe er ihren Puls gefühlt. Nichts. Dann mit der Hand auf ihre Rippen gedrückt. Wie „Blitzlichter“ seien die Gedanken durch seinen Kopf geschossen, „wie ich sie am besten reanimieren kann“. Dann habe er es im Schlafzimmer nicht mehr ausgehalten und sei in Panik herausgelaufen. „Für heute möchte ich gerne an dieser Stelle nicht weitermachen“, sagt Dr. Martin B. mit einem seltsam feierlich anmutenden Unterton in der Stimme – man möge dafür Verständnis haben.

Die Anklage wirft ihm vor, Dr. Sonja Müller-Eisold in ihrem Haus angegriffen zu haben. Mutmaßlich wurde sie aus kurzer Distanz mit einer Armbrust angeschossen . Eine halbe bis zwei Stunden später, so der Rechtsmediziner, starb die 80-Jährige an Herzversagen. Der Prozess geht am 6. November weiter.

Kathrin Melliwa

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2012-10-31 18:30
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