Als Synagoge
15.05.2007 | 03:27 Uhr 2007-05-15T03:27:51+0200Jüdische Kultusgemeinde am Kauf des Museums am Ostwall interessiert.Intensives Werben im kleinsten Kreis. Kultur-Staatssekretär informiert
Das Mühen des Oberbürgermeisters, für seinen Traum vom "U"-Turm-Museum doch noch breite Zustimmung in Politik und Bürgerschaft (sowie bei den Zuschussgebern) zu gewinnen, hat von unerwarteter Seite Rückenwind bekommen - von Seiten der jüdischen Kultusgemeinde Groß-Dortmund. Die hat nämlich eine Antwort auf die Frage geliefert, wie die Stadt die Immobilie "Museum am Ostwall" gewinnbringend vermarkten und den Standort am Wallring stadtplanerisch sinnvoll weiterentwickeln könnte, falls die Kunst des Ostwall-Museums in den U-Turm gewandert sein sollte: Die Kultusgemeinde hat die Stadt schriftlich wissen lassen, dass sie am Kauf des Museums interessiert ist - um aus dem Haus ihre Synagoge zu machen.
"Ich persönlich kann mir das sehr, sehr gut vorstellen", bestätigte gestern Wolfgang Polak, Geschäftsführer der Jüdischen Kultusgemeinde, das Interesse. Jeder wisse, so Polak, dass die alte Synagoge, die von den Nazis zerstört wurde, auch am Wall gestanden habe - heute steht dort bekanntlich das Opernhaus. Eine Verlagerung der Synagoge von der Prinz-Friedrich-Karl-Straße an den Wallring sei demnach wie eine "Rückkehr". Zweites Argument für Polak: Durch den Zuzug von Juden aus Ländern der früheren Sowjetunion hat die Dortmunder Gemeinde inzwischen wieder fast die personelle Stärke erreicht wie vor Beginn der Nazi-Diktatur - "fast 4000 Mitglieder". Die 1956 an der Prinz-Friedrich-Karl-Straße errichtete Synagoge ist auf 200 Gemeindemitglieder ausgelegt - und damit inzwischen viel zu klein. Sowohl baulich als auch in Bezug auf die Lage sei das Museumsgebäude für ihn deshalb "ein angemessener Rahmen" für die neue Bedeutung der Dortmunder Gemeinde. Aber: "Das muss natürlich alles genau geprüft werden."
Das Schreiben der Gemeinde an die Stadt kommt nicht von ungefähr: In kleinstem Kreis haben Mitglieder der Stadtspitze Polak die Idee vorgetragen und dafür geworben - wohl wissend, dass man mit der Kultusgemeinde in der Debatte über Sinn oder Unsinn einer Aufgabe des Museums am Ostwall ein Pfund in die Hand bekommt, mit dem sich wuchern lässt. Gleichzeitig dokumentiert es - speziell den politischen Gegnern Langemeyers - mit welcher Hartnäckigkeit er seinen "U"-Museums-Traum weiter träumt.
Im Ältestenrat war der Brief letzten Donnerstag kurz Thema. Tenor: Im Moment ist das alles überhaupt kein Thema...
In Düsseldorf ist die Idee gleichwohl schon angekommen - bei Kultur-Staatsminister Grosse-Brockhoff. CDU-Fraktions-Chef Frank Hengstenberg hat es ihm erzählt. JAL"Das muss natürlich alles geprüft werden"
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