300 Eurowings-Mitarbeiter fürchten um ihre Jobs
26.01.2010 | 23:01 Uhr 2010-01-26T23:01:00+0100
Dortmund. Der Schock sitzt tief bei den Eurowings-Mitarbeitern. Gut die Hälfte des Personals soll bei der Lufthansa-Tochter gestrichen werden. Bedroht sind auch viele der knapp 300 Jobs der Dortmunder Firmenzentrale. Der Betriebsrat lädt heute zur Betriebsversammlung.
Der Schock sitzt tief bei Eurowings. 19 Flugzeuge will die Lufthansa-Tochter mit Sitz in Dortmund - wie berichtet - bis zum März stilllegen. Der Gesamtbetriebsrat fühlt sich hintergangen, geißelt das Vorgehen des Mutterkonzerns als unmoralisch und unsozial. Der Vorwurf: Die Lufthansa kürze bei ihren Töchtern, um nach außen eine weiße Weste als sozialer Arbeitgeber zu behalten.
Mit nur noch 15 Maschinen soll die Fluggesellschaft in die Zukunft abheben. Rund die Hälfte der insgesamt 1260 Jobs sollen abgebaut werden - auch in der Dortmunder Zentrale, wo knapp 300 Eurowings-Mitarbeiter Verwaltungsarbeit für das Gesamtunternehmen leisten. Dort hängt begreiflicherweise der Haussegen schief. Niemand weiß genau, wieviel Arbeitsplätze für den Standort Dortmund auf dem Spiel stehen. Die Angst geht um, dass die Firmenzentrale sogar komplett aufgegeben werden könnte - möglicherweise in Folge einer Fusion mit der anderen Lufthansa-Regionalflugtocher CityLine. Das würde das Ende des Dortmunder Unternehmens besiegeln, dessen 35-jährige Geschichte eng mit der Entwicklung des Wickeder Flughafens und damit mit dem Ruf der Stadt als Luftverkehrsstandort verbunden ist.
Außerordentliche Betriebsversammlung
Heute vormittag hat die Arbeitnehmervertretung zur außerordentlichen Betriebsversammlung eingeladen. Notgedrungen will der Betriebsrat in die Sozialplan-Verhandlungen mit der Firmenleitung einsteigen. Voraussichtlicher Beginn: kommende Woche.
„Die Kollegen sind sauer und total verunsichert”, beschreibt Betriebsratschefin Ina Dieckerhoff die Gemütslage der Belegschaft. „Wir fühlen uns fremdgesteuert.” Denn den Keim allen Übels orten viele Mitarbeiter in erster Linie bei der Lufthansa. Nach der (Teil-)Übernahme der einst vom Dortmunder Unternehmer Albrecht Knauf und dem Regionalflugpionier Reinhard Santner gegründeten Regionalfluggesellschaft durch Deutschlands Branchenprimus liegt die Stimmrechtsmehrheit bei der Lufthansa. „Die wirklichen Entscheidungen werden nicht in Dortmund, sondern in der Frankfurter Lufthansa-Zentrale getroffen”, so ein Branchenkenner.
Zornesröte wegen "Rosinenpickerei"
Was den Dortmunder Eurowingsmitarbeiter besonders die Zornesröte ins Gesicht treibt, das nennt Ina Dieckerhoff „Rosinenpickerei”. Obwohl Eurowings ein gesundes Unternehmen sei, werde hier, nicht beim Mutterkonzern, Personalabbau betrieben, sagt sie. Nach außen könne sich Lufthansa so als sozialer Arbeitgeber verkaufen und behalte eine weiße Weste, während bei Tochterunternnehmen das Personal abgebaut werde.
„Die Lufthansa hat uns bei der Übernahme große Versprechungen gemacht”, schimpft Ina Dieckerhoff. „Ausbau und Wachstum hat man uns in Aussicht gestellt, weil wir ja günstiger arbeiten als die Muttergesellschaft”. Davon sei nun plötzlich keine Rede mehr.
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