18.000 Dortmunder schlucken Pillen gegen den Stress

Arbeitnehmer greifen zu Medikamenten, um fit für den Job zu sein.
Arbeitnehmer greifen zu Medikamenten, um fit für den Job zu sein.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Immer mehr Arbeitnehmer putschen sich künstlich auf: 18.000 Dortmunder haben schon einmal mit verschreibungspflichtigen Pillen am Arbeitsplatz gedopt.

Dortmund.. Rund 18.000 Dortmunder haben schon einmal mit verschreibungspflichtigen Pillen am Arbeitsplatz gedopt. Das hat eine Befragung der Krankenkasse DAK ergeben. Die einen wollen ihre Leistung steigern, die anderen kämpfen gegen den Job-Stress.

Das Ergebnis der Doping-Studie: Während bei der letzten Befragung 2008 4,7 Prozent der Beschäftigten angaben, schon einmal Hirndoping eingesetzt zu haben, waren es 2014 6,7 Prozent. Mit Dunkelziffer rund 12 Prozent. Diese Ergebnisse hat Hagen Rödiger, DAK-Chef in Dortmund, am Mittwoch vorgestellt.

Laufblog Für Dortmund mit knapp über 300.000 Erwerbstätigen heißt das: 18.000 Berufstätige haben wenigstens einmal gedopt mit verschreibungspflichtigen Pillen, um am Arbeitsplatz leistungsfähiger zu sein oder Stress abzubauen. 7500 Arbeitnehmer nutzen sogar regelmäßig Medikamente für diesen Zweck. Nicht eingerechnet sind frei verkäufliche Mittel wie Koffeintabletten oder Gingko-Produkte.

Leistung steigern oder Müdigkeit bekämpfen

Doch was sind die Gründe? Während Männer zur Leistungssteigerung dopen, tun Frauen dies zur Stimmungsaufhellung und um Müdigkeit zu bekämpfen. Prof. Dr. Maximiliane Wilkesmann von der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Technischen Universität Dortmund macht bei Frauen auch höhere Doppelbelastung für Doping verantwortlich: "Wer nachts am Bett seines fiebernden Kindes sitzt und dann in den Job geht, ist gefährdeter."

Ursachen für Pillen-Missbrauch erkennt die Wissenschaftlerin auch in den vielen befristeten Arbeitsverhältnissen und der zunehmenden Entgrenzung von Arbeits- und Freizeit. Hagen Rödiger sieht einen Ausweg in besserer betrieblicher Gesundheitsvorsorge und einem Führungsstil, der die Mitarbeiter einbindet.

Der Krankenstand unter den DAK-Versicherten in Dortmund lag mit 4,5 Prozent erneut höher als im Landesdurchschnitt (3,8 Prozent). Nach Muskel-Skelett-Erkrankungen führen Psychische Störungen wie Depressionen und Angstzustände die Statistik an.