Pleiten : Dortmunds Kioske kämpfen um ihre Existenz

Dortmund. Sie gehören zum Stadtbild, ihre „gemischten Tüten” prägen Kindheitserinnerungen, sie sind d i e Treffpunkte in den Stadtteilen - und: Sie stehen vielerorts vor dem Aus. Kioske.
Die Goldenen Zeiten sind Geschichte. Die Nische, die sich über Jahrzehnte erfolgreich bedienten, verschwindet von Tag zu Tag. Kunde um Kunde. Die Erkenntnis ist bitter. Rita Dorawa weiß das. Über 20 Jahre war „Rita's Kiosk” Dreh- und Angelpunkt im beschaulichen Menglinghausen. Jenseits der Waren hatte sie für jeden ein freundliches Wort. Eine Institution. Anlaufstelle. Nachrichtenzentrale. Nahversorger für Jung und Alt. In der nächsten Woche muss sie dicht machen.
»Ich sitz' stundenlang allein hier - und keiner kommt.«
David hat den Kampf gegen Goliath verloren. Der Kaufland-Markt in Barop war zu mächtig. Hat ihr das Wasser abgegraben. Seit Monaten sitzt sie auf dem Trockenen. Die Kunden kommen nicht mehr. Das Risiko, ganz pleite zu gehen, ist zu groß, sagt die 54-Jährige. Mit ihrem Kiosk schließt sie ein langes Kapitel ihres Lebens ab, ein weiteres Stück Ruhrgebiet verschwindet.
Wie groß die Sorgen sind, beweisen die Fehlschläge von Kioskbetreibern. Etwa an der Münsterstraße. Allein im Jahr 2008 versuchten hier drei neue Kioskbetreiber ihr Glück. Alle sind sie schon wieder von der Bildfläche verschwunden. Keine Einzelfälle, wie man bei der Gewerbeanmeldung bei den Bürgerdiensten weiß. 121 Kioske sind hier gemeldet, sagt Jürgen Groß. Im letzten Jahr gab es einen nie dagewesenen Inhaber-Wechsel. Wenn der wirtschaftliche Druck zu groß wird, werfen viele die Brocken hin, die nächsten Pächter versuchen ihr Glück. 2008 zählten die Bürgerdienste 62 Inhaberwechsel und 24 Gewerbeabmeldungen. Das Ende einer langen Entwicklung.
Mit den Tankstellen fing alles an
Erst machten die Tankstellen Konkurrenz. Wo es vorher Bezin gab, konnten die Kunden plötzlich auch für den Kühlschrank einkaufen. Die wenigsten Tankstellen verzichten heute auf das lukrative Geschäft, dass sie mit ihren Shops machen. Noch stärker macht den Kiosken zu schaffen, dass immer mehr Supermärkte ihre Öffnungszeiten bis 22 Uhr ausdehnen und damit die Abendkundschaft abfischen, weiß auch Ingrid Grondowski. Sie arbeitet „Bei Tante Erika” am Hörder Clarenberg. Ein schwieriges Viertel mit speziellen Kunden. „Die veränderten Öffnungszeiten führen manche in die Krise”, sagt die 60-Jährige: „Lebensmittel gehen kaum noch.” Ohne Stammkundschaft ist schicht. Lollys für die Kinder von der Grundschule nebenan. Wodka am Morgen für Kunden, die nicht mehr arbeiten müssen. Das Geschäft hängt an der Lohntüte. Bis zum zehnten des Monats läuft's noch okay. Dann erst wieder, wenn das Kindergeld kommt, sagt sie und kassiert 98 Cent.
Wer glaubt, in der City rolle der Rubel wie eh und je, irrt. Seit 14 Jahren steht Johanna Scholz hinter der Durchreiche der „Trinkhalle Sari” am Ostenhellweg. Laufkundschaft satt. Doch auch hier wird's eng. Ob Schlecker oder Rewe, die Ketten machen den Kiosks das Leben schwer, bieten dieselben Waren, aber günstiger, weil sie Großabnehmer sind. „Früher sagten die Leute: 'Ich kauf mal kurz was beim Kiosk' - heute laufen sie in drei Läden, um so wenig wie möglich zu bezahlen.” Ob Wirtschaftskrise oder private Sorgen: Die Kunden sparen, wo sie können. Auf der anderen Seite steigen die Kosten, sagt Johanna Scholz. Umsatzsteuer, Gewerbesteuer, Nebenkosten, Miete. „Der Umsatz sinkt, die Pacht steigt.” Jahr für Jahr.























