20 Monate auf Bewährung für Ex-BVB-Präsident Niebaum

Ex-BVB-Präsident Gerd Niebaum muss nicht ins Gefängnis. Mit im Bild: Ein Rechtsvertreter der Kanzlei Reuker aus Dortmund.
Ex-BVB-Präsident Gerd Niebaum muss nicht ins Gefängnis. Mit im Bild: Ein Rechtsvertreter der Kanzlei Reuker aus Dortmund.
Foto: Ralf Rottmann/Archiv
Was wir bereits wissen
Ex-BVB-Präsident Gerd Niebaum muss nicht ins Gefängnis. Der 66-Jährige wurde zu einer Bewährungsstrafe von 20 Monaten verurteilt.

Essen.. Der frühere BVB-Präsident Gerd Niebaum muss nicht ins Gefängnis. Das Landgericht Dortmund verurteilte ihn am Freitag zu einem Jahr und acht Monaten Haft zur Bewährung.

Vier Monate davon gelten wegen “rechtsstaatswidriger Verzögerung” bereits als vollstreckt. Außerdem soll er 50 Stunden gemeinnütziger Arbeit ableisten. Niebaum und die Staatsanwaltschaft nahmen das Urteil, das in nicht einmal zehn Minuten begründet wurde, sofort an.

Zuvor hatten Staatsanwalt Dirk Stickeln und Verteidiger Götz Reuker bereits beide eine Bewährungsstrafe für den 66-Jährigen beantragt, der strafrechtlich für Betrugs- und Untreuestraftaten in Höhe von rund 800.000 Euro verantwortlich sein soll.

Niebaum hat sich finanziell übernommen

Obwohl es informelle Gespräche über die Strafhöhe gegeben hatte, nahm Richterin Susanne Rauhaus zu Protokoll, dass es keine Urteilsabsprache “im Sinne des Gesetzes” gegeben hätte.

Niebaum-Prozess Staatsanwalt Stickeln fasste sich nach sechs Verhandlungstagen kurz und hob hervor, dass Niebaum im Grunde alle Kredite zurückgezahlt hätte. Deshalb könne von einem besonders schweren Betrug keine Rede sein.

Niebaum hätte sich 2005, nachdem er den Präsidentenposten beim BVB in einer erheblichen wirtschaftlichen Krise des Vereins abgeben musste, auch persönlich übernommen. Er hatte damals seinen Kanzleisitz an die B1 verlegt und die Praxis erheblich vergrößert. Um sich finanziell über Wasser zu halten, hätte Niebaum sich mit falschen Angaben über seine Verbindlichkeiten Kredite erschwindeln wollen und sich aus einer Testamentvollstreckung bedient.

Bewährungshelfer "völlig überflüssig"

Staatsanwalt Stickeln hielt angesichts des geringen Schadens, der Wiedergutmachung und des tadellosen Vorlebens von Niebaum eine Gesamtstrafe von einem Jahr und zehn Monaten Haft für angemessen. Weil das Verfahren lange liegen gelassen wurde, sollten wegen “rechtsstaatswidriger Verzögerung” vier Monate Haft als bereits vollstreckt gelten.

Ein Bewährungshelfer für Niebaum sei “völlig überflüssig”, betonte Stickeln. Das Gericht solle ihm natürlich eine Arbeitsauflage machen, weil wegen Niebaums Vermögenslosigkeit eine Geldauflage nicht möglich sei.

Als Straßenfeger will er den ehemaligen Rechtsanwalt und Notar nicht sehen. Stickeln: “60 Stunden gemeinnütziger Arbeit sollten es sein, aber ohne Prangerwirkung.”

Verteidiger übt Kritik an Berichterstattung

Verteidiger Götz Reuker nutzte sein Plädoyer, um die persönlichen Verdienste Niebaums hervorzuheben. Damit meinte er dessen Lebensleistung: “Er ist jetzt 66 Jahre alt und hat davon 56 Jahre sozial völlig angepasst und erfolgreich gelebt.”

Justiz In finanzielle Schieflage sei Niebaum geraten, weil er nach der Wende “wie viele Bürger” in ostdeutsche Immobilien investiert hätte, um Steuer zu sparen. Reuker: “Dieser angebliche Steuervorteil hat ihm wohl den Kopf vernebelt.”

Kritik übte Reuker an den Medien, die den Angeklagten “mit vollem Namen nennen und sein Foto ungepixelt bringen”. Allerdings hatte Reuker im gesamten Verfahren nie den Wunsch geäußert, dass der ehemalige BVB-Präsident anonym bleiben solle.

Gerd Niebaum verzichtete im letzten Wort auf weitere Ausführungen und schloss sich seinem Verteidiger an.