Ärztin von Verdacht infiziert
15.02.2012 | 18:37 Uhr 2012-02-15T18:37:00+0100
Dortmund.Larissa Au ist ratlos und verzweifelt. Die Hautärztin bangt um ihren guten Ruf. Und sie bangt um ihre Existenz. In „normalen Zeiten“ schellt das Telefon rund 30 Mal am Tag, seit dem Freitag voriger Woche nimmt Arzthelferin Jennifer Wernicke nur noch ein bis zwei Mal den Hörer hoch.
Der Grund: Die Ärztin praktiziert in dem Haus an der Hagener Straße 376, das in der vergangenen Woche in die Schlagzeilen geriet . Aus diesem Haus wurden der praktische Arzt Dr. Dan P. und fünf weitere Ärzte wegen des Verdachts der betrügerischen Abrechnung mit der Kassenärztlichen Vereinigung angezeigt. Die Schadenssumme soll weit über zwei Millionen Euro betragen. Dr. Dan P. ist israelischer Staatsbürger und soll sich inzwischen nach Israel abgesetzt haben.
"Wir haben nicht zusammen gearbeitet"
„Viele Menschen denken jetzt, dass ich zu diesem Kreis gehöre“, sagt Au verzweifelt. „Aber wir haben eine selbstständige Praxis und haben mit diesen Ärzten, die unter Verdacht stehen, nicht zusammen gearbeitet. Ich möchte unter keinen Umständen mit ihnen in einen Topf geworfen werden.“
In den nächsten Tagen will die Fachärztin aufklärende Briefe an alle Dortmunder Hausärzte schreiben, ihre prekäre Situation erläutern und erklären, dass die Ärzte auch weiterhin an Patienten an sie überweisen können. „Alle Patienten sind uns nach wie vor willkommen. Wir praktizieren weiter.“
Vor fünf Jahren ließ sich die Medizinerin in Kirchhörde nieder. Als Nachfolgerin eines niederländischen Hautarztes, der mit Dr. P. zusammen gearbeitet haben soll. Vor ihrer Niederlassung sammelte die 51-Jährige, die gebürtig aus Taschkent/Usbekistan stammt, 20 Jahre lang Erfahrungen in deutschen Krankenhäusern.
Keine Infos in der Apotheke
Im Internet ist die Seite des „Privatärztlichen Facharztzentrums Kirchhörde“ inzwischen gelöscht. Dagegen gibt es im Eingangsbereich des Hauses an der Hagener Straße jede Menge Hinweise. Die Mehrzahl der ausgeschilderten Ärzte gibt handschriftlich - in Deutsch und/oder Russisch - Auskunft über die neuen Praxis-Anschriften.
Alleinige Mieter im Haus sind nur noch die Hautarztpraxis Larissa Au und die Apotheke im Erdgeschoss. Auch in der Apotheke ist ist man offensichtlich leicht genervt und hat die ständige Fragerei satt. Darüber informiert der Zettel an der Haustür mit folgendem Inhalt: „.... Bitte sehen Sie davon ab, detailliertere Auskünfte in der Apotheke erfragen zu wollen, da wir auch über keine weiteren Informationen verfügen.“
Sehr erstaunt war auch der Vermieter der Immobilie, Dietmar Düffel. Er bestätigt, dass Dr. Dan P. der Hauptmieter der inzwischen verlassenen Praxisräume sei, und dass das Mietverhältnis bis dato noch nicht gekündigt wurde. Auf die Frage, ob P. denn noch Miete zahle, wollte Düffel nicht antworten.
Er stehe nicht mit P. in Kontakt und habe von der Auflösung und Schließung der Praxisgemeinschaft durch P.’s Anwalt erfahren, erklärt er. „Ich war von dieser Entwicklung sehr überrascht.“ Düffel ist bemüht, die 400 Quadratmeter „in bester Lage“ baldmöglichst zu vermieten. Gerne an Ärzte, „um die gewohnte Normalität wieder ins Haus zu bringen“.
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