ABC-Einsatz wegen Pfefferspray am Dortmunder Westenhellweg
04.04.2011 | 18:55 Uhr 2011-04-04T18:55:00+0200
Dortmund.Aufruhr in Dortmunds Fußgängerzone: Am Westenhellweg 43 durchsuchte die Feuerwehr mit voller Montur ein Bekleidungsgeschäft, nachdem 20 Personen über gereizte Schleimhäute geklagt hatten. Bei dem groß angelegten ABC-Einsatz in der „Jack & Jones“-Filiale stellte der Spezialtrupp aber vermutlich „nur“ Pfefferspray oder CS-Gas fest. Die Messgeräte gaben keinen Hinweis auf giftigere Substanzen.
Riesengroßer Aufwand, 20 Opfer mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen, aber kein bedrohlicher Gift-Alarm: Gegen 18.30 Uhr erhielten Dortmunds Feuerwehrleute am Montagabend die Nachricht, dass ein ABC-Einsatz am Westenhellweg 43 bevorstehe. Die Filial-Leiterin von „Jack & Jones“ berichtete, dass mehrere Mitarbeiter und Kunden plötzlich über starken Husten klagten. Daraufhin wurden die Spezialeinheit ABC (atomare, biologische und chemische Gefahren) und der Rettungsdienst alarmiert. Überall in der City war das Heulen der Sirenen zu hören.
Konkret meldeten sich im Laufe des Abends 20 Frauen und Männer, überwiegend Kunden aus dem Erdgeschoss, mit gereizten Schleimhäuten (darunter ein Fall von tränenden Augen), woraufhin der Atemschutztrupp mit Chemikalienschutzanzügen in das geräumte Bekleidungsgeschäft ging. Das Bekleidungsgeschäft mitten in der Fußgängerzone war bereits beim Eintreffen der Einsatzkräfte geräumt. Zahlreiche Polizisten riegelten den Bereich inklusive der Seitenstraße mit Flatterband ab, der etwa eine Stunde später wieder freigegeben wurde.
Ein orange gekleideter ABC-Trupp der Dortmunder Feuerwehr, die just an diesem Wochenende eine Großübung für solche Gefahrenslagen absolvierte , durchsuchte die Räumlichkeiten - und fand nichts. Das Messgerät zeigte laut Feuerwehrsprecher Boris Thiemrodt in allen Etagen keinen Ausschlag als Hinweis auf gefährliche Stoffe an. Pfefferspray oder CS-Gas haben vermutlich die Reaktion bzw. den Reizhusten ausgelöst. Da der Einsatz sehr geordnet und ohne Hektik ablief, vermuteten Augenzeugen frühzeitig, dass ein nicht ganz so giftiger Stoff den großen Aufruhr verursacht hat.
Feuerwehr und Polizei gehen davon aus, dass in dem Laden eine Art Pfefferspray freigesetzt wurde, das sich bis zum Einsatz der Wehr verflüchtigt hatte. Aus Sicherheitsgründen muss das Geschäft weiterhin geschlossen bleiben. Alle weiteren Maßnahmen liegen nun beim Gesundheitsamt.
Zwei Verletzte ins Krankenhaus
Die betroffenen Personen mit Atembeschwerden wurden von zwei Notärzten untersucht und vom Rettungsdienst in einem großen Feuerwehr-Bus betreut. Zwei von ihnen wurden vorsorglich zur weiteren Beobachtung ins Krankenhaus gebracht, alle anderen blieben unverletzt.
Etwa 40 Kräfte waren im Einsatz, hinzu kamen Polizisten. Zahlreiche Passanten verfolgten hinter dem abgesperrten Bereich das Geschehen. Besondere Aufmerksamkeit galt der Sondereinheit ABC mit ihren auffälligen Anzügen und den Atemmasken.
20:48
@ #6
Sie werden es vermutlich nicht wissen aber die Polizei verwendet bei Bedrohungslagen - auch solche mit ABC-Stoffen - eine flexible und abgestufte Interventionsstrategie. Ansonsten müsste sie nahezu täglich die Innenstadt wegen Bombendrohungen grossräumig absperren und wegen Lebensmittelerpressungen wäre ein normales Einkaufen im Supermarkt auch kaum möglich.
Wissen sie eigentlich, was hinter den Kulissen vorgeht? Schon mal mit den Begriffen Risikobewertung, Lageabschätzung und Verhältnismässigkeit umgegangen? Kennen sie beim Autofahren auch nur den Begriff Vollgas? Wie wird in anderen Kommunen mit solchen Gefahrenlagen umgegangen? Kann es sein, dass die Stationierung einer ABC-Spezialeinheit in Dortmund derzeit noch zur einen und anderen übungsmässigen Überreaktion führt?
18:23
Sehr geehrter Herr Leue, ich würde vorschlagen, dass Sie demnächst von der Feuerwehr zu solchen Einsätzen alarmiert werden. Sie scheinen sich ja sehr gut auszukennen. Sie gehen dann einfach los, nehmen ne Nase und sagen dann bescheid ob es was ernstes ist.
10:23
@ #4
Leider sieht das anders aus: Für überzogene Einsätze der Gefahrenabwehrbehörden muss der Verursacher nicht zahlen - so die höchstrichterliche Rechtsprechung dazu.
Immer mehr Menschen - insbesondere junge Frauen - führen legale Abwehrsprays in ihren Handtaschen mit. Woran das wohl liegen mag? (Siehe hierzu die Blaulichtseite der Medien oder unter Nordstadt)
Wenn so eine Spraydose nicht richtig gesichert ist, dann kann schon mal Reizgas in der Handtasche freigesetzt werden. Strömt das dann in den umgebenden Raum, führt es auch in nicht mehr messbarer Verdünnung zu leichten Reizungen der Schleimhäute. Was da hilft ist lüften und abwarten. Die Betroffenen können mit Wasser Augen, Nase und Rachen ausspülen - und schon ist der Spuk vorbei.
Aber - wenn man auf Nummer sicher gehen will, dann sollte die Polizei und Feuerwehr demnächst Sperrbereiche einrichten und alle Personen auf atomare Kontamination prüfen und vorsorglich gegen B-Kampfstoffe desinfizieren, dekontaminieren und prophylaktisch medizinisch behandeln. Der Aufweand wäre dann deutlich grösser als bei der ABC-Übung am 2.4.2011.
Vielleicht hilft es aber auch, wenn die Gefahrenabwehrbehörden mal ihre Interventionsstrategien kritisch prüfen und verfeinern? Es kann doch nicht Ziel sein, dass die Bevölkerung immer häufiger verschreckt und latent verängstigt wird - oder?
10:05
Wird wohl kaum zu ermitteln sein wer das war. Falls doch, dann bitte eine fette Rechnung präsentieren. Die kann er ja ruhig in Raten abzahlen, dann muss er halt die nächsten 10 Jahre 100€ pro Monat abdrücken.
09:41
Welcher der vielen friedliebenden Dortmunder Jugendlichen da wohl wieder auf die Tube gedrückt hat? Von Geisterhand steht ja wohl kaum plötzlich eine Reizgaswolke im Raum... Sehr merkwürdig.
09:40
Photo 2,3,4,5,6 zeigen doch das total gleiche Motiv, man kann keine großen Unterschiede zwischen den Photos feststellen, da hätte doch ein einziges gereicht, oder?
08:51
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