400 Dortmunder protestieren gegen Nazi-Demo

Rund 400 Dortmunder haben am Freitagabend in Eving gegen eine Neonazi-Kundgebung protestiert. Die SPD und das Bündnis "Blockado" hatten zu der Gegendemonstration aufgerufen. Die Rechtsextremisten demonstrierten gegen Asylbewerber und "Polizeiwillkür". Am Rande der Demo kam es zu Zusammenstößen zwischen Polizei und Antifa. Eine Stadtbahn-Haltestelle wurde geräumt.

Die wichtigsten Fakten im Überblick:

Eving.. 

  • 400 Dortmunder demonstrieren größtenteils friedlich am Grünen Platz gegen Neonazis
  • Parolen der rund 50 Neonazis werden übertönt
  • Polizei-Einsätze vor der Demo in der Nordstadt
  • Rund 100 Antifa-Aktivisten wollen zu Fuß über die Münsterstraße nach Eving, Polizei verhindert das, auch mit Pfefferspray
  • Polizei räumt am Rande der Kundgebungen Stadtbahn-Station von Antifa-Aktivisten
  • Polizei stellt drei Strafanzeigen

Zusammenfassung:

Die Polizei lobt in ihrer Abschlussmeldung ausdrücklich den bürgerlichen Protest der Gegendemonstranten der SPD-Kundgebung am Grünen Platz. Dieser Protest - bei dem auch Dortmunds Oberbürgermeister Ullrich Sierau dabei war - sei "laut, engagiert, aber friedlich" gewesen. Die 200 Demonstranten wurden bis auf 80 Meter an die Rechtsextremen herangelassen und übertönten die kleine Gruppe von etwa 50 Neonazis deutlich.

Hart ins Gericht geht die Polizei hingegen mit den Aktivisten des Bündnisses "Blockado". Sie hätten zwar zum Gegenprotest aufgerufen, aber keine Kundgebung angemeldet. die 250 "teilweise vermummte" Aktivisten trafen sich gegen 18.30 Uhr am Bahnhof und sorgten mit ihrem Fußmarsch in Richtung Eving für einen Großeinsatz der Polizei in der Nordstadt.

Pfefferspray gegen Antifa

Blockado wollte die Anreise der Neonazis mit der Stadtbahn verhindern und die Linie U41 blockieren. An der Kreuzung Immermannstraße / Münsterstraße versuchten laut Polizei schließlich etwa 100 Neonazi-Gegner, eine Polizeiabsperrung zu durchbrechen und die Gleise zu blockieren. Die Polizei setzte Pfefferspray ein und kesselte die große Gruppe etwa eine Stunde lang ein. Erst gegen 20.20 Uhr konnten die Blockado-Mitglieder ihren Weg nach Eving fortsetzen - mit einem großen Umweg und von der Polizei begleitet. Da lief die Neonazi-Demo und der bürgerliche Gegenprotest schon längst. Erst gegen 20.50 Uhr vereinten sich die 200 Demo-Teilnehmer der SPD-Kundgebung und die 200 Antifa-Aktivisten.

Fast zeitgleich hatten die Rechtsradikalen genug. Um kurz vor 21 Uhr beendeten sie ihre weniger als eine Stunde dauernde Demo und wurden von der Polizei zur nahegelegenen Stadtbahn-Haltestelle "Minister Stein" eskortiert, von der sie aus Eving abreisten.

Polizei räumt Stadtbahn-Station

An dieser Stadtbahn-Haltestelle hatten sich kurz zuvor die unschönsten Szenen des Abends abgespielt: Einer Gruppe von 25 Antifa-Aktivisten war es gegen 20.40 Uhr gelungen, den Bahnsteig zu blockieren. Offenbar wollten sie die Abreise der Neonazis verhindern. Die Polizei forderte sie mehrfach auf, den Bahnsteig zu räumen. Als sie sich weigerten, trugen die Beamten die Gegendemonstranten weg. Dabei kam es zu Handgreiflichkeiten.

Einsatzleiter Peter Both kritisierte "Blockado": "Blockaden, die darauf abzielen, durch Artikel 8 des Grundgesetzes geschützte Versammlungen zu verhindern, können kein legitimes Mittel im Kampf gegen den Rechtsextremismus sein." Insgesamt stellte die Polizei drei Strafanzeigen, zweiwegen des Verstoßes gegen das Vermummungsverbot und eine wegen Beleidigung. Über Verletzte wurde nichts bekannt.

So berichteten wir live von den Demonstrationen:

Aktualisierung 19.07 Uhr:

Rund250 Antifa-Demonstranten haben sich zu Fuß vom Hauptbahnhof auf den Weg in Richtung Eving gemacht. Derzeit sind in der Nordstadt mehrere Gruppen von Neonazi-Gegnern unterwegs. Die Bereitschaftspolizei versucht, ihnen zu folgen. Wann immer die Gegendemonstranten in die Nähe von U-Bahn-Stationen kommt, postiert sich die Polizei entlang der Eingänge, wohl um eine Blockade der U41 zu verhindern, über die die Neonazis wahrscheinlich anreisen werden.

Noch liegen laut DSW21 keine Beeinträchtigungen auf der Linie der U41 in Richtung Norden vor. Wie die Leitstelle der DSW auf Anfrage mitteilt, stellt die Polizei zurzeit jedoch einige Forderungen. "Es bahnt sich etwas an", so ein Mitarbeiter der Leitstelle. Wir informieren, sobald wir mehr wissen.

Aktualisierung 19.29 Uhr:

Die Münsterstraße in Richtung Innenstadt ist derzeit ab der Höhe Lindenhorster Straße gesperrt. An der Kreuzung Immermannstraße haben sich sich viele Neonazi-Gegner versammelt, die Polizei ist mit einem Großaufgebot vor Ort. Siewill die Blockado-Demonstranten daran hindern, die Gleise der U41 zu besetzen. Auch in Eving ist bereits schon viel Polizei.

Aktualisierung 19.34 Uhr:

Eine Gruppe von mindestens 50 Demonstranten steht auf der Kreuzung Münsterstraße/Immermannstraße. Die Polizei hindert sie daran, die Gleise zu betreten oder anders in Richtung Eving zu kommen. Alles sieht friedlich aus.

Aktualisierung 19.47 Uhr:

Die Kreuzung Münsterstraße / Immermannstraße ist jetzt komplett gesperrt. Zu Fuß werden es die Antifaschisten sicher nicht mehr rechtzeitig zu ihrer Gegen-Demo in Eving schaffen.

Aktualisierung 20.19 Uhr:

Die Anti-Neonazi-Demo der SPD auf dem Grünen Platz in Eving läuft. Rund 200 Neonazigegner sind gekommen. Bei der Kundgebung der Rechtsextremen gibt es laut Polizei rund 50 Teilnehmer.

Aktualisierung 20.30 Uhr:

Die Antifa-Aktivisten dürfen nun von der Kreuzung Münsterstraße / Immermannstraße aus doch Richtung Eving laufen - wenn auch mit einem großen Schlenker über die Eberstraße. Die Münsterstraße ist damit wieder frei.

Aktualisierung 20.49 Uhr:

Unschöne Szenen spielen sich gerade an der Stadtbahn-Haltestelle "Minister Stein" nahe des Demo-Ortes ab: Dort hatten sich etwa 20 Antifa-Aktivisten versammelt, die offenbar mit einer Bahn gekommen waren. Weil sie die Polizei nicht dort haben wollte und sie nicht bereit waren zu gehen, hat die Polizei die Haltestelle geräumt. Dabei kommt es zu Rangeleien. Die Neonazi-Gegner werden an den Rand der Evinger Straße gebracht.

Aktualisierung 21.03 Uhr:

Die Neonazis haben ihre Kundgebung beendet. Von ihren Parolen war so gut wie nichts zu hören, dafür sorgten die lauten Gegendemonstranten und die Rechtsextremen selbst mit dumpfem Deutsch-Rock aus schlechten Lautsprechern. Die Masse der Neonazi-Gegner ist mittlerweile auf rund 400 angewachsen, da die Blockado-Aktivisten von der Immermannstraße auch in Eving angekommen sind.

Nun sollen die Neonazis offenbar mit der Stadtbahn aus Eving wieder weggebracht werden. Daher wohl auch die Räumung der Haltestelle eben.

Aktualisierung 21.17 Uhr:

Die Neonazis sind von der Polizei mit der U-Bahn ohne größere Vorkommnisse abtransportiert worden.

Aktualisierung 21.40 Uhr:

Auch die Neonazi-Gegner sind nun abgereist. In Eving kehrt wieder Stille ein. Wir beenden hiermit unsere Berichterstattung. Die noch ausstehende Polizei-Abschlussmeldung liefern wir aber noch nach, sobald sie da ist.

Ursprungsmeldung:

In der früheren Hauptschule an der Osterfeldstraße betreibt die Stadt eine Unterkunft für Asylbewerber. Nach Straftaten und auch Angriffen von Nazis unter anderem gegen Polizisten ermittelt die Polizei seit Wochen in mehreren Fällen.

"Wir wollen zeigen, dass diese Stadt keine Nazi-Hochburg, sondern die Stadt des Widerstands ist", begründete die SPD-Unterbezirksvorsitzende Nadja Lüders die Protestaktion der SPD am Evinger Platz. Beginn ist 20 Uhr.

Solidarität zeigen

Weiter sagte die 44-jährige Juristin: "Für den Protest brauchen wir möglichst viele Unterstützer, damit die Nazis spüren, dass die vor einem Krieg geflüchteten Asylbewerber unserer Solidarität sicher sind."

"Blockado" möchte die Nazi-Kundgebung durch Blockaden verhindern. Die Aktivisten treffen sich am Freitag um 18.30 Uhr am Nordausgang des Hauptbahnhofs. Wegen der Demonstrationen ist auf der Stadtbahnlinie U41 und auf den Buslinien 410, 411 und 473 mit Verspätungen zu rechnen.