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Planungsrisiko

Abseitsfalle fürs Fußball-Museum in Dortmund

07.04.2011 | 17:00 Uhr
Abseitsfalle fürs Fußball-Museum in Dortmund

Dortmund.Der Bau des Fußball-Museums am Königswall ist noch nicht in trockenen Tüchern. Denn erst einmal muss der Zentrale Omnibusbahnhof (ZOB) von der Süd- auf die Nordseite des Hauptbahnhofs umziehen. Der Versuch, dafür Planrecht zu schaffen, könnte der Stadt Ärger einbringen. Am neuen Standort herrscht jetzt schon „dicke Luft“. Und zu laut ist es dort auch schon.

Als - sogar mit Abstand - besten Ausweichstandort für den Busbahnhof ist die Freifläche am nördlichen Bahnhofsausgang zwischen Kino / Auslandsgesellschaft und Hauptpost an der Kurfürstenstraße ausgeguckt. Baurecht muss dort erst noch geschaffen werden - durch den Bebauungsplan „InN - ZOB Steinstraße“.

Gäbe der Rat den Stadtplanern schon jetzt grünes Licht, würde er seine Amtspflichten verletzen. Und das gleich aus mehreren Gründen.

Schon jetzt gehört der Straßenzug Treib-, Grüne, Stein- und Heiligegartenstraße als wichtige Ost-West-Achse der Nordstadt zu den meist befahrenen Straßen in Dortmund.

Video
2014 soll das DFB-Fußballmuseum gegenüber des Dortmunder Hauptbahnhofs öffnen. Welche Idee dahintersteckt, zeigt dieser Animationsfilm.

Im Juni 2010 wurden östlich der Leopoldstraße 16 400 Fahrzeugbewegungen pro 24 Stunden gezählt, westlich der Schützenstraße waren es sogar mehr als 20 000. An der Verkehrslast hatten die Lkw einen Anteil von 2,3 bis 7,9 % tagsüber und 1,8 bis 7,3 % des Nachts. Wobei die hohen Lkw-Anteile nur auf dem Abschnitt zwischen Schützen- und Kurfürstenstraße erreicht werden. Hier rollen täglich 390 Linienbusse, hier liegt die Zufahrt zur Hauptpost.

Lärm und Abgase

Gerade auch wegen der hohen Verkehrslast gehört die vierstreifige Achse zwischen Sunderweg und Bornstraße zu den Sorgenkindern der Umweltschützer. Kein jetzt schon extrem lärm- und abgasgeplagter Anwohner müsste dulden, wenn man ihm - mit dem ZOB - einen zusätzlichen Verkehrserzeuger vor die Haustür setzt. Selbst wenn sich das Plus an Kfz-Bewegungen in Grenzen hält. Die Stadtplaner schreiben den Status Quo fort: 180 Bus- und 240 Pkw-Fahrten am Busbahnhof.

Ein Gutachter, so erfährt der Umweltausschuss des Rates, hat ermittelt, dass es an jenen fünf Stellen, wo die höchsten Schadstoffwerte zu erwarten stehen, schon jetzt zu Grenzwertüberschreitungen kommt. Weniger beim Feinstaub (PM 10), umso mehr beim Stickstoffdioxid: Trotz des Durchfahrtverbots für Lkw (über 3,5 t) und Plakettenzwangs werden an dem Straßenzug schon heute Jahresmittelwerte zwischen 42 und 55 Mikrogramm pro Kubikmeter Atemluft gemessen - zulässig sind maximal 40.

Käme der Busbahnhof hinzu, sei mit einem Mehraus-stoss an Stickstoffdioxid um 0,8 bis 2,0 % und beim Feinstaub um 0,5 % zu rechnen.

Seit Februar liegt ein Schallschutzgutachten vor. Ergebnis: In den Wohngebieten müssen mit Lärmpegeln von 70 dB (A) tags und 60 nachts gerechnet werden. Im Nahbereich wird’s noch lauter. Was auf den Etat durchschlägt: Die Stadt müsste auf ihre Kosten an 67 großen Mietshäusern, davon 23 an der Grüne- und 19 an der Treibstraße, schallfressende Verglasung einbauen lassen. Kostenpunkt: 1,3 Mio. Der ZOB-Umzug selbst soll - angeblich - für 570 000 Euro zu haben sein.

Den zusätzlichen Abgasen wäre damit noch kein Riegel vorgeschoben. Zur Kompensation machen die Planer einig Vorschläge. So könnten die Stadtwerke ihre Hybridbusse (90 % weniger Feinstaub, 40 % weniger Stickstoffdioxid) auf den fraglichen Linien konzentrieren - mindestens aber ihre Busse mit den besten Abgaswerten. Zudem könnten die Verkehrsbetriebe die Busse auf der Linie 460 (Kirchlinde/City) künftig südlich des Hauptbahnhofs rollen lassen - 94 Fahrten am Tag. Auch könnte die Ampel an der künftigen ZOB-Ausfahrt so ausgebaut ausgebaut werden, dass die Fernbusse direkt nach Westen abbiegen können und keinen Umweg über Stein-, Leopoldstraße und Mallinckrodtstraße mehr machen müssen.

Rolf Maug

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Kommentare
08.04.2011
11:55
Abseitsfalle fürs Fußball-Museum in Dortmund
von r.wawziniak | #2

Es gibt Geschichten, die dürfte es einfach gar nicht geben.
Was für ein Standing haben die Führungspersonen aus Verwaltung und Politik,
in dieser Stadt?
Pleiten Pech und Pannen pflastern ihren WEG.
Was kann diese Führungselite eigentlich richtig machen.
Was hat diese Führungselite eigentlich in den letzten Jahren richtig gemacht?
Welches Problem in der Stadt hat diese Führungselite“ effektiv gelöst?
Eliten“ sollten doch den Anspruch haben, Aufgaben lösen zu können.
Was zeichnet den Personenkreis aus, der sich selbstverständlich als Elite bezeichnet?
Fassen wir zusammen: Bahnhof Umbau versagt; Klinikum Umbau - Finanzierung versagt; Flughafen - Defizit - Haushaltssanierung versagt,
U - Turm versagt; und jetzt das Fußball - Museum!
Die politische Klasse, die vorgibt eine Führungselite zu sein, präsentiert ein Ergebnis - Ergebnisse, die diametral zu ihren Ansprüchen stehen.
Halten wir es mit dem Journalisten Dieter GÜTT der einmal anmerkte:
Elite ist der Glaube an die Unfehlbarkeit des eigenen Handeln, an die eigene Urteilskraft.

Die Geschichte zeigt aber, dass die Eliten ihren Anspruch nie gerecht werden konnten.

07.04.2011
20:33
Abseitsfalle fürs Fußball-Museum in Dortmund
von HeinrichLeue | #1

Der jetzige Omnibusbahnhof ist eine einzige Zumutung (Zu weit entfernt vom Hbf, zu enge Bahnsteige, kaum Anlieferungsmöglichkeit, keine Überdachung etc) und im Vergleich zu anderen ZOB des Umlandes eine Katastrophe.

Ein neuer, grösserer ZOB nördlich des Hbf mit direkter Einfädelung in die Hauptverkehrsache und direkter Anbindung an den Hbf - ist die geplant und finanzierbar? - wäre - bei richtiger Planung und Realisierung - ein Gewinn für Dortmund. Aber - wer hat das Geld für einen grossen Wurf eines Dortmunder ZOB, der auch internationalen Vergleichen standhält?

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