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„Am liebsten würde ich tanzen!“

02.06.2012 | 16:00 Uhr
„Am liebsten würde ich tanzen!“
Vivica Genaux. Foto:

Drei Grammy-Nominierungen und ein ECHO zeigen mehr als deutlich: Vivica Genauxs Stimme bezaubert ihre Zuhörer. Am Sonntag hat die amerikanische Star-Mezzosopranistin sozusagen den letzten Ton beim Abschluss des Klangvokal-Festivals in der Reinoldikirche – mit einem glanzvollen Vivaldi-Programm.

Drei Grammy-Nominierungen und ein ECHO zeigen mehr als deutlich: Vivica Genauxs Stimme bezaubert ihre Zuhörer. Am Sonntag, 3. Juni, hat die amerikanische Star-Mezzosopranistin sozusagen den letzten Ton beim Abschluss des Klangvokal-Festivals in der Reinoldikirche – mit einem glanzvollen Vivaldi-Programm.

Sie scheinen nicht als Sängerin geboren worden zu sein: Es heißt, Ihre Mutter hörte früher Opern – und Sie haben es gehasst?

Ja, das stimmt (lacht). Da habe ich schon lieber die Sinfoniekonzerte mit meinem Vater gehört.

Heute hingegen werden Sie als Expertin für Belcanto und Barock gefeiert: Was hat Sie doch überzeugt?

Als Jugendliche wollte ich unbedingt in einer Produktion von „My fair lady“ mitspielen – und meine Mutter hat mir eine Gesangslehrerin besorgt. Plötzlich habe ich gemerkt: Singen fühlt sich genial an! Das erste Mal in meinem Leben hatte ich das Gefühl, mich selbst wirklich ausdrücken zu können. Egal, ob ich Geige oder Klavier gespielt hatte – immer hatte ich Angst aufzutreten. Beim Singen war das einfach weg.

Besser keine Analyse

Und trotzdem haben Sie Biologie studiert - warum?

Meine Gesangslehrerin hat mir geraten, etwas Handfestes zu studieren. Sie meinte, eine internationale Gesangskarriere sei oft von zu vielen Zufällen abhängig. Also habe ich Biologie studiert – war aber unglaublich unglücklich und habe mich sehr nach der Musik gesehnt. Meine Schwester hat mir da sehr geholfen. Sie meinte: Du bist gerade erst 20, studier’ Gesang, gib’ Dir selbst fünf Jahre, ohne Dich unter Druck zu setzen – und wenn es dann nicht geklappt hat, kannst Du immer noch etwas anderes machen. Am Anfang fiel es mir nicht ganz leicht, den analytischen Zugang aus der Biologie abzulegen. Aber als ich Auftritte an der Metropolitan Opera und der Semperoper bekam, dachte ich: Ok, das ist wohl gut gegangen.

Sie haben eine sehr internationale Familie mit Wurzeln in Deutschland, der Schweiz, Mexico. Hat Sie das aufgeschlossener gemacht?

Auf jeden Fall. Außerdem waren in Fairbanks, Alaska, wo ich aufgewachsen bin, Kinder aus der ganzen Welt – und viele Sprachen habe ich mindestens schon einmal gehört. Das war die beste Vorbereitung auf das, was ich heute tue.

In Dortmund singen Sie Vivaldis „Juditha triumphans“. Was schätzen Sie an Vivaldi?

Seine Vielseitigkeit. Er war ja ein begnadeter Violinist – und in seiner Musik wird für mich die Verwandtschaft von Geige und Stimme deutlich. Der berühmte Isaac Stern hat einmal gesagt: Man muss mit seinem Instrument singen. Das gilt auch umgekehrt – und Vivaldi wusste das genau. Da sind so viele wunderschöne Farben und Emotionen in seinen Werken.

Dynamik

Was fühlen Sie, wenn Sie so etwas singen?

Am liebsten würde ich tanzen! (lacht) Bei dieser Dynamik fällt es mir wirklich schwer, ruhig zu bleiben.

In „Juditha triumphans“ wird die Geschichte von Judith erzählt, die Holofernes besiegt...

Ja, genau, ist das nicht unglaublich? Da wird Rossini für seine emanzipierten Frauen gelobt – und es gab sie schon Hunderte von Jahren davor.

Machen solche Rollen auch Sie stark?

Ja. Ich habe in meiner Karriere viele starke Frauen, aber auch viele Hosenrollen gesungen und es hat mir sehr viel geholfen. Wenn früher irgendetwas schief ging, wollte ich mich am liebsten in Luft auflösen. Aber diese Figuren haben mich verändert. Meine Persönlichkeit verändert sich eigentlich mit jeder Rolle – weil ich sie mir sehr stark aneigne. Natürlich geht es nicht darum, irgendwelche Leute umzubringen, wie es diese Frauen tun (lacht). Es gibt einen großen Unterschied zwischen Aggression und Selbstbehauptung – aber zu letzterer hat jeder unbedingt das Recht.

Nadine Albach



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