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Ärzte am Klinikum sollen sich "stärker ins Zeug legen"

19.11.2012 | 16:58 Uhr
Ärzte am Klinikum sollen sich "stärker ins Zeug legen"
Foto: WAZ FotoPool

Dortmund.   Das Defizit von 6 Mio. Euro stand am Montag im Mittelpunkt einer Aufsichtsrats-Sitzung des Klinikums. Fazit: Schuld sei ein Mix aus äußeren Bedingungen und internen Problemen. So musste Aufsichtsratsvorsitzender Ullrich Sierau mit Erstaunen feststellen: Abteilungen brach liegen, weil Ärzte gleichzeitig im Urlaub oder auf Fortbildungen sind.

Das unerwartete Defizit am Klinikum Dortmund stand im Mittelpunkt einer Klausurtagung des Klinik-Aufsichtsrates. Fazit: Das Minus von bis zu sechs Millionen Euro in diesem Jahr stammt aus einem Mix aus ungünstigen äußeren Rahmenbedingungen, hausinternen Problemen sowie fehlender Fortune.

Bei allen erkannten Schwachstellen will Aufsichtsratsvorsitzender und OB Ullrich Sierau die Stellschrauben anziehen. Von den Ärzten erwartete er, dass „sie sich stärker ins Zeug legen“. Mit Erstaunen habe er erfahren, dass Abteilungen brach liegen, weil die Ärzte gleichzeitig im Urlaub sind. Oder auf Fortbildungen, wie der Ärztliche Direktor Prof. Michael Schwarz präzisierte. Es dürfe nicht sein, dass die Patienten aus diesem Grund woanders hingeschickt werden müssen.

Die Fallzahl sei zwar nochmals und über dem Landesdurchschnitt erhöht worden, aber bei den schweren Fällen, die besonders hohe Erlöse bringen, gab es Rückgänge. Unter anderem, weil der neue Zentral-OP noch nicht rund läuft.

Fünf Millionen Euro mehr muss das Klinikum an tariflichen Mehrkosten berappen, dazu kommen Mindereinnahmen von 4,4 Mio. Euro für die weniger schweren Fälle.

Das Klinikum will künftig schneller reagieren - und nicht nur einmal im Jahr auf die Kennzahlen schauen, sondern wöchentlich. Es gebe zwar keinen generellen Einstellungsstopp, aber in der aufgestockten Pflege und in der Verwaltung würden vakante Posten so schnell nicht wiederbesetzt. Ein neuer Anästhesist sei hingegen bereits am Montag eingestellt worden.

„Ohne Veränderung der Rahmenbedingungen werden wir es nicht erleben, dass das Klinikum nachhaltig in die schwarzen Zahlen kommt“, beklagte Sierau die Benachteiligung von NRW-Krankenhäusern bei der Abrechnung. Er werde sich bei allen sich bietenden Gelegenheiten für ein Ende dieser Benachteiligung einsetzen.

Sierau: „Auch 2013 wird ein schwieriges Jahr in einem schwierigen Umfeld. Gemeinsam wollen wir versuchen, mit einer Allianz für Krankenhäuser auf allen politischen Wegen wie Parteien und Städtetag, die Ungerechtigkeiten in der Unterfinanzierung deutscher Krankenhäuser zu bekämpfen.“

Auf verschiedenen Ebenen will das Klinikum um die Patientenschaft werben. Unter anderem bei niedergelassenen Ärzten, die angeblich kein aktuelles Bild von der Leistungsfähigkeit des Klinikums haben, außerdem bei anderen Krankenhäusern, mit denen man eine strategische Partnerschaft eingehen wolle und schließlich mit einem Mehr an Patienten-Orientierung. Dazu soll im nächsten Jahr ein Patientenforum eingerichtet werden.

Gerald Nill


Kommentare
20.11.2012
12:05
Legt euch stärker ins Zeug ....
von Peter-von-Lustig | #7

.... ihr faulen Säcke - ruft der OB als Steuermann im Achter des Klimikum Dortmund und die gut bezahlte Aufsichtsratvertreter aus Gewerkschaften und Politik, die 3 Plätze besetzen stimmen ebenso zu, wie der psychologishe Coach und der Vertreter des Beratungsunternehmens auf den Plätzen 4 und 5. Da legen sich die Ärzte (6), die Pflegekräfte (7) und der Vertreter der Krankenhaustechnik (8) noch mehr in das Zeug und versuchen den Achter in Richtung Ziel zu bringen - wahrscheinlich wird es nun aber was werden! Tja - wenn da nicht diese NRW-Flachwasserzone und die von Bundespolitik und den Krankenkassen ausgesetzten Wasser-Schlingpflanzen wären ...... Aber - zumindest ist man ja auf dem Weg und der ist bekanntlich manchmal ja auch schon ein Ziel!

20.11.2012
09:52
Ärzte am Klinikum sollen sich
von Syndikus | #6

Klar: wenn man es nicht hinbekommt, dann liegt es an einer angeblichen "Benachteiligung der Krankenhäuser in NRW". Komisch nur, dass man Krankenhäuser woanders wirtschaftlich mit Erfolg betreiben kann (und zwar auch in NRW und sogar in Dortmund und Umgebung!). Vielleicht gibt es ja doch einen Zusammenhang mit der langjährigen Besetzung von Spitzenpositionen mit - fachlich nicht ausreichend qualifizierten - Genossen?

20.11.2012
02:53
So wird das was!
von footballfactory | #5

"Das Klinikum will künftig schneller reagieren - und nicht nur einmal im Jahr auf die Kennzahlen schauen, sondern wöchentlich."

Das Hilft. Nicht wie bei jedem Konzern Quartalsberichte abgeben, NEIN, den Verwaltungsaufwand noch künstlich aufblähen um JEDE WOCHE Kennzahlen an den Ulli liefern zu können.
Gibt der Ulli eigentlich auch jede Woche einen Bericht raus was er in dieser Woche wieder für die Stadt getan hat?? Ärzte retten gelegentlich noch Leben, was macht der Ulli ausser sich bei PR Veranstaltungen blicken zu lassen und Steuergelder zu kassieren?

20.11.2012
02:46
Ärzte am Klinikum sollen sich
von footballfactory | #4

"Bei allen erkannten Schwachstellen will Aufsichtsratsvorsitzender und OB Ullrich Sierau die Stellschrauben anziehen. Von den Ärzten erwartete er, dass „sie sich stärker ins Zeug legen“."

Viel Glück, Ulli. Die Schulden-Partei-Deutschland wälzt das natürlich mit Hilfe der WR genüsslich auf die Ärzte ab.
Die Ärzte wünschen sich auch das "der Ulli Sierau sich mehr in Zeug legt". Passiert aber auch nicht. Vielleicht mal weniger rumsülzen und mehr Handeln, Herr Sierau.

19.11.2012
19:05
Ärzte am Klinikum sollen sich
von xxyz | #3

Die angesprochenen Faelle zeigen, dass das Defizit nicht im Umfeld etc. Liegt.

Wenn man aus der Privatwirtschaft kommt, ist es interessant zu sehen, wie der oeffentliche Bereich arbeitet.

Sollen die Arzte jetzt jeden Totaloperieren, nur damit ausgelastet wird?


19.11.2012
18:03
Warum darf ein Klinikum eigentlich nicht, was in der Kultur in Dortmund normal ist ?
von Ratsmitglied | #2

Das Theater erhält jedes Jahr einen Betriebskostenzuschuss von rund 31,5 Mio. Euro, das Konzerthaus macht jedes Jahr 5 Mio. Euro Defizit, der U-Turm verschlingt rund 10 Mio. Euro Betriebskosten, der Flughafen erwirtschaftet 20 Mio. jährliche Verluste. Alle diese Einrichtungen sind für die Dortmunder Bevölkerung weniger wichtig als das Klinikum. Die Gesundheit ist schließlich das höchste Gut überhaupt.

Irgendwie ist es mir aber wichtiger gut medizinisch versorgt zu werden, als ins Balett gehen zu können. Da stimmen doch die Prioritäten nicht !

19.11.2012
17:48
Ärzte am Klinikum sollen sich „stärker ins Zeug legen“
von Peter-von-Lustig | #1

Wenn der Bergmann nicht schwimmen kann, dann liegt das an der Badehose - woll! Das Ärzte-Bashing von OB Sierau ist ja kaum zu toppen und ein Hohn, wenn man sich die politisch gewollte und gedeckte unfähige, fachlich inkompetente, aufgeblähte und überteuerte Verwaltung des Klinikums anschaut. Mechthild Greive (SPD) mit ca 250 000 Euro im Jahr, Ortwin Schäfer (VERDI) als Arbeitsdirektor mit mehr als Dezernentengehalt und sogar der Pressesprecher des Klinikums Kühn verdient als Beamter mehr als mancher Amtsleiter der Stadt Dortmund! Klar, dass da die Ärzte mehr "ran" müssen - irgendwo muss das Geld ja schliesslich herkommen. Das ob solcher Verwirrungen um das Klinikum Patienten das Vertrauen verlieren könnten - ist das Sierau vielleicht nicht in den Sinn gekommen?

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