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Norbert Dickel

Als sich der Held noch leise freute

11.08.2009 | 18:48 Uhr

Wissen Sie noch, was Ihre erste Schallplatte war? Der Besitz der schwarz schimmernden Vinylscheibe markierte ein einschneidendes Erlebnis: das Ende der Kindheit, den Einstieg in die Teenagerzeit. Die erste Platte war nicht nur ein Statussymbol.

Es war auch ein Startsignal - für abends länger weg bleiben, ins Kino gehen, den ersten Kuss, die erste Zigarette. In einer neuen Serie spricht die WR mit Personen aus dem öffentlichen Leben über ihre erste Platte. Zum Auftakt: Norbert Dickel, der „Held von Berlin”.

Wenn Norbert Dickel in Erinnerungen schwelgt, spielt zumeist das Jahr 1989 eine Rolle. Das Jahr, in dem er mit zwei Toren im DFB-Pokalfinale bei allen Anhängern von Borussia Dortmund Heldenstatus erlangte. „Der Held von Berlin”, bei jedem Heimspiel bekommt der Stadionsprecher des BVB diesen Titel von den Fans erneut lautstark verliehen. Bei der Rückschau auf seinen aller ersten Titel auf einer Langspielplatte war der 47 Jahre alte ehemalige Top-Stürmer jedoch nicht sofort so treffsicher: „Da muss ich erst mal auf dem Dachboden nachschauen.”

Der Blick in die alten, verstaubten Kisten auf dem Speicher scheint sich gelohnt zu haben. Beschwingt, wie einem Jungbrunnen entsprungen, empfängt er tagsdarauf seine Gäste am Fahrstuhl. Dass er gerade einmal mehr mit seinem lädierten Knie beim Arzt gewesen ist, kann die gute Laune nicht trüben. „Bin ein alter Mann, aber egal.” Gleich zwei Plattencover von Cat Stevens liegen auf dem Besuchertisch seines Büros in der BVB-Geschäftsstelle am Rheinlanddamm. „Catch Bull at Four” aus dem Jahr 1972 und „Buddha and the Chocolate-Box” von 1974. Welche war die erste? Norbert Dickel legt sich fest: „Es muss die von 1974 gewesen sein, mit den Hits wie ,Oh very young' und ,Morning has broken'. Die andere habe ich mir später gekauft. Das muss wohl meine Schwof-Phase gewesen sein.”

Vom Taschengeld hatte der kleine Norbert als 13-Jähriger seine Platten bezahlt. Damals als das Leben des Nachwuchs-Torjägers der Sportfreunde Edertal im beschaulichen Sauerland noch Raum für musikalische Mußestunden ließ und das Profigeschäft noch weit entfernt war.

Jeden Mittwochabend hockte er sich vor das Radio, wenn Moderator Mal Sandock in der WDR-Diskothek die aktuellen Hits spielte, um auf dem neuesten Stand zu sein: „Mit dem Kassettenrecorder vor dem Radio habe ich die Musik aufgenommen. Die Kunst war, dass man zum richtigen Zeitpunkt auf den Record-Knopf drücken musste, um nicht die ganze Ansage drauf zu haben.” Und leise musste es sein. Jedes Husten gelangte sonst mit auf die Spur.

Nach der Schule in die Kneipe

Auf einen bestimmten Stil ließ sich Norbert Dickel nicht festlegen. Wenn es nach der Schule in die Bad Berleburger Musikkneipe „Kasimir” ging, um zusammen mit dem Lehrer die ersten Biere zu zischen, dann knallten Shack Attack, Deep Purple und Manfred Mann aus der Musikbox. Drei Songs für eine Mark. Heute gibt's die Lieder zum Herunterladen auf den PC. „Funk, Soul, auch mal ein Techno-Lied, jedoch am liebsten Handgemachtes”, beschreibt Norbert Dickel seinen derzeitigen Geschmack. Zwischen all den Bildern und Zeitungsausschnitten an den Wänden und in den Regalen, die an glorreiche Fußball-Tage erinnern, stapeln sich Hunder-te CDs. Die meisten jedoch bekommt Norbert Dickel ungefragt auf den Tisch. „Von Menschen, die glauben, den ultimativen BVB-Song geschrieben zu haben....”

Da möchte er doch lieber mal wieder in seine alten Scheiben hineinhören. Vor einiger Zeit hatte sich Dickel sogar einen Plattenspieler zugelegt. „Der steht jetzt auch auf dem Boden.” Dass sich der Weg dorthin lohnt, weiß er ja jetzt.

Gregor Boldt

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