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Stacking

Als Hochstaplerin zur Weltmeisterschaft

19.03.2010 | 18:05 Uhr

Dortmund. Es gibt so viele coole Sachen, die 15-Jährige in ihrer Freizeit in Dortmund machen können. Jill Claas hat sich für Becherstapeln entschieden. Das klingt aber gleich viel fetziger, wenn man den englischen Sporttitel hinzuzieht: Stacking.

Bei Jill Claas sieht der Bau von plastischen Plastik-Pyramiden nicht nur spielerisch leicht aus, sondern vollzieht sich auch in rasanter Geschwindigkeit. Der Betrachter kann mit bloßem Auge kaum folgen.

Stacking: Jill Claas aus Dortmund stapelt Würfel und Würfelbecher

„Das ist der Reiz am Sport-Stacking, immer schneller zu werden und andere zeitlich zu unterbieten”, sagt die Frau mit den flotten Händen. In der Königsdisziplin des Würfelbecherstapelns etwa, dem Cycle-Stacking, will sie zwei Dreier- und einen Sechser-Turm sowie dann zwei Sechser- und schließlich einen Zehner-Turm in sechs Sekunden plus x schaffen. Derzeit braucht sie, für den Auf- und Abbau wohlgemerkt, 7,4 Sekunden. Der Weltrekord liegt bei sagenhaften 5,55 Sekunden.

Ihre flinken Finger brachten die „Hochstaplerin” schon zu einigen nationalen wie internationalen Meisterschaften. In ihrer Altersklasse ist sie zweifache Europameisterin und einmalige deutsche Meisterin. Als solche reist sie jetzt vom 6. bis 12. April zu den Weltmeisterschaften ins amerikanische Denver. Dort kann zwar jeder – und etwa 100 Deutsche tun dies auch – teilnehmen, doch Finalambitionen wie Jill Claas und ihr European Allstars-Team haben nur die wenigsten. „Auch wenn es die stärkste aller Altersklassen ist, so müsste ich doch unter die besten Zehn kommen können.” Zumal sie aktuell gut in Form ist.

»Erwachsene sind einfach zu langsam«

Apropos: Die Stacking-Szene kommuniziert weltweit fast ausschließlich über das Internet, genauer gesagt über die Plattform YouTube. „Dort laden Tausende aus der Stacking-Szene Videos hoch, da vergleichen wir uns und unsere Zeiten.” Im Chat werden dann Tipps ausgetauscht.

Wie es zu all dem kam? Stefan Raab und seine Sendung TV total waren schuld. „Dort habe ich vor etwa drei Jahren Stacking zum ersten Mal gesehen, daraufhin habe ich mir Würfelbecher zum Geburtstag gewünscht und habe mir das mit der beiliegenden DVD dann selber beigebracht”, schildert Jill ihren Werdegang von der Nichts- zur Fast-Alles-Könnerin. Nach einem zwischenzeitlich halben Jahr Stapel-Pause hat sie nun auch ihre Klasse mobilisiert, die am Finale der deutschen Schulmeisterschaften im Sommer in – ausgerechnet – Gelsenkirchen teilnehmen wird. Und im Herbst 2010 wartet das Heimspiel am Flughafen Dortmund, wenn die deutsche Meisterschaft ansteht.

Ansonsten sei die Szene eher unter sich, in Dortmund kennt Jill Claas nur noch einen Stacking-Kollegen ihres Kalibers. Woran das liegt? „Erwachsene sind einfach zu langsam”, erklärt sie. „Bei Jugendlichen befindet sich das Gehirn noch im Wachstum. Es gibt in den USA zum Beispiel einen Vierjährigen, dessen Tempo absoluter Wahnsinn ist.”

Stacking: Jill Claas aus Dortmund stapelt Würfel und Würfelbecher

Wobei neben dem Spaß auch die Hand-Auge-Koordination und die Verknüpfung beider Gehirnhälften gefördert werde, sodass etwa Schlaganfall-Patienten auch Würfel(becher) stapeln. Nur halt laaaaaangsamer als Jill Claas.

Steffen Gerber

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