25.000 feiern bei Juicy Beats 2011 in Dortmund
31.07.2011 | 16:37 Uhr 2011-07-31T16:37:00+0200
Dortmund.Die grauen Wolken und herbstliche Temperaturen konnten das Festival-Publikum nicht abhalten: Rund 25.000 Besucher feierten bei Juicy Beats im Dortmunder westfalenpark zu Boys Noize, K.I.Z. und Bonaparte.
Neun Stunden Live-Musik von 40 Bands und 100 DJs, die bis tief in die Nacht ihre Floors in Treibhäuser oder luftige Party-Zonen verwandeln, da ist für jeden Geschmack etwas dabei. Für gut 25.000 Westfalenpark-Besucher fällt beim 16. Juicy Beats die Absage von Beth Ditto und der Kurzauftritt von Prinz Pi nicht ins Gewicht.
„Für manche Dinge gibt es keine Worte. Dafür gibt es Bücher oder Taschentücher.“ Singer- und Songwriter Clickclickdeckers Texte über den alltäglichen Wahnsinn haben den ironischen Dreh. „Wenn man alles verliert“, spielt er für doch wenige Hände, die sich vor der FZW-Bühne in die Höhe recken, als er fragt, wer sich denn heute auf ein Foto mit der The-Gossip-Frontfrau gefreut habe, die sämtliche Auftritte für dieses Wochenende aus familiären Gründen kurzfristig absagte.
Kat Frankie - zarte Person mit klanglicher Tiefe
Die melancholische Variante eines Singer-/Songwriters ist wenig später auf der Konzerthaus-Stage zu hören. Den schwarzen Pony hat Kat Frankie tief in die Augen gekämmt, die Beanie-Mütze keck auf dem Hinterkopf, und es ist fast nicht zu glauben, welche molligen Töne und klangliche Tiefe ein so zierliches Persönchen produzieren kann.
Den Gegenentwurf stellt Stefany June dar, in diesem Jahr einer der vier Masterclass-Acts von popUP NRW, dem landesweit größten Pop-Nachwuchs-Förderwettbewerb des Kultursekretariats. In pinken Schnürstiefeln, farblich abgestimmten Bändern am Mikro, traktiert sie zu ihrem Auftritt auf der Mainstage zeitweilig eine Hi-Hat - zwar taktvoll, aber nur aus optischen Gründen. Die poppige Mischung aus Synthesizer-Melodien und Rock-Gitarren, die sie mit ihrer Band auf die Bretter zaubert, hat solche Showelemente eigentlich nicht nötig. Damit liegt sie aber nicht nur musikalisch im Trend.
Highlight unter den Nachwuchs- und Newcomer-Bands, die das Nachmittags-Programm bestreiten, ist NUME:RA aus Hamburg um Frontfrau Nora Becker. Der blonde Sonnenschein, der bereits mit 13 Jahren im Musical „Joseph“ auf der Bühne stand, und ihre Band mit DJ Flowsun liefern eine tanzbare Soul-Elektro-HipHop-Mischung mit viel Herz auf der Luups-Bühne. Derweil füllen sich auch die Tanzflächen langsam, wie zum Beispiel der Kittball Techhouse Floor.
Der „Gärtner der Lüste“ und Raphael Marionneau, die mit dem DJ Picknick nicht wie geplant auf der noch unfertigen Seebühne, sondern auf der Wiese gegenüber mehr chillige Klänge anschlugen, geben für Pauline und Tim, die sich eine der Parkliegen geschnappt hatten, derweil noch eine Privatvorstellung. „Das ist das Schöne an Juicy Beats: Wenn man feiern möchte, kann man feiern, wenn man chillen möchte, chillt man.“ Bonaparte hat die zwei in den Park gelockt, wo sie feststellen, dass deren Auftritt auf der FZW-Bühne mit K.I.Z. auf der Mainstage kollidiert. „Da müssen wir uns wohl entscheiden.“
Bunte Kostüme, blinkende Brillen, schräge Hüte
Gegen Abend fällt diese Entscheidungen auch zunehmend schwerer. Die Mengen, die sich bei NRWs größtem Elektro- und Independent-Festival vor den Bühnen drängeln, macht deutlich, dass in diesem Jahr neben Bands mit einem Hang zu Theatralik die Rapper den größten Zulauf haben. Prinz Pis Auftritt unter dem Sonnensegel auf der DSW21-Garageland Bühne muss wegen des Massenandrangs für 20 Minuten unterbrochen werden. „Das war schade“, finden Wiebke und Vivi. Sind aber umso begeisterter von K.I.Z-Pyrotechnik-Show auf der Mainstage: „Die Texte sind so gut, die haben mehr Sinnvolles, als der ganze Politik-Mist da draußen.“ Und obendrein nehmen K.I.Z. einem auch Arbeit ab: „Das ist alles nicht ganz tight heute und nicht ganz gerade, aber Euch ist das ja egal, Ihr wollt feiern.“ Was die volle Festwiese auch tut. Und auch sonst haben sich die Juicy-Beats-Besucher in Schale geschmissen: einige bunte Kostüme, blinkende Brillen, schräge Hüte und unzählige Fun-Shirts. Wie auch Poetry-Slammer Torsten Sträter bei seinem Auftritt auf der Sounds- & Poetry Stage des Kulturbüros bemerkt: Ich hab‘ heute sehr viele T-Shirts auf dem Festival gesehen, aber das da hinten find ich großartig: Da steht im Disney-Schriftzug „Malt Whiskey‘“.
Zudem stechen oft die „Juicy Beats“-Shirts der 180 Volunteers - designed von der Gewinnerin des Online-Wettbewerbes, Sina Brinschwitz - ins Auge. Einer von diesen Volunteers, die einen großen Anteil an dem nahezu reibungslosen Ablauf des Festivals hatte, ist Andrée: „Ich wollte mal Teil dieser Maschinerie sein. Es hat auch großen Spaß gemacht, der Umgang war freundlich und entspannt.“ Sogar Zeit, sich eine seiner Lieblings-Bands anzusehen, hat er gefunden: „The Notwist waren großartig, jetzt mit dem neuen Schlagzeuger haben sie wieder eine so unglaubliche Spielfreude“, lobt er die Headliner der FZW-Stage, die nicht nur ihn mit ihrer drucksvollen Noise-Rock-Elektro-Mischung in ihren Bann zogen.
Während auf der Mainstage Boys Noize mit einem treibenden Set die Party-Gemeinde auf die folgende Clubnacht einstimmt, füllt der Festival-Höhepunkt für Fans von Weltmusik die kleine Worldbeat-Stage des WDR. Mit Dub- und Funk-Einschlägen beweisen Quantic And His Combo Bárbaro, dass die Einschätzung des Senders als „wohl derzeit weltweit beste Latin-Band“ eher nicht übertrieben ist. Zu diesem Zeitpunkt verlagert sich das Party-Geschehen aber schon endgültig Richtung Dance-Floors, am Seepavillon und vor dem Club Daddy Blatzheim, wo der Einlass begrenzt wurde, bilden sich schon Schlangen. Die Feierwütigen nehmen es ebenso gelassen wie zuvor beim Einlass am Haupteingang – schließlich haben ja alle die ganze Nacht Zeit.
12:51
#7: Gute Idee für die nächsten Jahre :-) Danke!
09:28
@1: die getränke waren vor 2 jahren genauso teuer wie heute, letztes jahr dafür ein bisschen billiger. aber 10 nark für eine flasche bier ist schon happig. gut dass es im park so viele gebüsche gibt, wo man schon ein paar tage vorher was bunkern kann.
23:46
FSK beseutet FREIWILLIGE SELBSTkontrolle
Ich erlebte ein entspanntes Festival mit bester Stimmung
21:50
#4 Ich bin kein KIZ Hörer. Auch war ich nicht beim Juicy Beats. Aber wer FSK 18 Logos fordert ist entweder erzbieder oder hat bei der Erziehung seiner Kinder versagt.
KIZ geben ihre Konzerte übrigens ab 16 frei. Bestimmt der Veranstalter und nicht die FSK-Stelle.
18:40
Gut zu wissen, dass man CDU-Wähler sein muss, wenn man die Texte von K.I.Z. peinlich, abstossend und nicht gerade tauglich für 14jährige findet. Aber Hauptsache PARTY, WOLL? Solange die Nasenscheidewände halten.
18:14
#1 Immer fleißig CDU wählen, oder gleich nach Bayern ziehen. Taschentuch dazu?
17:52
Die Getränkepreise haben dieses Jahr endgültig das Prädikat bodenlose Unverschämtheit verdient.
Und man dachte letztes Jahr noch, es wäre der Gipfel bereits erreicht.
17:38
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