84 Millionen Euro werden rund ums Dortmunder U investiert
08.06.2011 | 18:54 Uhr 2011-06-08T18:54:00+0200
Dortmund.Alle Welt redet über den U-Turm in Dortmund. Fast könnte dabei in Vergessenheit geraten, dass um das „Kreativ- und Ausstellungszentrum“ herum weitere Bauten geplant sind. Jetzt ist auch klar, wer sie baut.
Das „U“ in Dortmund ist in aller Munde. Vergessen wird oft, dass auch unterhalb des Wahrzeichens der Stadt weitere Bauten geplant sind: Neben dem Robert-Bosch-Kolleg entstehen dort das neue Robert-Schuman-Kolleg, eine Tiefgarage und das von der damaligen Landesregierung gewünschte Kreativzentrum - alles von privater Hand.
Nach zähem Ausschreibungsverfahren und langen Verhandlungen haben sich die Stadtspitzen jetzt unter drei verbliebenen Anbieter-Pärchen entschieden: Nach WR-Informationen soll das Dortmunder Architekturbüro Gerber (U-Turm, Harenberg City Center) mit seinem Partner Zech-Bau/W + P aus Stuttgart (Gesellschaft für Projektentwicklung) den Zuschlag erhalten. Und da die beiden Neubauten für Schuman- und Bosch-Kolleg im Herbst 2013 ans Netz sollen, drücken die Stadtspitzen aufs Tempo und wollen sich per Dringlichkeit bereits Ende des Monats vom Rat freie Hand geben lassen, die Verträge abzuschließen.
84 Millionen Euro werden investiert
Das Investitionsvolumen für den nördlichen Teil der Fläche beläuft sich auf rund 84 Mio. Euro. Die investiert aber nicht etwa die Stadt über eine Kreditaufnahme. Die Investition wird komplett vom Gewinner des Wettbewerbs gestemmt. Die Stadt mietet die Berufsschulen an, nicht aber die von ursprünglich 1000 auf 510 Stellplätze verkleinerte Tiefgarage und das von 6000 auf 4000 qm reduzierte Kreativzentrum für Jung-Designer . Sie werden vom Investor betrieben.
Durch die Anmietung der beiden Berufsschulen fallen natürlich Belastungen für den städtischen Haushalt an. Dabei bewegen sich die Projektpartner Gerber/W+ P mit ihren Vorstellungen am oberen Rand dessen, was die städtischen Liegenschaftler kalkuliert haben: Demnach darf die Jahresmiete für Robert Bosch (14 580 qm Bruttogeschossfläche) und Robert Schuman mit 15 500 qm zwischen 4 und höchstens 4,6 Mio. Euro liegen - Gerber/W+P landen bei 4,6 Mio. Euro. Für die jährlichen Nebenkosten berechnet die Stadt eine Spanne von rund 298 000 bis 348 000 Euro - die Kandidaten fürs Siegertreppchen liegen bei 382 000 Euro. Der Blick auf die Zahlen zeigt: Rein finanziell betrachtet, haben sich die Stadtspitzen nicht für den billigsten Bieter entschieden.
Anspruchsvolle Bebauung
Das hat Gründe. Das Union-Gelände soll eben nicht mit 0/8/15-Architektur bebaut, sondern städtebaulich anspruchsvoll entwickelt werden. Weshalb bei der Entscheidung, welcher Investor aufs Siegertreppchen gestellt wird, auch andere Aspekte zum Tragen kamen. Etwa die Architektur. Als die Rüttgers-Regierung die Fördermillionen für den U-Turm überbrachte, koppelte Kultur-Staatssekretär Grosse-Brockhoff die Forderung an, auf dem Union-Gelände müsse „Architektur im Weltmaßstab“ entstehen.
Die Tiefgarage, sie wird von den Investoren betrieben, fällt mit 510 Stellplätzen nur noch halb so groß . Weil aber Bedarf für 700 Plätze besteht, wird erwogen, weitere 200 auf einer Parkpalette an der Übelgönne/Unionstraße anzulegen. Das 4000 qm große Kreativzentrum zieht der Investor ebenfalls auf eigene Rechnung hoch - möglicherweise kommt das Technologiezentrum ins Spiel. Die Stadt jedenfalls hat nicht vor, sich einzuquartieren. Über die Kosten für die Ausstattung der Berufsschulen wird der Rat später informiert.
14:25
Es ist immer das gleiche: bei den Themen U-Turm und Phoenixsee überwiegen die Beiträge der Berufsbedenkenträger. Auch wenn ich bei anderen Themen nicht immer die Meinung von jcm teile, muss ich ihm hier ebenso wie Smartdriver recht geben. Man muss auch mal die Vorteile sehen, Stichwort weiche Standortfaktoren. Diese werden im Wettbewerb der Städte immer wichtiger und gerade das Ruhrgebiet muss auch mal Mut zur Zukunft beweisen.
18:44
Mit was begeistert man die Jugend den wohl eher für Kunst, mit Videoanimationen oder mit einem staubigen röhrenden Hirsch??
Das U hat durchaus eine Chance verdient, und mancher Jugendliche hätte viel eher andere Eltern als eine neue Tafel in der Schule verdient.
Daran ist nicht die Stadt, sondern die Gesellschaft schuld, die selber den allerwertesten nicht mehr hoch bekommt.
Sorry, das mußte jetzt mal sein!
12:58
@#4
Hätte ja mal gerne gewusst, was ihre Umfrage auf Schulhöfen ergeben hat.
DO mag ja - wie so viele Städte - finanziell darben, aber ohne Investitionen in die Infrastruktur, die für Firmenzuzüge eine nicht unerhebliche Rolle spielt, würde sich daran auch nix ändern. So zumindest können neue Einnahmequellen generiert werden.
Und was die Jugend betrifft: die ist nicht erst seit dem U-Turm-Bau oder wg. des Opernhauses schon lange, lange Zeit aussen vor. Das jedoch deutschlandweit...
12:34
Keine 10000.-€ für eine Kindertafel übrig.
Kein Geld für Rockförderung!
Auf der anderen Seite werden Hunderte! von Millionen in Konzerthaus, U, Orchesterprobenzentrum, Domicil, Schauspielhaus etc. investiert für eine Kultur für die sich scheinbar niemand mehr interessiert und die nur über Subventionen künstlich am Leben erhalten wird (zugespitzt für eine schwindende Elite aus Kirchhörde).
Eine ganze Generation von Jugendlichen bleibt aussen vor.
Fragen Sie mal auf einem Schulhof, wer sich für Operetten interessiert!
Dann noch die Millionendeals mit Alt-68er Winkelmann für eine simple Videoproduktion, die Ihnen jeder halbwegs begabte junge Mediendesigner für einen vierstelligen Betrag erstellt hätte.
Aber lassen Sie sich ruhig weiter von Jambo Ex-Abofallen Abzockern, VIVA Gründern und Kreativitätswirtschafts Experten wie Dieter Gorny weiter beraten.
Armes Dortmund!!!
12:26
Hier noch ein - kostenloser - Tipp für die Bauschaffenden aus dem Bautechnischen Handbuch - Kapitel: Standardausreden.
Bei Renovierung mit Kosten- und Terminüberschreitungen sowie Qualitätsproblemen auf die zuerst nicht erkennbaren versteckten Mängel und Probleme der Altsubstanz verweisen und von den damit verbundenen besonderen Herausforderungen sprechen
Bei Neubauten mit Kosten- und Terminüberschreitungen sowie Qualitätsproblemen auf die neuartigen Konzepte und Verfahren sowie Technologien verweisen und von den damit verbundenen besonderen Herausforderungen sprechen
Punkt 1 dürfte ja wohl beim Dortmunder U voll zutreffen.
11:51
Nun sei es ja einem Dortmunder Architekturbüro gegönnt ein grosses Bauprojekt in Dortmund auch zu realisieren. Aber irgendwie erinnert das an alte Zeiten - so als ob jemand die Suche und Ersetze-Funktion für G.Schulze und E.Gerber nutzen würde. Lässt da der Filz grüssen?
Und - welche Einfaltspinsel wundern sich denn noch, dass der Investor zufällig auch die Miet- und Nebenkosten erreicht, die schon von der Stadt Dortmund berechnet wurden? Das Miete und Nebenkosten sich im fürstlichen Niveau bewegen, sei nur am Rande bemerkt.
Wenn dort nun Archtektur im Weltmassstab ensteht, bleibt die Hoffnung, dass - anders als im Dortmunder U - zumindest die bautechnische Qualität wenigstens einfachen Standards genügen wird.
Die Belastungen für den Haushalt der Stadt Dortmund werden übrigens in den nächsten 20 Jahren für Miete und Nebenkosten bei einer angenommenen 3,5 % Verzinsung über 200 Millionen Euro betragen. Für eine Stadt mit einem strukturellen Defizit in ihrem Haushalt und sehr vielen Bestandsgebäuden, die aufgrund fehlender Mittel nicht oder nur unzureichend in Stand gehalten werden können, ist das Projekt ein durchaus fragwürdiger Schritt. Die Bauleute und Investoren können sich freuen - ob der Bürger das kann, wird sich zeigen.
10:06
Wenn das Büro Gerber die weiteren Bauten ebenso wie den U-Turm angeht, können sich alle Beteiligten schon jetzt auf saftige Kostensteigerungen gefaßt machen. Unfassbar, dass man da die gleiche Truppe weiterwurschteln läßt!