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12. Museumsnacht

36.000 Besucher machten die Nacht zum Tag

30.09.2012 | 15:24 Uhr
Die Museumsnacht in Dortmund 2012.Foto: Ralf Rottmann

Dortmund.  Spektakel an allen Orten: Bei der Museumsnacht entdeckten einige Zehntausende die Dortmunder Ausstellungen, Workshops und Schauspiele. Insgesamt gab es rund 60 verschiedene Spielorte.

Fast zehn Meter unter dem alten Markt liegt ein museales Kleinod. Unter der Adlerapotheke hat die Familie Ausbüttel über viele Jahre alles zur Entwicklung der Apothekerzunft gesammelt. Hier hängt ein Krokodil von der Decke, ein ausgestopfter Bär empfängt die Besucher. „Die Medizin wurde auch aus Pflanzen und Tieren gewonnen“, erklärt Monika Fritzsch. Sie leitet den ganzen Tag über Gruppen durch die schmalen Räume.

In ihrer Hand hält sie ein Glas voll mit toten grünen Fliegen: „Das sind spanische Fliegen. Das Öl daraus wurde zur Behandlung von Rheuma benutzt.“ Auch das Krokodil hatte seinen Nutzen. „Man glaubte, im Schwanz seien Stoffe, die als Aphrodisiakum dienten.“ In den historischen Regalen finden sich Opiate, die Besucher schnuppern an ätherischen Ölen und können sich am kindsgroßen Mörser versuchen. Jede Tour während der Museumsnacht ist ausgebucht.

Einer reißt Kalauer, einer erklärt

In der Arbeitsschutzausstellung Dasa in Dorstfeld dürfen die Zuschauer der Physikanten auch mit Hand anlegen. Auf der Bühne, die in der Stahlhalle aufgebaut ist, stehen die beiden Wissenschaftler Thomas Müller und Engelbert Kobelun - alias Herr Thomas und Professor Liebermann. Thomas Müller trägt einen aufreizend violetten Anzug und reißt einen Kalauer nach dem anderen, während der Professor mit strubbliger Frisur die physikalischen Experimente erklärt.

„Sag die Dreeierreihe auf“

„Wer hat Physik in der Schule gehasst?“, fragt Müller zu Beginn. Einige Hände gehen in die Luft. „Für euch ist die Show.“ Mit Humor und knalligen Versuchen bringen die beiden Physikkomiker den Zuschauern die Naturgesetze näher - und wer die Antwort auf eine Frage der Wissenschaftler weiß, wird mit Süßigkeiten belohnt. So kann Physik Spaß machen.

Museumsbesucher, die lieber wieder die Schulbank drücken, sitzen derweil im Schulmuseum. Hier ist ein Klassenraum wie zu Kaisers Zeiten eingerichtet und die Lehrerin hält sogar den nicht mehr zeitgemäßen Rohrstock in der Hand. „Sag die Dreierreihe auf“, fordert Fräulein Lehrerin im strengen Ton. Kleine wie auch erwachsene Schüler wirken ehrfürchtig erstarrt. „Lass’ uns lieber schnell gehen, bevor sie mich dran nimmt“, flüstert ein gestandener Mann seiner Begleiterin zu.

Dortmunder Museumsnacht

Vielleicht täte dem ein oder anderen Besucher da eine Pause gut. Auf dem Platz vor dem U sind die meisten Betten jedoch belegt: eine witzige Installation mit schlafenden Teilnehmern. Reihenweise liegen hier Matratzen ausgebreitet. Ein Schild verrät, worum es im jeweiligen Bett geht. „Kollision IV“ steht auf einem: Ein Pärchen kuschelt unter der Decke. Doch ein Bett bleibt leer. Es ist laut Kennzeichnung reserviert für eine Dame mit starkem Bewegungsdrang.

Asiatischer Drache in Neon

Im U selbst wird es etwas komplizierter. Eine Ausstellung reizt die Grenzen zwischen Akustik und Schrift aus. Die Besucher spielen an den Reglern der aufgestellten Schallplattenteller oder schieben ihre Finger über ein wenig durchschaubares Soundexperiment. Hier klappt nicht alles. „Ich verstehe das nicht“, sagt eine junge Frau und zieht irritiert weiter.

60 Orte mit 600 Veranstaltungen

In diesem Jahr besuchten rund 36 000 Besucher die bereits zwölfte Museumsnacht. Sie stand in diesem Jahr unter dem Motto „Zeitreise“.

Die rund 60 Veranstaltungsorte boten gut 600 verschiedene Programme und Aktivitäten an.

Es ist damit die bisher größte Museumsnacht, die in Dortmund stattgefunden hat.

Was an diesem Abend für alle Besucher verständlich sein dürfte, ist das große Feuerwerk auf dem Friedensplatz. Die Pyrotechniker rauschen durch Jahrhunderte der Feuerwerkshistorie, zeigen, wie man Böller in Mexiko explodieren lässt und was das europäische Silvesterfest vom chinesischen unterscheidet.

Da jagt beispielsweise ein in Neonfarben leuchtender asiatischer Drache über den Platz und ein paar Minuten später erstrahlt das Rathaus vor rund zehntausend Menschen in allerlei Farben der knallenden und glitzernden Raketen.

Oliver Körting


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