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Ako Karim - ein Gesicht der Nordstadt in Dortmund

14.12.2011 | 15:00 Uhr
Gesichter der Nordstadt, Herr Karim in seinem Lotto Laden Haydnstr.57 am 08.12.2011. Foto: Knut Vahlensieck

Dortmund.   Über die Nordstadt wird gesprochen – meistens nichts Gutes. Aber wie ist das Leben in der Nordstadt wirklich? Für Menschen aus dem Stadtteil, wie Ako Karim, dem Inhaber des Lotto-Ladens an der Haydenstraße.

Als Ako Karim aus dem Irak nach Deutschland kam, kannte er nicht einmal die Worte „ja“ oder „nein“. Heute beschweren sich die Kunden bei ihm über „die vielen Ausländer“ in der Nordstadt . „Die haben dich nicht gemeint, denke ich dann“, sagt Karim, der den Lotto-Laden an der Haydn-Straße führt. Ob seine Kunden vergessen haben, dass er selbst ein Migrant ist? Ob er nun, rund 30 Jahre nach seiner Einreise, für die anderen kein Ausländer mehr ist?

Ako Karim hat einen deutschen Pass, ist verheiratet mit einer Marokkanerin und hat zwei Kinder, 7 und 6 Jahre alt. Seit 2002 betreibt er den Lotto-Laden in der Nordstadt, vorher hatte er einen Kiosk in der U-Bahnstation Reinoldikirche. Eine Notlösung, denn Karim ist eigentlich Architekt. Für das Studium war er nach Deutschland gekommen.

Zunächst wollte er wieder zurück in den Irak. Doch dort herrschte Krieg. „Alle, die konnten, flüchteten“, sagt Karim. Zwei seiner Brüder – einer Arzt, einer Bauingenieur – gingen nach Norwegen. Ein weiterer wohnt ebenfalls in Dortmund, arbeitet als Chemiker. Auch Karim versuchte nach dem Studium an der FH in Dortmund als Architekt Fuß zu fassen. Aber es klappte nicht. „Ich sammelte eine Absage nach der anderen“, erinnert er sich. „Irgendwann sagte ich mir, egal, was ich in die Hand kriege, das mache ich“.

„Ich bin Realist“

1992, da war er 32 Jahre alt, lief er an dem leer stehenden Ladenlokal in der U-Bahn-Station vorbei. Er bewarb sich beim Liegenschaftsamt – und war fortan Kioskbetreiber. Seinem eigentlichen Beruf trauert er noch immer nach. „Aber ich bin Realist“, sagt Ako Karim. Trotzdem wirft er immer mal einen Blick in die Stellenanzeigen. Doch „jung und erfahren“ – „das bin ich bestimmt nicht“, sagt der 52-Jährige und lächelt etwas traurig.

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Was hat sich nach der Schließung des Straßenstrichs in der Dortmunder Nordstadt geändert? Wir haben uns mit der Polizei in dem Problemviertel umgesehen.

Vor allem, weil sein Laden in der Nordstadt keine sichere Bank für die Zukunft ist. Immer weniger Kunden kämen, viele Stammkunden aus den Anfangstagen habe er verloren. Vor allem ältere Nordstadt-Bewohner, die regelmäßig Lotto spielen. In der Innenstadt sei es durch die Laufkundschaft einfacher gewesen, Geld zu verdienen. Aber die Öffnungszeiten von 6 bis 20 Uhr in der U-Bahnstation seien nun mal nichts für einen Familienvater. Jetzt schließt er um 8.30 Uhr den Laden auf, macht um 18.30 Uhr Feierabend. Dann fährt er zu seiner Familie nach Marten, macht mit seinem Sohn Hausaufgaben.

„Meine Kinder fühlen sich als Deutsche“

Doch zehn Stunden und somit die meiste Zeit des Tages verbringt Karim in der Nordstadt. Seine Kunden sind Menschen, die in der Nachbarschaft wohnen, die zu Fuß eine Zeitung, Zigaretten oder Bier holen. 80 Prozent seien Stammkunden, schätzt Karim.

Wer oft zu ihm kommt, den kennt der 52-Jährige. „Ich rede mit den Leuten über ihre Arbeit, darüber was sie bedrückt“. Wie mit dem jungen Mädchen, das ganz traurig war, weil es seinen Arbeitsplatz verlieren würde. Hinter Hornbach. Auf dem ehemaligen Straßenstrich. Seit dem Frühjahr habe er sie nicht mehr wiedergesehen.

„Die Menschen sind nett“, sagt Karim. Sie grüßten auch, wenn sie nur draußen vorbeigingen. Draußen – dort wo es Drogenhandel und Schlägereien gibt. „Aber das ist nicht alltäglich“, sagt Karim.

Integrationskurs

Manchmal könne er verstehen, warum die Menschen über Ausländer schimpften, gesteht Karim. Denn es seien türkische oder marokkanische Männer, die vor seiner Tür Drogen verkauften. „Aber das ist nur ein kleiner Teil und die werfen ein schlechtes Licht auf den ganzen Rest.“

Ob er irgendwann zurück in den Irak will, weiß Karim nicht. Mittlerweile zögen viele wieder dorthin. „Aber meine Kinder wachsen hier auf. Und die fühlen sich als Deutsche.“ Und wie fühlt er sich? Als Ausländer, als Deutscher? „Ich weiß es nicht“, sagt Karim.

Christina Römer



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