Ärzte weigern sich, Rumänen und Bulgaren zu behandeln

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Eine Rumänin und eine Bulgarin werfen Dortmunder Ärzten vor, sie wegen ihrer Herkunft aus ihren Praxen geworfen zu haben. Beide Frauen leben seit Jahren in Deutschland, haben einen Job und eine deutsche Krankenversicherung - doch das war den Ärzten offenbar egal.

Dortmund.. Die bulgarische Hebamme M. lebt seit 2010 in Deutschland, arbeitet festangestellt beim Gesundheitsamt. Vor 14 Jahren ist die Rumänin T. nach Deutschland gekommen, arbeitet als Dolmetscherin für das Gesundheitsamt und macht eine Ausbildung zur Rechtsanwaltsfachangestellten. Beide Frauen sind Mitglieder einer deutschen Krankenversicherung.

Und beide Frauen sind von Ärzten nicht behandelt worden, weil sie eben aus Rumänien und Bulgarien kommen. Die Vorgesetzte von M. und T. beim Gesundheitsamt, Dr. Annette Düsterhaus, spricht von "skandalösen Vorfällen". Düsterhaus kennt noch weitere Fälle von Diskriminierung.

Von Kinderärzten abgewiesen

Monat für Monat hört die Leiterin des Gesundheitsamtes von bulgarischen und rumänischen Müttern, die in die Spezial-Sprechstunden des Amtes kommen, weil sie abgewiesen wurden von Kinderärzten und anderen Medizinern."Außerhalb eines Notfalls ist ein Arzt nicht zu einer Behandlung verpflichtet. Er könnte mit einer Überfüllung der Praxis argumentieren", sagt Düsterhaus.

Aber in diesen Fällen dränge sich doch der Verdacht auf, dass es den betreffenden Medizinern - Namen nennt sie nicht - zu kompliziert sei, nach der Europäischen Krankenversicherungskarte abzurechnen, wenn die Patienten im Ausland versichert sind. Oder dass es sich doch um Diskriminierung handele.

Nur im Notfall

Von Seiten der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) heißt es, dass ein Arzt einen Menschen nur dann behandeln müsse, wenn es sich um einen Notfall handele."Wenn kein Versicherungsschutz vorliegt, muss man niemanden behandeln, der kein Notfall ist," sagt Dr. Prosper Rodewyk, Bezirksstellenleiter der KV, "ich kann keinen Arzt dazu zwingen, etwas zu tun, für das er kein Geld bekommt."

Zum Rauswurf der beiden Frauen M. und T. sagtRodewyk: "Das ist schlecht."Das Misstrauen der Kollegen sei groß, weil es in der Vergangenheit viele Betrugsfälle mit Versicherungskarten gegeben habe.
Auf einer Hintergrundseite berichten die Ruhr Nachrichten in der Ausgabe vom 17. Januar 2014 (Lokalteil) über die Notversorgung für Zuwanderer im Dortmunder Gesundheitsamt und über Dimitar Tachkovs Blick auf die Osteuropa-Debatte. Die Ausgabe gibt es auch als eZeitung.