104 Blutproben der Envio-Untermieter ausgewertet
09.07.2010 | 14:03 Uhr 2010-07-09T14:03:00+0200
Dortmund.Die Blutproben von 104 Mitarbeitern der Envio-Untermieter sind ausgewertet. 99 der Proben sind minimal bis leicht mit PCB belastet – bei fünf Mitarbeitern aber sind die Werte umweltmedizinisch bedenklich.
104 Mitarbeiter, die bei Firmen auf dem Envio-Gelände arbeiten, haben am Freitag (9. Juli 2010) ihre persönlichen Blutwerte und eine erste medizinische Beratung erhalten. Das teilt die Stadt Dortmund in einer Pressemitteilung mit. Die schlechte Nachricht: In fünf Fällen liegt die PCB-Konzentration über den Referenzwerten und auch über einem vorläufigen ‚Gesundheitsrichtwert’, den die medizinische Expertenkommission für besonders empfindliche Bevölkerungsgruppen abgeleitet hat.
99 von 104 Proben „nur“ unauffällig bis leicht erhöht
Bei den restlichen 99 Personen waren die Messwerte in einer Höhe, die nach heutigem medizinischen Wissensstand gesundheitliche Wirkungen nicht erwarten lässt – bei 52 davon waren die Messwerte unauffällig, bei 47 fanden sich minimal bis leicht erhöhte Werte. Insgesamt liegen die Belastungen der jetzt untersuchten Beschäftigten deutlich unter denen der 30 Envio-Mitarbeiter.
Die medizinische Expertenrunde um Prof. Michael Wilhelm (Ruhr-Uni Bochum) hatte am vergangen Mittwoch die von einem Erlanger Institut erhobenen Untersuchungsergebnisse analysiert und bewertet. Der Maximalwert der Proben liegt für das niedrig-chlorierte PCB 28 bei 4,40 µg/l (Spitzenwert bei den Envio-Mitarbeitern: 255,74 µg/l). Das 95. Perzentil (95 Prozent der Fälle liegen unterhalb dieses Wertes) liegt bei 0,53 µg/l gegenüber 85,9 µg/l bei den Envio-Mitarbeitern.
Bürokräfte weniger belastet als Produktionsmitarbeiter
Interessant waren die Ergebnisse auch im Hinblick auf die unterschiedlichen Tätigkeitsbereiche der Mitarbeiter. Die summierte Belastung für die PCBs 138, 153 und 180 hatte für die Envio-Belegschaft (95%-Wert) bei 82,7 µg/l gelegen. Für die Nachbarfirmen reicht sie von 3,62 µg/l für Bürokräfte über 4,81 µg/l für Produktionsmitarbeiter im Außenbereich bis zu 11,0 µg/l für die Produktion im Innenbereich.
Die Medizinerrunde legte fest, dass alle Mitarbeiter, auch die mit nur leicht erhöhten Werten, die Möglichkeit einer langfristigen medizinischen Betreuung und Untersuchung erhalten sollen. Sie werden nun – Einverständnis vorausgesetzt – der Berufsgenossenschaft gemeldet, die die weitere Betreuung unter Begleitung eines wissenschaftlichen Expertenteams koordiniert. Kurzfristig können alle betroffenen Beschäftigten einen persönlichen Beratungstermin im Gesundheitsamt vereinbaren.
23:11
Ist eigentlich seitens der Stadt allgemein darüber informiert worden, dass am Montag, dem 12. Juli, um 18h eine Bürgerversammlung im Depot in der Immermannstrasse stattfinden soll?
Ich höre davon nichts bis gar nichts.
14:25
@ #19
Persönlichen Frust lesen wir hier nur aus solchen Kommentaren wie dem von Ihnen, wenn die Gefolgschaft der Stadtspitze wieder mal merkt, dass auch Verunglimpfungen nicht gegen Transparenz helfen.
Wir werden sehen, wie sich Sierau, Mager und Co. verhalten, wenn sie z.B. die Vorgänge in 2008 um Envio herum erläutern müssen.
14:14
@17:
Ihre Hinweise sprechen Bände. Es liegt auf der Hand, dass ein solcher Vorgang nicht ohne die freundliche Unterstützung/Unterlassung seitens der Stadt stattfinden konnte. Hierzu passen die typischen routinierten gegenseitigen Schuldzuweisungen, die mittlerweile einen schönen Kreis bilden, wo nach rechts und links bequem durchgereicht werden kann.
Ullrich Ulli Sierau, klare Sache, ist einer von uns, er redet im örtlichen Idiom und gibt sich (wie Steitz) empört - einzig aus dem Grunde, weil er Profi genug ist um zu wissen, dass in der allgemeinen Wahrnehmung gilt: gut behauptet ist halb bewiesen. Wie hätte er es sonst auch zum OB gebracht?
Er selbst läßt in seinem Internet-Auftritt aber auch andere für sich sprechen:
„Ich werde Ulli Sierau wählen, weil ich schon lange als Naturfreund kenne. Er ist integer, unbestechlich, klug und weitsichtig, fleißig und engagiert mit Herz und Verstand für unsere Stadt.”
So macht man das.
13:21
Ach Lohmann - jetzt hat ihre Hetze gegen Sierau bei der Wahlwiederholung schon nichts gebracht, jetzt versuchen wir es halt mal mit einer neuen Skandalgeschichte?
Wie tief muss bei Ihnen eigentlich der persönliche Frust sitzen, dass bis tief in die Nacht in die Tasten gehauen wird?
13:19
@13
Alles klar, danke für die Info.
04:14
So, nachdem sich hier Keiner mehr zu Antworten traut, wird es Zeit, den Skandal etwas tiefer zu betrachten:
Unser neuer OB Sierau war vom Mai 1999 bis zum März 2005 sowohl Planungs- als auch *Umwelt*-Dezernent der Stadt Dortmund. Im März 2005 hat er sein Umwelt-Amt an den jetzigen Dezernenten Steitz abgegeben.
In Sieraus *Umwelt*-Amtszeit fiel also auch die Management-Buy-Out-Ausgründung der Trafo-/PCB-Entsorgungssparte aus der damals schon seit einem Jahrzehnt im gleichen Geschäft und mit gleichen Anlagen tätigen AseaBrownBoverie (ABB) Services GmbH in die Envio Recycling GmbH & Co. KG am Standort Hafen, heute als Envio AG zeichnend.
Das Gelände der Vorläufer-Firma ABB und der Nachfolger-Firma Envio gehört seit jeher der Dortmunder Hafen AG als DSW21-Tochter und damit der Stadt als letztendlich Zustands-Verantwortlicher im Sinne des BundesBodenschutzGesetzes.
Warum wurde Herr Sierau bislang nicht nach *seiner* Verantwortung für den Betriebsübergang einer Gefahrstoff-Entsorgungsfachfirma befragt, die nach dem jetzt bekannt gewordenen Gutachten schon in 2007, also spätestens 2 Jahre nach seiner Amtsübergabe an Steitz, massiv mit PCB belastet war?
Da die Wirtschaftsförderung in 2008 Fördergelder aus dem Urban-II-Programm der EU für Envio kassierte, in 2007 auch noch 850.000 Euro an Technologie-Unterstützung aus Brüssel flossen und Envio mit dem Öko-Profit-Preis für 2009 ausgezeichnet wurde, stellt sich auch noch die Frage, in wieweit Sierau als nachfolgender, alleiniger Planungsdezernent und Stadtdirektor Envio gegenüber anderen Umwelttechnologie-Unternehmen aus Dortmund bevorzugt hat.
01:03
Vielleicht noch eine Anmerkung, *warum* es keine Human-Studien über hohe PCB-Kontaminationen gibt:
Es gab in den Sechzigern mehrere Besorgnis erregende, tragische PCB-Vergiftungen mit Toten und vielen auf Dauer Geschädigten, so dass man sich in Folge der dramatischen DDT-Skandale entschied, auch dieses Gift zu verbannen. Ein sehr interessanter Artikel des Spiegels aus 1971 ist hier nachzulesen: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-43230997.html
Danach war Jedem klar, dass es außer in Tierversuchen, in denen die starke Toxizität nachgewiesen wurde, keine wissenschaftlichen Studien an lebenden Menschen geben würde, da sich Niemand diesem Gift freiwillig aussetzt.
Die endgültige Vernichtung der immer noch überall, auch in unserer täglichen Umgebung vorhandenen PCB-Reste sollte in den Industrie-Ländern eigentlich bis 2010 abgeschlossen sein.
Aber die schönen Envio-Folien zeigen ja, dass man sich auch noch die nächsten Jahre ein richtig gutes Geschäft mit den Erbschaften von Bayer und Monsanto verspricht. Und Envio ist nicht der einzige PCB-Entsorger...
00:25
@ #14
Dann schreiben Sie der lieben Frau Christine Kirchhoff als Autorin dieses einen WDR-Onlineartikels eine nette Mail, dass sie miserabel recherchiert hat. Bis vor ca. 3 Wochen hat der WDR diesen Skandal sowieso sehr stiefmütterlich behandelt, da war bei meinen Anrufen Niemand im Thema.
Wie man aber deswegen auf die Idee kommt, die Medien würden die Betroffenen verängstigen, erschließt sich mir nun gar nicht.
00:06
Der extremste Wert bei einem Envio-Mitarbeiter lag bei 250 Milligramm - das ist das 25.000-fache.
WDR meldung vom 28.06. So ging das wohl an die Presse.
00:02
@ #12
Es gibt nicht den *einen* Referenzwert. Zunächst wird nach dem Alter der Probanden unterschieden, da sich PCB ja im Körper während der Lebenszeit aufsummieren. Dann wird nach sog. Kongeneren unterschieden, die grob gesagt die Anzahl/Anordnung der Chloratome charakterisieren (es gibt offiziell 6 von ca. 200 Varianten, die am häufigsten im Blut nachgewiesen wurden) und dann wurden die Referenzwerte in den letzten 20 Jahren auch noch mehrfach angepasst, da man ja davon ausging, dass durch das Produktionsverbot Anfang der Neunziger kaum noch PCB nachkamen.
Eine relativ aktuelle (2008) Auf- und Gegenüberstellung finden Sie z.B. hier:
http://www.uni-duesseldorf.de/AWMF/ll/002-031.htm
Wichtig bleibt weiterhin, dass diese Referenzwerte nur auf der Annahme basieren, dass PCB zum größten Teil über die Nahrungskette als Restrauschen der im letzten Jahrtausend produzierten Menge von ca. 1 Million Tonnen aufgenommen werden.
Über so hohe Konzentrationen, wie sie die Envio-Mitarbeiter in relativ kurzer Zeit aufgenommen haben müssen, gibt es keine Studien und demnach keine Vergleichswerte.