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Rosenmontagszug

Wenig He! und eher lau

20.02.2012 | 17:12 Uhr
Wenig He! und eher lau
Am 20.02.2012 führte der Rosenmontagszug in Dorsten um die Altstadt. Foto: André Elschenbroich / WAZ FotoPool

Dorsten.War das nun für die Stadt ein kräftiges Helau oder wenig He und eher lau? Wohl eher letzteres. Tatsache ist: Dorstens Rosenmontagszug hat bessere Zeiten und mehr Publikum gesehen. Tatsache ist auch: Wer dabei war, hatte Spaß. Und die Aktiven, die im Zug mitlaufen, mitfahren, musizieren – die machen ihr Geschäft unverdrossen und mit Leidenschaft.

17 Wagen und Gruppen. Zwei weniger als im letzten Jahr. Und Bodo Kammann vom Festkomitee führt auf seiner Liste das Kehrmaschinengeschwader am Zugende noch als Position 18. Das ist nicht viel. Um die erste Drängelstelle nach dem Start zu passieren, die Kurve am Lippetor von der Kanalbrücke in den Westwall, braucht der ganze Tross gerade mal gute zwanzig Minuten. Dann ist’s schon vorbei. „Echte“ Wagen, die auch mal einen frechen Spruch auf der Wand haben: Ganze drei.

Dorsten in Jeckenhand

Da rollt die unüberhörbar gut gelaunte Police-Dance-Academy der Tanz-Show-Garde („und jeder der verhaftet wird, der hat bis morgen frei“). Die Feldmärker Schützen finden, „lieber ein schönes Feldmark-Dekolleté, als Vergnügen im Atlantis-Séparée“. Und die Wulfenia kommt griechisch in Wickelgewändern daher. So kräftig feuern die Wulfener die Klümpchen aus dem Wagenfenster , dass man fürchten muss, wir kriegen jetzt die Kamelle-Krise.

Kommentar
Wo bleiben

Der Karneval in Dorsten schmilzt sichtbar dahin (oder verlagert sich in die Vereine, die sehr erfolgreiche Feste organisieren). Das ist schade, denn eine Stadt wie Dorsten hat einen ordentlichen Straßenkarneval verdient (auch wenn wir Westfalen sind). An den Matadoren liegt es nicht. Die stecken mit einiger Hingabe Arbeit, Herzblut und Geld in den Rosenmontagszug. Doch alle Aufrufe an Vereine, Gruppen, Institutionen, sich zu beteiligen, verpufften bisher. Wer den Zug kritisiert, sollte sich zuerst an die eigene (Papp-)Nase fassen.

Und das Publikum? 10  000 Zugzuschauer wäre vermutlich zu hoch gegriffen. Bis vor zehn Jahren waren’s um die 25 000. Am Lippetor, wo früher kein Durchkommen war, findet jeder einen bequemen Platz am Straßenrand. Statt tausender Menschen stehen hier vielleicht ein paar hundert. Am Westwall streckenweise fast leere Bürgersteige. Kostümiert sind wenige im Narrenvolk, besonders auffallend ist so gut wie niemand. Da geht im Schalker Fan-Land ein BVB-Schal auf Ringel-T-Shirt schon als Verkleidung durch.

Positive Kehrseite: Es gibt weit und breit wohl kaum einen friedlicheren Karneval. Ein paar Polizisten der Hundertschaft („die waren überrascht, wie klein die Stadt ist“, erzählt einer vom Ordnungsamt) stehen ganz entspannt eingangs der Lippestraße. „Keine Vorkommnisse“, melden die Ordnungshüter. Alkohol getrunken wird am Straßenrand kaum. Ein Pinnchen Sekt und ein Berliner mit Eierlikörfüllung sind da schon der Gipfel der Ausschweifung.

Und so können vor allem die kleinen Kinder den Zug genießen. Ohne Gedränge von hinten zugucken, ohne hektische Grabscherei die Bonbons aufsammeln. Die – und darum macht der Zug doch immer wieder Spaß – stehen da mit großen Augen und staunen.

Ludger Böhne

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