200 gute Arbeitsplätze sollen im Hafen bleiben
31.08.2010 | 19:19 Uhr 2010-08-31T19:19:00+0200
Dortmund.Die Guten stärken, das schwarze Schaf aussortieren – Stadt und DGB verfolgen im Hafen gemeinsame Ziele: die Qualitätsarbeit erhalten, den Standort pflegen, klare Kante gegen Envio zeigen. Am Dienstag trafen sich Verwaltungs- und Gewerkschaftsspitzen.
„Solche Arbeitsplätze braucht man nicht“, sagte Hans-Jürgen Meier, 1. Bevollmächtigter der IG Metall, mit Blick auf „die vielen PCB-Vergiftungen bei Envio“. Die 200 anderen Stellen auf dem verseuchten Gelände müssten „auf jeden Fall gesichert werden“. Das sieht auch OB Ullrich Sierau so. Der Giftskandal habe „eine Generaldebatte über den Hafen, die Stadt, sogar die Metropole Ruhr“ losgetreten. „Das darf nicht sein“, beklagt Sierau.
Ohne die Überwachungsbehörde in Arnsberg zu nennen, bemängelte er, „die zuständigen Kontrollinstanzen“ hätten Envio „nicht ausreichend begleitet“. Das Schicksal der vergifteten Mitarbeiter sei „hochdramatisch und unerträglich“. Der Skandal erfordere „Konsequenzen für das Kontrollsystem“.
Vorbildlich sei die Initiative von Gasrußwerke-Chef Dr. Hans-Dieter Kahleyß, verloren gegangene Jobs gleich wieder am Standort zu binden. Der Stadt schwebt eine Hafenkonferenz vor, bei der alle ansässigen Firmen ihre Möglichkeiten und Bedarfe einbringen.
Über die stockende Sanierung des Geländes macht sich die Stadt laut Sierau „intern ein paar Gedanken“. Die derzeit verantwortlichen Akteure seien „nur in sehr begrenztem Umfang in der Lage“, die erforderlichen Dinge voranzutreiben. „Das wollen wir forcieren“, sagt Sierau. Wie, darüber schwieg sich der OB aus.
17:29
Da kommt doch endlich mal in den Kommentaren auch das Wort KOKEREIEN vor.
Bin ja mal gespannt.
15:51
Kompakt ist hier wahrscheinlich der falsche Ausdruck. Ist gestrichen.
15:27
Danke, @ vaikl.
Es hat tatsächlich den Anschein, dass hier verhältnismäßig zügig gearbeitet wurde und neue Zuständigkeiten auch wahrgenommen wurden. Interessant auch, dass von Anfang die erhöhten Messwerte einer bestimmten Quelle zugeordnet wurden, was in Dortmund offenbar außergewöhnlich schwierig war, da ja niemand ahnen konnte, dass ausgerechnet der PCB Entsorger in der Stadt Verursacher sein würde.
Unna ist halt eine kompaktere und bessere Wohngegend. Gift in der Dortmunder Südstadt hätte eine ganz andere Aktivität ausgelöst als wir sie hier erdulden müssen.
19:44
@ Laertes
http://www.kreis-unna.de/fileadmin/user_upload/Kreishaus/69/pdf/Neufassung_Nickelthematik.pdf
Erwähnenswert ist dabei die Verwaltungsstrukturreform 2008 (immer wieder 2008, schon seltsam), die den Städten und Kreisen neue Verantwortungen zusprach.
18:49
@4, vaikl:
Eine Frage zur Kommune, die komischerweise selbst alles Notwendige regeln konnte.
Hätten Sie vielleicht einen Link auf eine Quelle, die dies dokumentiert? Ich halte das für durchaus wichtig, finde hierzu aber bislang nichts sinnvolles.
04:56
Ok, bei den ganzen Skandalen verliert man mittlerweile selbst die Übersicht.
Es sollte statt Schwerte und Deutsche Nickel (die aber auch in einen Umweltskandal verwickelt sind, bei der die Kommune komischerweise selbst alles Notwendige regeln konnte, statt auf Arnsberg zu schießen) Witten und HP Pelzer Chemie heißen.
04:47
Sierau sieht es halt nicht gern, wenn der wundersam schnelle Strukturwandel von einer vergifteten Ruhr-Region hin zu durchgestylten Freizeit-Paradiesen und Immobilien-Goldgruben durch einfache Fragen nach der Altlasten-Problematik gestört wird. Er müsste ja zugeben, dass diese nur durch weitgehende, informelle Zugeständnisse an die finanzstarke Schwer- und Chemieindustrie bewältigt werden kann.
Diese Zugeständnisse z.B. mit 15 Stadt-Millionen zum Kauf der Phoenix-Brache von ThyssenKrupp, ohne dass dieser Konzern einen Cent für die eigentlich gesetzlich vorgeschriebene Altlasten-Entsorgung aufwenden wollte, sichern ihm doch seinen Stuhl, wenn die Hörder Spezialdemokraten begeistert ums goldene Kalb Phoenix-See tanzen.
Oder nehmen wir ein aktuelles Beispiel aus Unna-Massen, wo auf einem Gewerbegelände sich ein PCB-verseuchter Teeröl-Tank langsam ins Grundwasser ergießt. Der amerikanische Altbesitzer lacht sich ins Fäustchen ob der hilflosen Politik-Versuche, die Entsorgungskosten Irgendjemandem in die Schuhe zu schieben.
Oder die zu Industrie-Hochzeiten beliebten Gichtgasschlämme aus Kokereien und Gaswerken, die z.B. im Dreieck Herne, Gelsenkirchen und Herten direkt an der Emscher zu tausenden Kubikmetern mit Absegnung eines SPD-Stadtfürsten aus Recklinghausen dort nur mit einer flüchtigen Mutterboden-Schicht abgedeckt wurden und nun drohen, wegen der Emscher-Renaturierung ihre Eisencyan-Komplexe durch Sonnenlicht zu höchst giftiger Blausäure umzuwandeln.
Wobei dann auch in Schwerte bei einem Unternehmen auf dem Gelände der Deutschen Nickel mit Blausäure so umgegangen wurde, als ob es Duschgel wäre und die kontaminierten Mitarbeiter entweder starben oder als Störenfriede in Containern zwangs-isoliert wurden...
Nein, *das* darf nicht sein. Aber es passiert, lieber Herr Sierau.
13:04
Der Giftskandal habe „eine Generaldebatte über den Hafen, die Stadt, sogar die Metropole Ruhr“ losgetreten. „Das darf nicht sein“, beklagt Sierau.
Warum darf das nicht sein? Das muß sogar sein, Herr Sierau, sonst bliebe garantiert alles beim alten. Wenn die Repräsentanten der Metropole Ruhr dermaßen schlechte Arbeit leisten, führt das halt, gottseidank, zu Generaldebatten, die auch vor Schlagworten nicht halt machen.
Und wer über Forcierung spricht, sollte auch dazu konkret werden - oder sich besser ausschweigen.
01:04
Sierau sollte sich schon mal Gedanken machen, wie er erklärt, dass er als damaliger Umweltamt-Chef überhaupt nichts, gar nichts zur ausreichenden Begleitung sowohl von ABB als auch Envio beigesteuert hat, von seinem Nachfolger Steitz mal ganz abgesehen.
Die Generaldebatte wird - anders, als er mal wieder denkt - nämlich in genau *diese* Richtung laufen, da kann er drauf wetten.
Hat er sich denn zur Forcierung schon die Projekt-Doku aus der Wirtschaftsförderung zeigen lassen, die in 2008 bei Envio angefertigt wurde?