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Abenteurer in sozialer Mission

24.07.2008 | 19:45 Uhr

Australien, USA, England: Das Jahr im Ausland ist für viele junge Menschen inzwischen eine Selbstverständlichkeit geworden. Der 19-jährige Christian Degenhardt verzichtet allerdings auf Urlaubsatmosphäre und sucht das Abenteuer. ...

Ab nach Südamerika: Christian Degenhardt (19) bringt in Kolumbien kulturelle Aktivitäten zu Kindern und Jugendlichen aus benachteiligten Familien. (Bild: Horst Müller)

... Er macht sich auf nach Kolumbien. Schon lange bevor er das Abiturzeugnis vom Helene-Lange-Gymnasium entgegen nehmen durfte, hatte der junge Mann den Plan: Weg aus Dortmund, hinaus in die Welt. Statt Wehr- oder Zivildienst entschied er sich für ein freiwilliges soziales Jahr, das auch im Ausland absolviert werden kann. Touristisch erschlossene Ziele interessierten Christian Degenhardt nicht. "Wenn ich schon gehe, dann richtig", sagt er heute, wenige Tage vor der Abreise.

Nach drei Jahren Schulspanisch bot sich Südamerika an. Der Dortmunder interessierte sich besonders für Projekte in ärmeren Ländern. Über das Austauschprogramm ICJA gelangte er zur kolumbianischen Initiative "Cultura para todos" - Kultur für alle. In der Stadt Facatativa, 40 Kilometer entfernt von der Hauptstadt Bogotá, kümmert sie sich um Kinder und Jugendliche aus benachteiligten Familien. Sie versucht, Malerei, Theater und Tanz zu den jungen Menschen in die Vororte zu bringen, um ihnen weite und mitunter gefährliche Wege zu ersparen. Denn Kolumbien ist nicht gerade für seine niedrige Kriminalitätsrate bekannt.

Christian Degenhardt hat bei den Berichten über die Geiselnahmen durch die FARC-Rebellen natürlich genau hingeschaut. Was ihn nicht davon abhalten wird, das Land abseits des Jobs auch etwas auf eigene Faust zu erkunden. "Es wird genug Leute geben, die mir sagen, wo man hingeht und wohin besser nicht."

Zur Vorbereitung auf das freiwillige soziale Jahr hat sich der 19-Jährige mehrfach impfen lassen und auch ein Moskitonetz eingepackt. Sein Reiseziel Facatativa ist eben kein Mallorcastrand. Zumal die Stadt in etwa 2500 Metern Höhe und etliche Kilometer vom Meer entfernt liegt. Das Klima ist hier zwar konstant, aber die Temperaturen klettern selten über 20 Grad.

Die weite Reise nach Kolumbien wirft auch das Problem der Finanzierung auf. Die Arbeit wird nur mit einem Taschengeld honoriert, Flug und Lebenshaltung muss Degenhardt, der bei einer Gastfamilie wohnen wird, weitgehend selbst finanzieren. Hinzu kommt eine monatliche Spende von 300 Euro an ICJA zur Förderung des weltweiten Jugend-Austausches. Also musste der Abiturient in der Verwandtschaft und bei Freunden Geld sammeln. Der Anfang ist gemacht, den Rest muss er von Kolumbien aus akquirieren. Die Spender wird Degenhardt per E-Mail auf dem Laufenden halten. Viel Gelegenheit für Abenteuergeschichten aus den Anden.

Von Felix Ehlert

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