340 Conti-Mitarbeiter in Dortmund-Dorstfeld verlieren ihre Jobs
06.04.2011 | 18:40 Uhr 2011-04-06T18:40:00+0200
Dortmund.Der Kampf um Arbeitsplätze bei Continental Automotives (ehemals VDO) in Dorstfeld hat gewirkt – aber nur halb: Beim Dortmunder Automobilzulieferer müssen 340 der 1030 Kollegen gehen. Der Betriebsrat konnte nur 254 Jobs retten.
Ein Jahr lang haben sie gekämpft um jeden einzelnen Arbeitsplatz. 254 haben sie der Geschäftsführung von Continental letztlich abgetrotzt. Ein Verhandlungserfolg. Einer, bei dem Betriebsratsvorsitzende Kirsten Vörkel trotzdem Bauchschmerzen hat. Weil 340 ihrer Kollegen dennoch gehen müssen.
Die Eckpunkte des Arbeitsplatzabbaus waren nach einem Verhandlungsmarathon am Samstag in den ganz frühen Morgenstunden festgezurrt worden.
Im Eckpunktepapier ein Stück Hoffnung festgeschrieben
Seit Mittwoch (6. April 2011) weiß die 1030-köpfige Stamm-Belegschaft, dass sie auf 690 Mitarbeiter schrumpfen wird. „Jeder fühlt sich betroffen“, macht sich auch bei Vörkel und ihrem Mitstreiter Hans Jürgen Meier, 1. Bevollmächtigter der IG Metall, keine wirkliche Erleichterung breit, „weil am Ende immer noch der Personalabbau steht“. Den gänzlich zu vermeiden, das war Wunsch, konnte aber wohl nicht Wirklichkeit werden. Immerhin hatte Conti im Mai 2010 den Dortmunder Standort noch auf 446 Köpfe abbauen wollen.
Das, was Betriebsrat und Gewerkschaft rausholen konnten, ist auch ein Stück Hoffnung: Eine langfristige Perspektive nämlich für die verbleibenden Mitarbeiter in Dorstfeld. Das unterstrich auch die Schwalbacher Continental-Unternehmenssprecherin Katja Mattl. Danach soll Dortmund Kompetenzzentrum werden für die Entwicklung neuer Fertigungstechnologien – die dann in Osteuropa in Großserie gehen sollen. In Rumänien zum Beispiel. „Mit den Lohnkosten da können wir nicht mithalten“, sagt Vörkel bitter.
Keine betriebsbedingten Kündigungen bis 2012
Bis Herbst 2012 wird es zunächst keine betriebsbedingten Kündigungen geben. Von 2013 bis 2015 wird dann der Arbeitsplatzabbau erfolgen; davon sind auch die über 150 Leiharbeiter betroffen. Transfergesellschaft ist die PEAG. Danach wird es eine Atempause geben – bis mindestens Ende 2018: So lange, das wird festgehalten, sind weitere betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen. Geschäftsführung und Betriebsrat haben sich zudem gemeinsam zum Ziel gesetzt, mindestens 165 der 340 betroffenen Mitarbeiter vorab über freiwillige Aufhebungen, Versetzungen innerhalb der Region, Altersteilzeitregelungen etc. zu versorgen.
12:34
Leserbrief zu den Berichten in den Lokalteilen der Dortmunder Zeitungen über die Belegschaftsversammlung am 6. April 2011 bei Continental Automotive in Dortmund:
Über die Berichterstattung in der Dortmunder Presse zur Belegschaftsversammlung am 6.4. bei Continental Automotive war ich überrascht. Es war nicht so, dass das Ergebnis des Interessenausgleich von der Belegschaft positiv oder schweigend aufgenommen wurde. Es haben einige Kolleginnen und Kollegen gesprochen, die durchweg Kritik an der Geschäftsleitung übten. Meinen Redebeitrag auf der Versammlung (sinngemäß) will ich als Leserbrief zur Verfügung stellen:
„Ich empfinde Wut über die Absicht der Geschäftsleitung über 340 feste Arbeitsplätze in Dortmund zu vernichten. (Zwischenbeifall) Alles wird dem Diktat des Maximalprofits untergeordnet. Es ist nicht wahr, dass in Dortmund nicht mehr gewinnbringend produziert werden kann. Conti will sich in Europa Richtung Asien ausdehnen. Dafür ziehen sie sich EU- Fördergelder für den Aufbau neuer Maschinenparks in Rumänien an Land. So steigert Conti seinen Maximalprofit. Dass die Kolleginnen und Kollegen hier Jahrzehnte geschuftet haben und die Profite von Siemens, Mannesmann und Conti erarbeitet haben - das interessiert Conti nicht. Es kommen noch die ganzen Familien dazu, die dadurch betroffen sind. Und über 150 Arbeitsplätze von Leiharbeitern. Von vielen Kolleginnen arbeitet der Mann bei OPEL und dort sollen jetzt auch 1200 Arbeitsplätze bis 1. Mai vernichtet werden. Wir müssen gemeinsam gegen die Arbeitsplatzvernichtung auf die Straße gehen. Was hier passiert ist nicht mehr akzeptabel. Wir brauchen auch in Deutschland Tage des Zorns! (Beifall)
Das Alles findet nicht im luftleeren Raum statt, sondern alle bewegen die Bilder aus Japan von der atomaren Katastrophe. Es werden nicht nur unsere Arbeitsplätze vernichtet, sondern für die Profitmaximierung die Existenz der Menschheit aufs Spiel gesetzt. Auch in Deutschland wurden mit Rückendeckung der Regierung die Laufzeit der AKWs nur aus reiner Profitgier verlängert. Im Hintergrund sind RWE, die Banken … , die sich damit die Kassen füllen. Pro Tag 750 000 € Reingewinn! Was wir im Moment erleben ist was Karl Marx vor über 100 Jahren sagte: „Das Kapital hat einen Horror vor Abwesenheit von Profit oder sehr kleinem Profit, wie die Natur vor der Leere. Mit entsprechendem Profit wird Kapital kühn. Zehn Prozent sicher und man kann es überall anwenden; 20 Prozent, es wird lebhaft; 50 Prozent, positiv waghalsig; für 100 Prozent stampft es alle menschlichen Gesetze unter seinen Fuß. 300 Prozent, und es existiert kein Verbrechen, das es nicht riskiert ...“
Ich betrachte die Verhandlungen über den Interessenausgleich als gescheitert. Wir haben schon einiges hin bekommen. So den gemeinsamen Aktionstag gegen Leiharbeit am 24.2.2011, wo fast die ganze Frühschicht vors Tor gegangen ist. Das Ergebnis dieser Verhandlungen kann es nicht gewesen sein. Ich sage es nochmal: Wir brauchen Tages des Zorns! (Beifall!)“
Andreas Kossack
Dortmund
10:24
Wir haben es noch immer nicht begriffen....uns geht die produktive arbeit aus ...entweder wird sie automatisiert oder wandert ab ins ausland.
Eigentlich ist uns das wissen darüber nicht fremd.
also was tun ?? ..
06:57
„Mit den Lohnkosten da können wir nicht mithalten“, sagt Vörkel bitter.
Da redet ein Betriebsratsfürst und Gewerkschaftsbonze der IGM wie ein Unternehmer.
Immerhin haben die entlassenen Beschäftigte eine Hoffnung: Dank PEAG haben sie ein Jahr Schonfrist, um sich von der ARGE durch Hartz-4 schikanieren zu lassen!
22:15
Danach soll Dortmund Kompetenzzentrum werden für die Entwicklung neuer Fertigungstechnologien – die dann in Osteuropa in Großserie gehen sollen. In Rumänien zum Beispiel. „Mit den Lohnkosten da können wir nicht mithalten“, sagt Vörkel bitter. - Jaah neeh iss klah - mit den Lohnkosten kann man nicht mithalten.
Dann stellt sich aber die Frage, was die stetig anwachsende Zahl von Rumänen und Bulgaren dann hier in Dortmund will, wo doch massiv neue Arbeitsplätze in deren Heimat entstehen? Soll der allfällig verbleibende Restbestandteil der hiesigen Belegschaft dann die sozialen Transferleistungen für die Neumigranten erwirtschaften? Kann es sein, dass dieses System so langsam aber sicher an seine Grenzen stösst?
21:28
Da hilft nur radikale Arbeitszeitverkürzung.
Oder NIEMAND geht mehr hin.
Dann wird man sehen, wie die Bosse gekrochen kommen, Conti- Russland hat ja nicht geklappt....wo sonst sie auch scheiterten, weiß ich nicht. Lasst sie doch hier scheitern, die Ausbeuter- Bande.
20:59
tja
da sich tante schäffler verhoben hat müssen das jetzt die mitarbeiter ausbaden.
pfui teufel.
und so eine wird noch groß hofiert.
da lob ich mir die kponsequenz von dem herrn meckle mit seinem selbstmord.