Das aktuelle Wetter Dorsten 25°C
Elternbefragung

Wunschschule und Pflichtschule

21.03.2012 | 16:34 Uhr
Wunschschule und Pflichtschule

Dorsten. Zwischen Wunsch und Wirklichkeit klaffen in der Dorstener Schullandschaft große Lücken. Das ist wohl das zentrale Ergebnis der Elternbefragung, deren Auswertung die Stadtverwaltung nun für den Schulausschuss vorgelegt hat (tagt am 26. März, 17 Uhr, im Rathaus ).

Befragt wurden Eltern von angehenden i-Männchen sowie aktuellen Grundschülern. 3300 der vierseitigen Bögen wurden verteilt, 2400 ausgefüllt zurück gegeben. Mit 73% sei das Ergebnis nicht nur ein Stimmungsbild, sondern fast eine „Totalerhebung“, sagt Hubertus Schober (Projektgruppe Bildung und Region), der die Stadt bei der laufenden Schulplanung berät.

Erkenntnis 1: Die Hauptschule wäre längst mausetot, wenn es allein nach den Wünschen der Eltern geht. Nur 2 % würden sie freiwillig für ihr Kind wählen. Weil es aber insbesondere für Kinder mit Hauptschul-Empfehlung in Dorsten vielfältige Zugangsbeschränkungen zu anderen Schulformen gibt, liegt der Anteil der Hauptschüler noch bei 17 %. Schober: „Letztlich bleibt die Hauptschule die nicht gewünschte Pflichtschule.“

Erkenntnis 2: Das Gymnasium ist für die meisten Eltern die Wunschschule. Im Mittel wert der fünf befragten Jahrgänge möchten 49 % der Eltern ihr Kind auf den geraden Weg zum Abitur schicken, tatsächlich sind es derzeit 32 %. Je näher allerdings der Wechsel auf die weiter führenden Schulen rückt, desto stärker nähert sich der Wunsch der Wirklichkeit an: Im vierten Jahrgang sind es nur 46 %.

Erkenntnis 3: Wenn Gymnasium – dann aber bitte mit Abitur nach neun Jahren (G9). 81 % der Eltern votieren dafür. Und auch bei den Eltern von Viertklässlern, die den Leistungsstand ihres Kindes kennen und sich recht sicher fürs Gymnasium entscheiden, wünschen nur 24 % die verkürzte G8-Laufbahn. Das Petrinum hat darauf gerade reagiert und den achtjährigen Zweig zum Abitur ersatzlos gekappt (WAZ berichtete).

Erkenntnis 4: Auch mit der Möglichkeit, neue Formen wie die Sekundarschule einzuführen oder mit der eindeutig Ablehnung der Hauptschule, stellen die Dorstener Eltern das gegliederte Schulsystem nicht grundsätzlich in Frage. Zwei Drittel wollen es eher erhalten wissen, ein Drittel – darunter vor allem Eltern, für die eine Gesamtschule heute schon erste Wahl wäre – kann sich vorstellen, dass es nur eine Schule für alle gibt. Dazwischen gibt es Mischformen: Eltern etwa, die sich mit einem integrierten System bei Erhalt des Gymnasiums anfreunden können.

Erkenntnis 5: Eine Sekundarschule wäre nur für 9% aller Eltern ohne Wenn und Aber interessant. Für weitere 46 % mit dem Zusatz „vielleicht“. Stärkste Zustimmung erfährt diese neue Form von Eltern, die ansonsten einer Gesamtschule zugeneigt wären (73 % Ja oder Vielleicht), die stärkste Ablehnung bei Eltern, die für ihr Kind das Gymnasium wünschen (69 % nicht oder eher nicht).

Erkenntnis 6: Das Interesse an „echten“ Ganztagsschulen in Dorsten ist durchaus noch schwach ausgeprägt. Zwar wünschen 42 % der Eltern Ganztagsbetreuung, aber nur 14 % eine Halbtagsschule mit Mittagessen und 26 % die klassische Halbtagsschule. Allerdings: Von den 42 % Eltern mit dem Wunsch nach Ganztagsbetreuung würden nur 15 % ihr Kind regelmäßig dorthin schicken, 30 % an bestimmten Tagen und 55 % nur nach Bedarf.

Ludger Böhne


Kommentare
Aus dem Ressort
Eltern aus Oberhausen stinkt erneuter Lehrerwechsel
Schule
Nach den Sommerferien steht eine neue Klassenlehrerin vor der 3a der Alsfeldschule in Oberhausen-Sterkrade. Das ist dann die fünfte Pädagogin in nur sechs Monaten. Die Mütter der Grundschüler wehren sich gegen diesen wiederholten Lehrerwechsel, der ihre Kinder benachteilige.
Bochum soll zum Markenzeichen werden – WAZ-Leser liefern Ideen
Stadtwerbung
Bochum ist eine Stadt im Wandel. Anlass für die Stadtwerber von Bochum Marketing, über einen neuen Markenauftritt nachzudenken. Genauer: nachdenken zu lassen. Denn an den Vorbereitungen für eine zeitgemäße Darstellung Bochums beteiligten sich in den vergangenen Monaten etliche Akteure aus...
Wie Städte an Rhein und Ruhr von EU-Förderungen profitieren
EU-Mittel
In Essen ist es die Zeche Zollverein, in Witten die Skaterbahn am Kemnader See, in Bochum die Bühne am Bermudadreieck. Viele Kultur- und Freizeiteinrichtungen in NRW werden mit Mitteln der Europäischen Union gefördert. Ohne die Finanzhilfe könnte es viele von ihnen gar nicht geben. Ein Überblick.
Welper auf dem Weg zur Vielfalt
Serie Stadtteile
Im Stadtentwicklungskonzept 2030 stehen Bausteine für die Aufwertung des Stadtteils.Die Aufnahme ins Programm „Stadtumbau West“ soll nun für den nötigen Schub sorgen
Karlheinz Wagner entkommt dem Tod zweimal nur knapp
Bombenkrieg im Ruhrgebiet
Karlheinz Wagner ist dem Tod während des Bombenkriegs zweimal nur knapp entronnen. Seine Familie aus Mülheim-Heißen wurde im Zweiten Weltkrieg gleich zwei Mal ausgebombt. Wagener, Jahrgang 1928,hat die Kriegsjahre überstanden. Mit großem Glück.
Fotos und Videos
EU-Projekte in NRW
Bildgalerie
Förderung
40 Jahre Städtepartnerschaft
Bildgalerie
Städtepartnerschaft
Katastrophenschutz in der Muna
Bildgalerie
Fotostrecke
Oktoberfest in der Feldmark
Bildgalerie
Fotostrecke