Das aktuelle Wetter Dortmund 11°C
A45

Alte Zeche Gottessegen ist Schuld am Tagesbruch in Dortmund auf der A45

18.01.2012 | 19:13 Uhr
Alte Zeche Gottessegen ist Schuld am Tagesbruch in Dortmund auf der A45
Nichts geht mehr auf der A45: Die Arbeiten am Tagesbruch sind in vollem Gange. Foto: Knut Vahlensieck

Dortmund.   „Gottessegen“ bremst Autos aus: Ein sogenannter Tagesbruch aus früheren Zeiten der Zeche „Gottessegen“ ist Schuld an der Vollsperrung der Sauerlandlinie. Das Loch auf der A45 geht auf einen Kohlestollen zurück, der unter der Fahrbahn verläuft und der mit einer Kamera erforscht wird.

Wie Masern liegen die roten Punkte auf der Bergbaukarte rechts und links der A45 im Dortmunder Süden. Jeder Punkt steht für einen bekannten Tagesbruch - der letzte genau auf der Mittellinie der Autobahn. Das Landesoberbergamt kennt aufgrund vorliegender Karten die Beschaffenheit des Untergrundes.

„Es handelt sich um einen mittleren Tagesbruch“, berichtet Andreas Nörthen, der Leitende Bergdirektor. Die Auswirkungen auf dieser bedeutenden Nord-Süd-Achse seien allerdings gravierend. Da die betreffende Zeche, in deren Gebiet der Einsturz jetzt geschah, bis vor 50 Jahren noch betrieben wurde, gibt es gutes Kartenmaterial. Das erleichtert jetzt die Lokalisierung und Eingrenzung des Schadensgebietes. Als die Zeche in den 60-er Jahren geschlossen wurde, begann der Bau der Sauerlandlinie.

„In dem Bereich ist die Kohle oberflächennah abgebaut worden“, erklärt Nörthen. Das bedeutet, die Stollen reichen bis in eine Tiefe von höchstens 35 Metern. Wenn solch ein Stollen einstürzt, entstehen an der Oberfläche Löcher oder Trichter.

An der A45 zeigte sich oberflächlich ein fünf mal drei Meter großes Loch mit drei Metern Tiefe .

Standsicherheit nicht mehr gewährleistet

„Als auf der Autobahn festgestellt wurde, dass Hohlräume bestehen, wurde sofort die Reißleine gezogen und nach einer halben Stunde voll gesperrt“, so Nörthen. Eine sinnvolle Maßnahme, denn die Stollen verlaufen unter der kompletten Fahrbahn. „Die Standsicherheit ist nicht mehr gewährleistet.“ Und: „Die Hohlräume werden jetzt von der Montantechnologie verfüllt.“ Tagesbruch gepresst . Bis Mittwoch sollen an der A45 bereits mehr als 100 Tonnen Füllmaterial eingesetzt worden sein.

Die Bergbau-Experten wissen, dass auf der Zeche Gottessegen seit 1860 Kohle abgebaut wurde. An der betreffenden Stelle gibt es die Besonderheit, dass parallel auch noch Erz abgebaut wurde. Darauf deuten schon der Name des Flözes „Isenstein“ (Von Eisenstein) hin. Alles in diesem Fall genau kartographiert auf Original Unterlagen. 100 000 Grubenbilder liegen dem Landesoberbergamt in Dortmund vor.

Detaillierte Unterlagen

Nicht immer lägen so detaillierte Unterlagen wie jetzt im Dortmunder Süden vor. Bei älteren Stollen oder gar illegalem Abbau tappen auch die Experten im Dunkeln. „130 Meldungen über Tagesbrüche sind bei uns aus ganz NRW alleine im letzten Jahr eingegangen“, berichtet Nörthen. 80 davon seien auf bergbauliche Einstürze zurückzuführen. Das verwundert den Bergdirektor nicht weiter. 300 Jahre Bergbaugeschichte haben eben ihre Spuren hinterlassen.

Sie treten in Wäldern, aber wie im Fall eines Bochumer Wohngebietes oder aktuell mitten auf der Autobahn immer wieder mal unerwünscht in Erscheinung.

Vollsperrung A45 für zwei Wochen

Wenn an der A  45 in Doppelschicht gearbeitet werde, könne der Tagesbruch tatsächlich in nur einer Woche verfüllt werden, schätzt Nörthen. Bei täglich 70 000 Fahrzeugen sei der ambitionierte Zeitplan auch nötig.

Gerald Nill

Facebook
 
Kommentare
22.01.2012
13:26
Alte Zeche Gottessegen ist Schuld am Tagesbruch in Dortmund auf der A45
von PhilChori | #4

Dass "Gottessegen" nicht Schuld ist, war klar. Die haben viel tiefer geschürft. Hier stehen jetzt die wirklichen Ursachen: http://www.derwesten.de/staedte/dortmund/tagesbruch-arbeiten-auf-vollgesperrter-a45-in-dortmund-dauern-laenger-als-eine-woche-id6266565.html

19.01.2012
07:54
Schuld am Tagesbruch ...
von KFR001 | #3

dürfte auch mangelhafte Planung, Exploration des Baugrund und Bau-durchführung sein; eigentlich unverständlich bei der Dauer der Vorbereitung und Ausführung solcher Investitionen.

1 Antwort
Alte Zeche Gottessegen ist Schuld am Tagesbruch in Dortmund auf der A45
von d.willemsen | #3-1

Die Zeche Gottessegen ist nicht schuld.
Da hat sich der Journalist vertan. Gottessegen ist die bekannteste aller ehemaligen Dortmunder Zechen. Aber nicht alles gehört zu deren Grubenfeld. Es fest, dass beim Bau der Sauerlandlinie gefuscht wurde.
d.w.

19.01.2012
07:23
Alte Zeche Gottessegen ist Schuld am Tagesbruch in Dortmund auf der A45
von Elfentraum | #2

Alte Sünden rächen sich irgendwann einmal, da hilft auch "Gottes Segen" nichts mehr ...

19.01.2012
06:50
Alte Zeche Gottessegen ist Schuld am Tagesbruch in Dortmund auf der A45
von Applebeach4Ever | #1

Oh schön...
Dann können die Kosten ja der RAG aufgebrummt werden als Verursacher durch mangelnde Verkehrssicherungspflicht oder wie sich das nennt. Transporteure sollten dann die Mehrbelastung durch Umwege auch von der RAG einfordern....so wie das Strassenbauamt

2 Antworten
Alte Zeche Gottessegen ist Schuld am Tagesbruch in Dortmund auf der A45
von ChristianausEN | #1-1

Ich würde sagen die RAG trifft keine Schuld die die die Bahn gebaut haben trifft die Schuld der Stollen war bekannt und da hätten die den Verlauf anders Planen müssen oder für Sicherungsmaßnahmen soregn müssen ich Bau ja auch kein Haus auf eine stillgelegte Müllkippe und beschwere mich hinterher wenn der Müll zusammensackt und das Haus einstürtzt.

Alte Zeche Gottessegen ist Schuld am Tagesbruch in Dortmund auf der A45
von vfl-volker | #1-2

das wird nix. Es gibt den Begriff des "Bergschadensverzichtes", in dem der Betreiber freigestellt wird. Und ich wette, das gilt auch in diesem Fall

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/6260209/create

UMFRAGE

Sollen Stehplätze in Fußballstadien abgeschafft werden?

 
Aktuelle Fotos und Videos
Layla Zoe in Dortmund
Bildgalerie
Piano
Hitze am Phoenix-See
Bildgalerie
Wetter
Achtung, Dortmund — hier droht Bußgeld!
Bildgalerie
Bußgeld-Katalog
Aus dem Ressort
Zum Geburtstag ein Mammut
Naturkundemuseum
Sie wollen mit Dr. Dr. Elke Möllmann den 100. Geburtstag des Naturkundemuseums feiern? Kein Problem: Kommen Sie am nächsten Sonntag doch einfach vorbei – der Eintritt ist frei. Sie wollen ein Geschenk mitbringen? Dann besorgen Sie schon mal ein paar Meter Geschenkpapier.
Polizei Dortmund sucht Zeugen für Unfallflucht
Polizei
Ein bislang unbekannter Autofahrer hat am Samstagmorgen einen 23-jährigen Fußgänger aus Dortmund angefahren und flüchtete anschließend. Das Unfallopfer wurde zur stationären Behandlung in ein Krankenhaus gebracht.