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7000 Rentner leben in Dortmund von Sozialhilfe

29.09.2012 | 14:00 Uhr
7000 Rentner leben in Dortmund von Sozialhilfe
Für manchen Senior ist er bitter: der Blick in ein leeres PortemonnaieFoto: Verdi

Eine Welle von Altersarmut droht, wenn sich die Politik nicht etwas einfallen lässt – davor hatte Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) gewarnt. Doch wie viel Geld haben Senioren in der heutigen Zeit zur Verfügung? Ist Altersarmut schon jetzt ein Problem in Dortmund?

Eine Welle von Altersarmut droht, wenn sich die Politik nicht etwas einfallen lässt – davor hatte Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) gewarnt und eine Diskussion über die Zukunft der Rente in Gang gesetzt. Doch wie viel Geld haben Senioren in der heutigen Zeit zur Verfügung? Ist Altersarmut schon jetzt ein Problem in Dortmund? Und was tut die Stadt für die Senioren?

Ist Altersarmut ein Problem?

„Wir leben jetzt in einer Zeit, in der die Menschen noch relativ hohe Renten bekommen“, sagt Jörg Süshardt, stellvertretender Leiter des Sozialamtes. Erst in einigen Jahren werde Altersarmut ein großes Problem, glaubt er. Wobei der Begriff „Armut“ eine Frage der Definition sei.

Wo liegt die materielle Grenze? Und was bedeutet eigentlich „arm“? Nach Ansicht von Sozialdezernentin Birgit Zoerner ist „Armut ist nicht nur materiell bedingt, auch der Teilhabeaspekt ist wichtig.“ Die Stadt Dortmund unterstützt Senioren deshalb nicht nur finanziell. Verschiedene Angebote sollen erreichen, dass Senioren in Dortmund gut leben können. Materiell unterstützt die Stadt Senioren auf zwei Ebenen.

Grundsicherung im Alter

Die Grundsicherung im Alter entspricht von der Höhe dem Hartz-IV-Satz, wobei ein Mehrbedarf für Senioren von 64 Euro eingerechnet wird. Ab dem 65. Lebensjahr oder bei einer dauerhaften Erwerbsminderung bekommen einkommensschwache Menschen diese Grundsicherung vom Sozialamt statt vom Jobcenter. Bislang bezahlt die Stadt die Grundsicherung aus der eigenen Tasche. In diesem Jahr liegen die Kosten zum Beispiel bei 53 Millionen Euro. Seit 2011 gibt es eine Bundesbeteiligung, von zunächst 15 Prozent, zurzeit 45 Prozent. Ab 2014 übernimmt der Bund diese Kosten komplett.

Für eine alleinstehende Person beläuft sich die Grundsicherung zum Beispiel auf etwa 883 Euro, je nach Miet- und Heizkosten. Das Sozialamt stockt die Rente auf diesen Betrag auf.

Bezieher in Dortmund

In Dortmund beziehen derzeit 10 650 Menschen die Grundsicherung vom Sozialamt – davon sind 7000 Menschen 65 Jahre alt und älter. Seit der Einführung der Grundsicherung im Alter 2005 (vorher Sozialhilfe) sind die Zahlen der Bezieher konstant gestiegen (damals 7005). Im Vergleich zum Vorjahr stiegen die Zahlen um 8 Prozent. „Gemessen an der Gesamtbevölkerung ist das ein Umfang, der sich aber noch nicht dramatisch darstellt“, sagt Süshardt. Auch wenn jeder Neuantrag einer zu viel sei. 118 445 Menschen leben in Dortmund, die 65 Jahre alt und älter sin (Stand 31.12.2011).

Hilfe zur Pflege

Wer pflegerische Leistung braucht, die von der Pflegekasse nicht übernommen werden, kann von der Stadt finanzielle Hilfe bekommen – auch ohne, dass derjenige Grundsicherung im Alter bezieht. „Wer den Bedarf hat und es nicht selbst zahlen kann, sollte sich unbedingt beraten lassen“, rät Jörg Süshardt. Und wenn es nur darum ginge, dass Hilfe beim Gardinenaufhängen gefordert sei. Geld gibt es für alle Hilfen, die ein Mensch aufgrund seines Alters oder einer Krankheit braucht – darunter fallen Arbeiten im Haushalt genauso wie die Finanzierung eines Heimaufenthaltes.

Bezieher in Dortmund

4200 Menschen bekommen vom Sozialamt Hilfe zur Pflege. Etwa die Hälfte davon lebt in einer Einrichtung, die andere Hälfte zu Hause. „Aus Kostengründen muss niemand ins Heim“, betont Jörg Süshardt. Die Stadt zahlt in diesem Jahr 38 Millionen Euro für die stationäre und 15 Mio. Euro für die ambulante Pflege (dazu gehören auch Hauswirtschafts- oder Begleitdienste).

Wie hilft die Stadt zudem?

Neben der finanziellen Unterstützung von Einrichtung und Projekten schafft die Stadt Strukturen. „Wir fragen die Betroffenen“, sagt Jörg Süshardt. Vor rund acht Jahren seien im großen Rahmen Senioren sowie Mitarbeiter von Wohlfahrtsverbänden und andere gefragt worden, wie die Seniorenpolitik gestaltet werden soll. Daraus entstand zum Beispiel die Idee der Seniorenbüros, die nun in allen zwölf Stadtbezirken wichtige Anlaufstellen sind.

Jetzt sei diese Umfrage aktualisiert worden. Ziel der Seniorenpolitik sei es nun, noch kleinräumigere Konzepte zu erarbeiten und „ins Quartier zu gehen“, sagt Süshardt. Mit der Fragestellung: „Wie können wir das Leben für die Senioren besser und attraktiver gestalten?“

Christina Römer



Kommentare
30.09.2012
11:58
7000 Rentner leben in Dortmund von Sozialhilfe
von meinemeinung47 | #3

Mich hätte mal interessiert, wieviele Pensionäre bzw. deren Witwen denn Sozialhilfe beziehen?
Es ist zwar schön, daß der Staat für seine "Diener" eine Fürsorgepflicht übernimmt, doch wo bleibt diese Verpflichtung gegenüber denjenigen, die durch lange, harte Arbeit mit ihren Steuergeldern für die Versorgung der Staatsdiener sorgen?
Es kann doch nicht angehen, daß viele nur noch für Hungerlöhne zum Wohle der Wirtschaft und des Staates arbeiten und dann im Alter hoffnungslos im Stich gelassen werden!
Eine Rente unter 1000 € darf es ebenso wenig geben wie Beschäftigungsverhältnisse unter 10 € Stundenlohn!
Wenn man schon mit Rücksicht auf die nächsten Generationen die Rentenversicherungsbeiträge nicht weiter ansteigen lassen will, dann muß das fehlende Geld eben aus Steuern finanziert werden! Für Beamte und vor allen Dingen Politiker wird das ja schon immer so gemacht! Für Politiker und Beamte zahlt das ganze Volk, aber für sich muß das Volk dann auch noch sorgen!?
Da ist was faul!!!

1 Antwort
7000 Rentner leben in Dortmund von Sozialhilfe
von hansjoerg9 | #3-1

Wovon träumen sie. Wenn die Löhne in Deutshcland steigen, dann geht die Industrie nach Polen/Rumänien. Dann gehen viele Arbeitsplätze verloren und keiner zahlt Steuern, um Harzt IV zu finanzieren. In einer globalisierten Welt sind solche Tarifniveaus nicht finanzierbar. Rente bekommt man was man eingezahlt hat. Wer zu wenig einzahlt, darf nicht über geringe Rente jammern. Es steht jedem frei, privat vorzusorgen.

30.09.2012
00:44
7000 Rentner leben in Dortmund von Sozialhilfe
von 1932 | #2

Ich habe 51 Jahre gearbeitet und mein Rentenanteil ist lächerlich.
Danke an alle die abgewirtschaftet haben,insbesonders an Herrn Blüm&Konsorten.

29.09.2012
17:59
7000 Rentner leben - derzeit - in Dortmund von Sozialhilfe ....
von Drado | #1

... und es werden immer mehr werden. Das liegt einerseits an der Überalterung der Bevölkerung und andererseits am gezielten und schrittweisen Abbau der Rentenhöhe - eine der "Errungenschaften" der Agenda 2010 der "bunten" schwarz-rot-gelb-grünen Blockparteien der BRDDR. Wer heute noch 2500 Euro pro Monat verdient - und wer hat das schon - der wird in 25 Jahren mit der dann grundsichernden Einheitsrente von ca 832 Euro nach Hause gehen dürfen. Armut für alle - das ist das Konzept. Nicht mehr - aber auch nicht weniger.

2 Antworten
7000 Rentner leben in Dortmund von Sozialhilfe
von klli | #1-1

Armut für alle - das ist das Konzept. Nicht mehr - aber auch nicht weniger.

Das stimmt so nicht für alle, unsere Volksvertreter haben ihre Alterssicherung mal so nebenbei um 500 Euro erhöht.
Nebenbei sitzen die noch in zehn Aufsichtsräte.

Die haben ihr Schäfchen im trockenen.

Glückauf

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