Alte PCB-Fälle schlagen Wellen
18.10.2010 | 19:29 Uhr 2010-10-18T19:29:00+0200
Dortmund.Ein vor sieben Jahren mit PCB belasteter Schichtführer des Envio-Vorgängers ABB bringt Behörden an die Arbeit – und den Weltkonzern Asea Brown Boveri ins Schwitzen. ABB-Sprecher Klaus Treichel jedenfalls tut sich schwer, den Fall aus 2003 zu erklären.
Neu ist er nicht. Vor drei Wochen hatte die WR berichtet, dass Envio-Chef Dr. Dirk Neupert schon als damaliger ABB-Manager von der PCB-Belastung eines Mitarbeiters wissen musste. So steht es auch in der von der Stadt verfügten Gewerbeuntersagung gegen den ABB-Spross Envio. Seit das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ den Vorgang aufgriff, wächst der Druck auf die Beteiligten.
Betriebsarzt nicht erreichbar
Wer hat von dem frühen Fall gewusst? Ganz sicher die zuständige Berufsgenossenschaft. Das bestätigt Sprecher Holger Zingsheim. Das PCB-Problem des Schichtleiters sei damals angezeigt, aber nicht als Berufskrankheit anerkannt worden – „aus dem schlichten Grund: Es gab keine Erkrankung.“ Bei fünf weiteren ABB-Kräften sei ein Bio-Monitoring angelaufen. Ob sie PCB im Blut hatten oder haben, das wisse er nicht, sagt Zingsheim. Nur soviel: „Hätte es erhöhte Werte gegeben, hätte uns der betriebsärztliche Dienst informieren müssen.“ Nach Informationen der WR betreute schon damals das Betriebsarztzentrum (BAZ) Dortmund die Betroffenen. Gestern Nachmittag war dort niemand mehr erreichbar.
„Keine Unterlagen“ bei ABB
Und die Behörden? „Erst am 27. April 2010“ hätten sie von dem PCB-Fall aus 2003 erfahren, erinnerten sich gestern Bezirksregierung und Stadt in Eintracht. Die Berufsgenossenschaft habe „im August bestätigt, dass es diesen Fall gab“, sagt Stadtsprecher Udo Bullerdieck. Darüber gebe es einen Aktenvermerk.
Nicht einmal mit einem solchen will ABB dienen können. „Es gibt keine Unterlagen mehr“, sagt Konzernsprecher Klaus Treichel. Alles sei 2004 an Envio übergeben worden. „Deshalb können wir den Fall schlecht bewerten.“ ABB habe sich „absolut nichts vorzuwerfen. Wir haben den Laden sauber übergeben. Das belegen Gutachten.“ Der Konzern gelte heute als „gesündestes Unternehmen der Elektroindustrie“, sagt Treichel und verweist auf den Corporate Health Award 2010.
Envio klagt gegen Gewerbeverbot
Und 2003? „Damals hatten wir die gleichen Standards.“ Trotzdem sei „offensichtlich etwas geschehen“.
Übrigens: Gegen die von der Stadt verfügte Gewerbeuntersagung hat Envio gestern Klage eingereicht – ohne Angabe von Gründen, dafür mit der Forderung nach Akteneinsicht.
13:13
@ vaikl
Mit folgender Argumentation wurde 1999 eine Genehmigung zwischen den Ämtern für einen Entsorger „ durchgewunken “.
„Die vorgenannten Änderungen stehen im Zusammenhang mit den vielfältigen Bemühungen, den Wirtschaftsstandort Deutschland zu stärken und so einen Beitrag zu leisten, die Probleme der Arbeitslosigkeit und der hohen Staatsverschuldung in den Griff zu bekommen. Ich darf auch im Rahmen dieses aktuellen Genehmigungsverfahrens auf meine besondere Terminsituation verweisen und Sie bitten durch eine beschleunigte Abwicklung auch in Ihrem Hause die gemeinsamen Zielvorgaben zu unterstützen.“
Ich denke der Text spricht für sich.
22:47
@ #4
Unser Neuer in Arnsberg hat heute im Radio91,2-Interview erstmals zugegeben, dass man sich *allgemein* bei Gefahrstoff-Firmen wie Envio mehr um möglichst schnelle Genehmigungen als um Kontrollen gekümmert hatte (http://www.radio912.de/index.php?page=nachrichten_lokal).
Das war politisch von oben so gewollt und mir kann auch Keiner von unseren Politnicks aus der Provinz erzählen, er hätte das nicht gewusst.
Dieses ganze BR-Bashing ist also nur eine Ablenkung für den dummen Bürger.
22:18
Bei den Behörden will man von den Verfehlungen einer Firma wie Envio nichts wissen und gewusst haben.
Nicht wahr Herr Müller von der BR?
Aber vielleicht fragen sie ja mal ihre Vorgängerin die erst nach Münster gehen musste und jetzt in BO Polizeipräsidentin ist.
Der Politikklüngel kommt auch noch dazu und steht einer sauberen Aufarbeitung und einer wahrhaftigen Stellungnahme im Weg.
18:50
Jetzt geht es Neupert Harks und Co. an den Kragen. ABB wird jetzt die beiden opfern. Damit die beiden verstehen, was es heißt geopfert zu werden.
00:47
Das PCB-Problem des Schichtleiters sei damals angezeigt, aber nicht als Berufskrankheit anerkannt worden
Man hätte jetzt aber schon nachfragen und schreiben können, ob dieses Problem als normaler Arbeitsunfall angezeigt und wie dieses Problem bei den anderen 5 Mitarbeitern klassifiziert wurde.
Letztlich bleibt es dabei, dass sich ABB von einer Dreckschleuder getrennt hat. Diese Zielsetzung war damals im gesamten Konzern nach einigen Umweltskandalen vorrangig.
Viel wichtiger ist aber der zweite Teil der Spiegel-Meldung, nach dem nun endlich auch die BaFin die wilden Zockereien mit der Envio-Aktie untersucht.
00:16
Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.