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14-Jähriger aus Syrien wird in Dortmund operiert

24.08.2012 | 17:58 Uhr
14-Jähriger aus Syrien wird in Dortmund operiert
Der aus dem syrischen Homs stammende 14jährige Hussam, der vor etwa einem halben Jahr durch Granatsplitter schwer im Gesicht verletzt wurde, wird am Montag in der Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie am Klinikum Nord in Dortmund operiert. Der Dortmunder Kinderarzt Dr. Khalil Bajbouj (r.) und der Syrische Verein zur Förderung der Freiheiten und Menschenrechte haben die Reise und Behandlung organisiert. Die Ärzte des Klinikums verzichten auf ihr Honorar. Links: Dr. Ahmad Amerr Alkhateeb. Ganz links: Hussams Vater.Foto: Helmuth Vossgraff

Dortmund. Der Schrecken des Bürgerkriegs in Syrien hat viele Gesichter. Auch das von Hussam. Doch das Antlitz des 14-Jährigen, es ist furchtbar entstellt, seit ein Geschoss ihm ein Auge, die Nase und die Wange zerfetzt hat. Jetzt versucht ein Expertenteam der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie des Klinikums zu retten, was zu retten ist.

Homs. Der Name steht für das Grauen des Bürgerkriegs, in dem ein Diktator gegen sein eigenes Volk kämpft. Auch gegen die Kinder. Hussam wird sein Leben lang diesen schrecklichen Tag nicht vergessen. Es war der 26. März, als er für seine Mutter Medikamente holen wollte. Doch in der Apotheke kam er nie an. Auf der Straße erlebte er einen verheerenden Granatteneinschlag. Zwei junge Frauen zählten zu den Opfern dieses Angriffs. Hussam zögerte keine Sekunde, um den Schwerverletzten zu helfen. Er organisierte noch ein Auto, um die Frauen in die nächste Klinik zu fahren.

Da detonierte der zweite Sprengkörper in Hussams unmittelbarer Nähe. Metallstücke sirrten durch die Luft. Sie trafen Kopf und Leib des jungen Syrers mit voller Wucht. „Ich hatte starke Schmerzen. Aber ich war die ganze Zeit bei Bewusstsein“, berichtet der Teenager heute. Diesmal war er es, der so schnell wie möglich in das nächste Krankenhaus gebracht werden musste. Hussam blutete stark. Es ging um Leben und Tod.

Der aus Syrien stammende Kinderarzt Dr. Khalil Bajbouj, der seit langem in Dortmund praktiziert und den syrischen Verein zur Förderung der Freiheit und Menschenrechte gegründet hat, hilft seinen Landsleuten. Er weiß, dass die beiden Krankenhäuser, in die Hussam nacheinander gebracht wurde, ebenfalls bombardiert wurden. Trotzdem überlebte der Junge. Seinem Vater gelang es dann mit Hilfe des Dortmunder Vereins, die Zusage für eine kostenlose Behandlung des Jungen am Klinikum zu erhalten. Khalil Bajbouj ist dankbar für das Angebot. Die Ärzte um Prof. Stefan Haßfeld operieren umsonst. Das Material wird aus den von jedem Monatsgehalt gespendeten Cent-Beträgen der Klinik-Beschäftigten bestritten.

Angst vor dem Regime

Zweimal wurde der Antrag auf ein Visum abgelehnt. Beim dritten Versuch gelang dem 30-jährigen Abdul dann die Ausreise aus Syrien. In Dortmund warteten sein Bruder Machmut und seine langjährige Verlobte auf ihn. Abdul hat in der Provinz Daraa, nahe der jordanischen Grenze gewohnt. Der junge Syrer will nicht mehr zurück. Er möchte in Dortmund Germanistik studieren. „Es ist sehr schön hier, viel Natur“, sagt er unsicher. „Die Menschen sind nett, keiner zuckt zusammen, wenn die Polizei vorbei fährt. Und wenn drei oder vier Leute zusammen stehen, kommt niemand und fragt, was sie vor haben.“

Abdul und Machmut sind nicht ihre richtigen Namen. Beide haben Angst vor dem langen Arm des syrischen Geheimdienstes. Und deshalb möchten sie auch nicht ihren richtigen Namen in der Zeitung lesen. Ein Foto? Unmöglich. In wenigen Tagen würde der Geheimdienst bei seinen Eltern an die Tür klopfen. Mit Repressalien drohen.

Machmut ist seit über zehn Jahren in Dortmund. Er verließ Syrien, als er zum Militär sollte. „Ich wusste, dass ich zu Sachen gezwungen würde, ich ich nicht vertreten kann. Jetzt müsste ich zum Beispiel auf das eigene Volk schießen. Oder ich würde selbst umgebracht.“

Assad muss weg, sind sich beide einig. Aber sind die Syrer bereit für eine Demokratie? Abdul zuckt die Schultern. „Ich glaube nicht wirklich daran. Das System beherrscht die Menschen seit über 40 Jahren, jede Opposition wird nieder geknüppelt.“ Beide würden militärische Hilfe aus dem Westen befürworten. Aber was dann werden soll, sei schwer einzuschätzen.

Susanne Beckmannund Gerald Nill



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