Altes Ostwallmuseum - Architekten müssen liefern
01.10.2012 | 18:50 Uhr 2012-10-01T18:50:00+0200
Dortmund. Was wird aus dem früheren Sitz des Museums am Ostwall ? Wird an dieser zentralen Stelle im Stadtkern Dortmunds eh schon üppige Museumslandschaft noch einmal verbreitert oder wird das schon sehr spezielle Gebäude abgerissen und durch den Neubau etwa für eine citynahe Seniorenresidenz ersetzt?
Diese Fragen sind immer noch offen. Immerhin hat OB Ullrich Sierau erstmals ein Datum genannt fürs Ende der Debatte. Am 15. November spricht der Rat das letzte Wort. So oder so.
Der Entschluss stand schon fest
Eigentlich hatte das Stadtparlament schon entschieden - schon im Dezember 2010 und obendrein mit satter Mehrheit. Die SPD trug den Vorschlag der CDU-Fraktion mit, die Verwaltung zu beauftragen, Gebäude und Grundstück möglichst schnell zu marktüblichen Preisen zu verkaufen.
Das so genannte Interessenbekundungsverfahren seit mehr als einem Jahr abgeschlossen, den städtischen Liegenschaftern liegen - außer dem schon genannten Bau von 55 Seniorenwohnungen - gleich mehrere für die Stadt Dortmund attraktive Angebote vor. Nur: Bislang hat keines von ihnen den Rat erreicht.
Architekten wollen lieber einen Umbau
Der Grund: Überlegungen von Architekten - darunter der frühere Stadtdirektor und Baudezernent Klaus Fehlemann - gehen dahin, das Museumsdomizil im Grunde stehen zu lassen und für die Zwecke des „Baukunstarchiv NRW “ aus- und umzubauen.
Die Verwaltungsspitzen, vor allem OB Sierau und Kämmerer Stüdemann, würden der weiteren Ausweitung des Dortmunder Kulturangebots sofort den Vorrang einräumen gegenüber einer schnöden Entlastung des städtischen Haushalts - wäre da nicht die leidige Frage, wer den Spaß mit dem Baukunstarchiv bezahlt. Die Archiekten lassen sich nur begrenzt in die Pflicht nehmen. Die Sanierung und den Umbau für knapp vier Mio Euro soll - mindestens zu 80 Prozent - das Land bezahlen. Das nächste Gespräch mit dem Fördergeber steht am 2. Oktober an.
Richtig schwierig wird’s bei den Betriebskosten. Sie könnten bei 425 000 Euro im Jahr liegen. Die will und kann der Förderverein allein aber nicht aufbringen.
Kein Finanzierungsmodell in Sicht
Die bange Frage der Ratsfraktionen, ob am Ende wieder einmal der eh schon gebeutelte Haushalt der Stadt herhalten muss, sollte eigentlich bis zur letzten Ratssitzung am 27. September beantwortet sein. Bis dahin konnten die Architekten aber kein tragfähiges Finanzierungsmodell präsentieren.
Stattdessen teilte Oberbürgermeister Sierau dem Stadtparlament am letzten Donnerstag mit, bis zur nächsten Ratssitzung am 15. November auf jeden Fall zu einem Beschlussvorschlag kommen zu wollen. Eine Art Frist für die Architekten: Können sie bis dahin nicht liefern, geht am Abriss des alten Museumsgebäudes wohl kein Weg mehr vorbei.
19:01
... und hoffentlich finden Sie auch Sponsoren, die neben den Umbaukosten auch den Kaufpreis für das Objekt aufbringen und die für den späteren Betrieb aufkommen werden. Das Konzept rund um das Baukunstarchiv ist nicht schlecht - die bisherigen Finanzierungsvorschläge allerdings schon!
Und - schon das Denkmal des unbekannten Fliesenlegers (Stadt- und Landesbibliothek) war eine architektonische und kulturhistorische Schändung des an der Stelle zuvor stehenden ältesten mittelalterlichen Steinrathauses Deutschlands, dass 1943 im alliierten Bombenhagel schwer beschädigt wurde und dessen möglicher Wiederaufbau wie zB in Münster und Lübeck aber in Dortmund "zu Gunsten" der "neuen Architektur" 1953 verworfen wurde.
16:48
Wenn die Entscheidung im Rat nur nach den Kriterien der Wirtschaftlichkeit sprich Haushaltssanierung fällt, dann steht sie leider in Tradition zu früheren Fehlentscheidungen, wie z.B. Abriß des Denkmals Stadt- und Landesbibliothek zugunsten des Kommerz! Das MAO sollte erhalten bleiben und das Baukunstarchiv aufnehmen, zumal das Land die Umbaukosten übernehmen will. Zusammen mit der TU würde hier ein neues Kompetenzzentrum für Architektur entstehen und der Stadt Dortmund neues Renommé verleihen.
danke für ihren kommentar, denn in dortmund steht man mit seiner meinung sehr häufig alleine da.
11:01
Unter Berücksichtigung der desolaten Haushaltslage der Stadt Dortmund muss bei einer Museumsnutzung auch die entgangenen Einnahmen für den Grundstücksverkauf berücksichtigt werden bzw die Museumsbefürworter müssten das Grundstück zum marktüblichen Preis erwerben. Bei den Betriebskosten ist die Stadt Dortmund nicht zu beteiligen - ein U-Turm und ein Fussballmuseum reichen schon vollkommen als Defizit-Produzenten.
Wer ein Baukunstarchiv-NRW will, soll das auch bezahlen und es nicht als "Kunst" ansehen öffentliche Gelder mit beiden Händen für elitäre Projekte aus dem Fenster werfen zu wollen - die Zeiten sind längst vorbei.